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Airbus-Chef Thomas Enders : „Wir sind nicht im Testosteron-Rennen“

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Der Zeitpuffer, den Sie für Verzögerungen eingeplant haben, ist schon aufgebraucht, oder?

Ja, jedenfalls zum Teil. Aber auch das ist nicht ungewöhnlich, und wir arbeiten daran, dass wir wieder Zeit hereinholen.

Boeing ist schneller dran und hat Ihnen mit seinem neuen Dreamliner in Farnborough die Schau gestohlen. Ärgert Sie das eigentlich?

Da gibt es nichts zum Ärgern. Unser Wettbewerber ist weder schneller, noch hat er uns die Schau gestohlen. Die haben hier einen neuen Flieger mit jahrelanger Verzögerung auf dem Gelände geparkt. Wir haben die A400M und die A380 geflogen. Ich hatte das Vergnügen, in Farnborough den Dreamliner zu besichtigen. Keine Frage: Boeing baut sehr gute Flugzeuge - aber unsere sind besser. Unser Airbus A350 kommt in drei Jahren auf den Markt. Zwar später, aber leistungsfähiger und effizienter. In unserem Geschäft kommt es nicht darauf an, etwas früher oder später auf dem Markt zu sein. Wir bauen und verkaufen unsere Flieger jahrzehntelang, da ist viel entscheidender, das bessere Produkt zu haben.

Immerhin nimmt Ihnen Boeing mit dem Dreamliner nach sieben Jahren jetzt die Marktführerschaft wieder ab.

Boeing kann es gar nicht erwarten, endlich mal wieder die Nummer eins zu werden. Für uns spielt das keine Rolle, wir sind hier nicht in einem Testosteron-Rennen. Es ist für uns nicht kriegsentscheidend, ein paar Flugzeuge mehr oder weniger zu verkaufen oder auszuliefern. In einem Duopol-Markt kann ich nicht erwarten, immer an der Spitze zu liegen.

Wenn Sie sich vor Aufträgen kaum retten können, warum brauchen dann sowohl Airbus als auch Boeing vom Staat immer noch Milliarden-Subventionen für die Entwicklung neuer Flugzeuge?

Diese Debatte ist etwas weltfremd und heuchlerisch obendrauf. Zeigen Sie mir ein großes Flugzeugprojekt auf der Welt und insbesondere in Amerika, das nicht in der einen oder anderen Weise staatliche Unterstützung bekommen hat. Unterm Strich kommt für den Bürger mehr heraus, als wenn es diese Förderung nicht gäbe. Wir gehen gewaltige Entwicklungsrisiken ein, weil wir neue Technologien mit jahrzehntelanger Haltbarkeit entwickeln, die in vielen Fällen auch in anderen Industrien eine Schrittmacherfunktion haben. Schauen Sie doch nur nach Brasilien, Kanada, Japan oder China - auch diese Länder unterstützen längst ihre Flugzeugbauer ...

... und werden vielleicht schon bald schlagkräftige Wettbewerber von Airbus sein.

Warum sollte ich Angst vor dem Wettbewerb haben? Airbus ist zwar selbst in den vergangenen Jahrzehnten als Herausforderer des damaligen Monopolisten Boeing groß geworden. Aber die Amerikaner haben damals den Fehler gemacht, uns zu unterschätzen, das wird uns nicht passieren. Ja, es wird neue Konkurrenten geben - aus Brasilien, aus Kanada, sicher auch aus China, Russland und Japan, vielleicht auch mal aus Indien. Das müssen wir ernst nehmen.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen?

Wir werden zuerst nur im Markt für Flugzeuge mit 100 bis 150 Sitzplätzen, also im Segment unserer A320-Familie, angegriffen. Bis es neue Konkurrenten auch im Bereich der größeren Maschinen gibt, werden mit Sicherheit noch Jahrzehnte vergehen.

Allerdings sind gerade die kleineren Maschinen Ihre profitabelsten.

Ja, aber wenn Sie nachzählen, wer hier auf der Messe in Farnborough wie viele Flugzeuge verkauft hat, dann erkennen Sie, dass jenseits von Airbus und Boeing von Konkurrenz noch nicht viel zu sehen war. Wir werden diesen Markt mit allen Kräften verteidigen.

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