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Air Berlin : Abgekartetes Spiel

Auf jeden Fall sind für die Lufthansa strenge Auflagen, zum Beispiel für einzelne Strecken, wahrscheinlich. Dennoch droht auf einigen Verbindungen, vor allem innerhalb von Deutschland, ein Lufthansa/Eurowings-Monopol. Denn auf den wichtigsten Air-Berlin-Routen (Grafik) ist die insolvente Firma oft der einzige Wettbewerber der Lufthansa. „Hat der deutsche Marktführer keinen Konkurrenten mehr, drohen Preiserhöhungen, wie die Strecke Frankfurt-Hamburg zeigt“, warnt der renommierte Airline-Berater Gerd Pontius von Prologis. Auf mittellangen Strecken bleibt dann nur noch die Bahn als Wettbewerber. Pontius erwartet aber, dass dauerhaft hohe Preise die Billigflieger noch mehr einladen würden, Deutschland zu erobern. Dann würde der Wettbewerb sogar noch härter, als er die vergangenen Jahre mit einer angeschlagenen Air Berlin war.

Die starke Rolle der Lufthansa in den Air-Berlin-Verhandlungen könnte nun auch eine Grundsatzdebatte um die Start- und Landerechte in Gang setzen. Es geht um die Frage, warum diese Slots in einem komplizierten Verfahren kostenlos zugeteilt werden. Immerhin koordiniert Armin Obert mit seinen elf Mitarbeitern jährlich rund zwei Millionen Slots in Deutschland. Neubewerber haben es dabei schwer, weil „Großvaterrechte“ oft verhindern, dass Neulinge an attraktive Slots kommen. Diese Rechte besagen, dass eine Fluglinie einen Slot aus dem Vorjahr behalten darf, wenn sie ihn zu 80 Prozent genutzt hat. Das macht die Slots von Air Berlin so attraktiv, weil sie viele dieser „Großvaterrechte“ nutzt.

Alternativ könnten die Slots in einem Auktionsverfahren an alle Fluglinien versteigert werden. Dann hätte jeder Anbieter die gleiche Chance auf Zuteilung. So wird das zum Beispiel in London-Heathrow praktiziert, aber sonst nirgends in Europa. Der Chef der Monopolkommission der Bundesregierung, Achim Wambach, fordert, wenigstens einen Teil der Air-Berlin-Slots zu versteigern.

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Gegner von Versteigerungen sagen, dann würde immer nur die finanzstärkste Fluggesellschaft den Zuschlag bekommen, es könnten dadurch neue Monopole entstehen. Kleine Neulinge hätten keine Chance. In Heathrow kosten manche Slots mehrere Millionen Euro. In Berlin oder Düsseldorf wären es bei einer Auktion aber sicher weniger, weil die Flughäfen kleiner sind. Noch ein Argument gegen die Versteigerung: Man könnte dann schlecht nach weiteren Kriterien wie etwa dem Lärm der Flugzeuge differenzieren. Das Problem ließe sich aber mit der Versteigerung verschiedener Tranchen, etwa für Neubewerber, abmildern.

Flughafenkoordinator Obert weist auf eine dritte Schwierigkeit von Versteigerungen hin: „An Drehkreuzen wäre dann nicht immer gewährleistet, dass Zubringerflüge ohne lange Umsteigezeit die Langstreckenflugzeuge füttern können.“

Für die Slots von Air Berlin dürften neue Auktionsmodelle eh noch nicht in Frage kommen. Denn die Zeit drängt, jedenfalls wenn Carsten Spohrs Plan aufgehen soll. Der Übergangskredit der Bundesregierung reicht höchstens bis Ende Oktober. Daher dürfte rasch eine Vereinbarung ausgehandelt werden, Spohr wird auf die Tube drücken. Schließlich geht es um sein Meisterstück als Lufthansa-Stratege.

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