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Airbus Beluga wird 20 : Weißer Riese mit großer Klappe

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Die Flugstunden der Beluga-Flotte sollen bis 2017 auf 10.000 pro Jahr verdoppelt werden. Bild: dpa

Eins der ungewöhnlichsten Flugzeuge der Welt wird 20: die Airbus Beluga. Der aufgeblähte Supertransporter sichert dem Airbus-Konzern als fliegender Lastenschlepper die Logistik. Doch er kommt in die Jahre.

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          Es gibt Flugzeuge, die sehen rassig-elegant aus, wie der mittlerweile ausgemusterte Überschall-Jet Concorde. Dann wiederum gibt es solche, die weniger mit Eleganz, sondern dem Charme des Ungewöhnlichen Aufsehen erregen. Zu diesen „Hinguckern“ gehört das geflügelte Arbeitspferd des Airbus-Konzerns. Vor 20 Jahren - am 13. September 1994, schwang sich der klobige Jet mit dem unförmigen Aussehen um 09.02 Uhr erstmals zu einem gut vierstündigen Flug in Toulouse-Blagnac in die Lüfte. Seine groteske Silhouette erinnert ein wenig an einen weißen Wal - daher sein Spitzname Beluga. Es ist ein fliegender Lastenschlepper fürs europaweite Airbus-Produktionssystem.

          „Fliegender Rucksack“ heißt der offiziell A300-600ST (ST = Super Transporter) genannte zweistrahlige Großtransporter im Pilotenjargon. Ob bei Finkenwerders Elbdeichen, ob in Bremen, Toulouse, Manchester oder Saint-Nazaire - überall recken sich am Boden die Köpfe in die Höhe, wenn eine der ungewöhnlichen Maschinen einschwebt. Sie scheint alle Gesetze der Aerodynamik auf den Kopf zu stellen. „Sie ist das Rückgrat der gesamten Airbus-Industrie“, sagt der unabhängige Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt.

          Mit seiner großen Kalppe, die an eine hohe Stirn erinnert, ist der Airbus Beluga ein echter Hingucker. Bilderstrecke

          Der zweistrahlige Jet mit der großen Klappe und dem aufgeblähten Rumpf gilt als größtes ziviles Frachtflugzeug der Welt. Es ist nicht nur seltsam anzuschauen, sondern mit nur fünf gebauten Exemplaren ein extrem seltener Flieger. Der auf Basis eines A300-Verkehrsflugzeugs umgebaute Super-Transporter ist bei einem Nutzvolumen von 1400 Kubikmetern für gerade mal fünf Personen an Bord ausgelegt - zwei Piloten, ein Ingenieur und zwei weitere Plätze für Passagiere bei Bedarf. Seine Hauptaufgabe ist der Transport von Flugzeugkomponenten zwischen den Airbus-Werken in Europa. Der unförmige fliegende Wal schluckt locker einen ganzen Flugzeugrumpf in seinem Inneren.

          Die kleine Beluga-Flotte löste Mitte der 1990er Jahre ein anderes merkwürdig anzusehendes Flugzeug ab, das vom Erz-Konkurrenten Boeing stammte: Die „Super Guppy,“ eine Variante der in den 1940er Jahren entwickelte Boeing 377 Stratocruiser. Mit einer Nutzlast von 47 Tonnen hat die Beluga zwar nicht die größte Zuladung der Welt, aber vom Volumen her sicherlich die größte Kapazität. Gelegentlich wurde ein derartiger Superflieger auch für den Transport von anderer übergroßer Fracht gechartert - etwa den Transport eines berühmten Gemäldes von Eugene Delacroix für eine Ausstellung in Tokio.

          Dank einer neuen Infrastruktur am Boden will Airbus nun die Nutzungsdauer seiner Super-Transporter bis 2017 auf 10 000 Flugstunden pro Jahr verdoppeln. Täglich fünf Flüge pro Tag sind dann an sechs Tagen der Woche vorgesehen. Doch reicht das aus für eine weitere Expansion in einem weltumspannenden Netz von Zulieferern? Die Frage nach einem Nachfolger für die Beluga ist längst gestellt. Denn die kleine Beluga-Flotte ist ein Nadelöhr im globalen Logistiknetz. Und sie kommt erkennbar in die Jahre.

          Offiziell gibt es bisher keine Entscheidung für ein Nachfolgemodell, betonte ein Airbus-Sprecher. Doch an Spekulationen über einen möglichen leistungsstärkeren Nachfolger der aktuellen Beluga auf Basis der A330 oder A340 mangelt es nicht. Denn die extreme Nachfrage nach Airbus-Flugzeugen führte nicht nur zu prall gefüllten Auftragsbüchern beim europäischen Konzern, sondern auch zu einer Steigerung der Flugstunden für die kleine Beluga-Flotte. Der Konzern, der nun auch in China und demnächst den USA Montagewerke unterhält, ist zudem über seine bisherigen Kapazitäten längst hinausgewachsen, bestätigt auch Großbongardt: „Der Bedarf wächst spürbar, und die Beluga-Flotte kommt an ihre Grenzen.“ Er ist überzeugt: „Airbus braucht etwa ab 2020 dringend etwas Moderneres und Produktiveres.“

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