https://www.faz.net/-gqe-9c12k

Airbus-Chef macht Brexit-Druck : Enders: „Regierung hat noch immer keine Ahnung“

Macht sich Sorgen: Airbus-Chef Thomas Enders Bild: dpa

Der Airbus-Chef verliert beim Brexit langsam die Geduld. Wegen der Unsicherheit legt er Investitionen auf Eis – und schickt eine deutliche Botschaft an Theresa May.

          2 Min.

          Der Airbus-Chef Tom Enders geht die britische Regierung immer härter an. Während einer Unternehmenspräsentation vor der Luftfahrtmesse in Farnborough sagte der Deutsche am Freitag: „Die Sonne scheint hell im Vereinigten Königreich. Das englische Team schreitet voran Richtung Finale; die Royal Air Force bereitet sich auf die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum vor und die königliche Regierung hat immer noch keine Ahnung, keinen Konsens, wie sie den Brexit ohne großen Schaden umsetzen will.“

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Unternehmen hatte bereits vor einigen Wochen angedroht, geplante Investitionen auf Eis zu legen und Fabriken in Großbritannien zu schließen. Airbus beschäftigt 14.000 Angestellte in Großbritannien. Bei Zulieferern arbeiten bis zu 100.000 weitere Menschen, deren Jobs von Airbus abhängig sind. Im Jahr 2015 hat das Unternehmen umgerechnet 4,3 Milliarden Euro zur britischen Wirtschaft beigetragen.

          Enders betonte, dass sich das Unternehmen auf die verschiedenen möglichen Brexit-Szenarien vorbereite, von keinem aber positive Entwicklungen erwarte: „Brexit in welcher Form auch immer – weich oder hart, leicht oder sauber – wird schädlich sein für die Industrie, für unsere Industrie und für das Vereinigte Königreich – unabhängig vom Ergebnis. Aber warten wir ab, was aus Chequers herauskommt: weißer Rauch, schwarzer Rauch oder gar kein Rauch.“ In Chequers steht der Landsitz der Premierministerin, auf dem sich die britische Regierung derzeit trifft, um den Brexit zu besprechen.

          Airbus bereitet sich vor

          Airbus hatte geplant, in den Bau von Flügeln seiner Flugzeuge in Großbritannien zu investieren. Da die Produktion jedoch in verschiedenen Ländern stattfindet, ist das Unternehmen von einer Vereinbarung zwischen London und Brüssel abhängig. Das Unternehmen reagiert auf die Unsicherheit beispielsweise, indem es die Lagerbestände erhöht, um für eine Übergangszeit gerüstet zu sein.

          Airbus dementiert, von europäischen Regierungen unter Druck gesetzt zu werden. Das Unternehmen gehört zu gut einem Viertel den Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Spanien, die damit gemeinsam eine Sperrminorität haben. In einem Radiointerview sagte der Airbus-Manager Tom Williams vor zwei Wochen: „Ich bin Ingenieur, nicht Politiker – ich muss mit der Unsicherheit umgehen. Wir brauchen Klarheit. Einfach gesagt: Ohne Abkommen ist die Zukunft von Airbus im Vereinigten Königreich in Gefahr.“

          Auch andere Unternehmen haben in der Zwischenzeit angedroht, Investitionen aus Großbritannien abzuziehen. Der Autobauer Jaguar spricht von Investitionen in Höhe von umgerechnet 90 Milliarden Euro, die derzeit ungewiss seien. Auch die 40.000 Angestellten des Unternehmens könnten gefährdet sein, sollte das Vereinigte Königreich den europäischen Binnenmarkt verlassen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Panne bei CDU-Parteitag : „Das Mikro stand auf Grün“

          Hans-Werner Adams war der heimliche Star des CDU-Parteitags – obwohl er gar nichts gesagt hat. Im Interview spricht der CDU-Delegierte über Probleme mit der Technik, Fassbier – und seine Meinung zum Ausgang der Wahl zum Vorsitzenden.

          Nach Niederlage : Merz will Wirtschaftsminister werden

          Die Wahl um den CDU-Parteivorsitz hat Friedrich Merz verloren. Dem Sieger Armin Laschet hat er nun angeboten, als Wirtschaftsminister in die Bundesregierung einzutreten – und zwar in die jetzige. Die Kanzlerin will ihr Kabinett allerdings nicht umbilden.
          „Das Sterben beenden“: Soldaten vor dem Einsatz im Gesundheitsamt in Dortmund – künftig sollen sie auch in Pflegeheimen zeitlich befristet helfen.

          Bundeswehr im Pflegeheim : Bis jemandem der Kragen platzte

          Warum Soldaten Pflegeheime beim Schutz vor dem Virus unterstützen – und nicht Freiwillige, die nur darauf gewartet hatten, zu helfen. Eine Rekonstruktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.