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Sanierungsplan : Air Berlin will Preise erhöhen

  • Aktualisiert am

Stefan Pichler, der neue Vorstandsvorsitzende von Air Berlin Bild: dpa

Der neue Vorstandsvorsitzende Stefan Pichler erklärt im F.A.S.-Interview seine Pläne für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft. Er will mehr Langstreckenflüge anbieten - und die Sicherheit im Cockpit fördern.

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          Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin will Flugtickets zu Spitzenzeiten teurer verkaufen. „Wir haben in der Vergangenheit zu früh zu viele Plätze zu günstig verkauft“, sagte der neue Vorstandsvorsitzende Stefan Pichler der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Im ersten Interview seit der Amtsübernahme im Februar kündigte Pichler an, das jetzt mit Hilfe eines neues IT-Systems ändern zu wollen. Es gebe aber keine generellen Preiserhöhungen, sondern nur zu bestimmten Zeitpunkten wie über Ostern, sagte Pichler weiter. Manche Tickets würden auch günstiger. Ziel sei, den Durchschnittsertrag je Passagier in diesem Jahr um etwa sieben Prozent zu steigern.

          Die Preisanpassungen sind Baustein eines größeren Sanierungspakets, mit dem die seit Jahren mit Verlust fliegende Air Berlin wieder Gewinn erwirtschaften will. „Wir werden 2015 die Wende schaffen und 2016 im operativen Geschäft profitabel sein“, kündigte der Vorstandsvorsitzende gegenüber der F.A.S. an.

          Pichler will der Zeitung zufolge die Verluste reduzieren, indem er unrentable Strecken streicht oder auf die günstiger operierende Tochtergesellschaft Niki verlagert. Mit den Partnergesellschaften wie etwa Alitalia, an denen Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi beteiligt ist, will Air Berlin mehr gemeinsame Flüge (codeshare) anbieten, die Flotten harmonisieren und die Wartung der Flugzeuge gemeinsam durchführen.

          Die 2014 diskutierte Fusion mit Alitalia sei aber derzeit kein Gesprächsthema, betonte Pichler. Zudem wolle er prüfen, welche Verwaltungsaufgaben Air Berlin auslagern kann, etwa in der IT oder der Buchhaltung. Stellenstreichungen schloss er nicht aus. Das werde „die Überprüfung der Zielkapazität“ zeigen. Man brauche aber auf jeden Fall auf allen Hierarchieebenen mehr Fachkenntnis. Auch im Vorstand könne es durchaus noch Veränderungen geben.

          Gemeinsam für mehr Sicherheit

          Pichler kündigte in dem Interview aber auch einen Ausbau der Langstreckenverbindungen an. Von Herbst 2016 an soll es mehr Verbindungen nach Nordamerika und in die Karibik geben, nach erfolgreicher Sanierung auch nach Asien. Das ist auch eine Reaktion auf die Pläne der Lufthansa, die mit der neuen Billigfamilie „Wings“ von Herbst an verstärkt touristische Langstreckenziele anfliegen will. „Wir werden das Feld nicht kampflos räumen“, sagte Pichler.

          Zur Diskussion über mehr Sicherheit im Cockpit nach dem Germanwings-Absturz kündigte Pichler weitere Maßnahmen bis Jahresende an. Bis Juni werde die dazu gegründete Taskforce der Luftfahrtbranche einen Zwischenbericht vorlegen. „Die Taskforce soll kein Papiertiger werden.“ Das Flugzeug sei aber „weiter das sicherste Verkehrsmittel.“ Es gehe auch nicht um die Frage, ob eine Gesellschaft sicherer ist als die andere. „Wir versuchen alle gemeinsam, die Luftfahrt so sicher wie möglich zu machen.“

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