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Air Berlin : Streit um Spitzengage und Stellenabbau

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann (Mitte) hat derzeit viel Gegenwind. Bild: AFP

Die Unruhe bei Air Berlin geht weiter: Die Kritik an der Vergütung von Vorstandschef Winkelmann wächst. Und der Aufbau einer Transfergesellschaft sorgt für hitzige Debatten.

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          In der Belegschaft der insolventen Air Berlin rumort es. Während die vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter um den Aufbau einer Transfergesellschaft ringen, schürt im Lager der Betriebsräte das Spitzengehalt von Vorstandschef Thomas Winkelmann hitzige Debatten.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei fokussiert sich die scharfe Kritik aus der Arbeitnehmerschaft auf die Gehaltsgarantie des 57 Jahre alten Mangers, der im Februar in Berlin die Nachfolge seines gescheiterten Amtsvorgängers Stefan Pichler antrat. Denn um den erfahrenen Lufthanseaten aus seinem laufenden Arbeitsvertrag heraus für den Kriseneinsatz in Berlin zu gewinnen, war der damalige Großaktionär Etihad zu großzügigen Konditionen bereit: Er stellte Winkelmann ein jährliches Festgehalt von 950.000 Euro brutto sowie eine mögliche Bonuszahlung in Aussicht. Außerdem waren die Scheichs in Abu Dhabi zum Abschluss eines Vier-Jahres-Vertrags bereit, der bis Januar 2021 befristet ist und im Kern jenen Vertragsmodalitäten entspricht, die Winkelmann nach insgesamt 20 Dienstjahren bei seinem alten Arbeitgeber genoss.

          Aus Laufzeit und Gehaltshöhe ergibt sich in etwa seine heftig diskutierte Gehaltsgarantie von 4,5 Millionen Euro, die sogar mit einer Bankbürgschaft abgesichert ist. Tatsache ist: „Auch wenn das Geld auf einem Treuhandkonto hinterlegt ist, steht für diesen Betrag Aktionär Etihad und nicht das Unternehmen Air Berlin gerade“, sagt ein Kenner des Vorgangs. An dieser Zusage ändert wohl auch die Tatsache nichts, dass Etihad Anfang August die Reißleine bei Air Berlin zog. Der arabische Großaktionär kassierte damals seine verbindlich zugesagte Finanzierung und löste so das Insolvenzverfahren für den Lufthansa-Rivalen aus.

          „Schreiende Ungerechtigkeit“

          Auch wenn sich mit Winkelmanns Gehaltspaket der Substanzverlust in der insolventen Fluggesellschaft nicht vergrößert, verschärft sich die Kritik an der Vergütung der Führungsriege: „Die Garantie für Winkelmann ist eine schreiende Ungerechtigkeit und trägt dazu bei, dass Menschen das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem verlieren“, wetterte der Deutsche Gewerkschaftsbund. Auch von politischer Seite gab es Attacken: „Die Gehaltsgarantie muss vor Beendigung des Insolvenzverfahrens geprüft werden, da sie offensichtlich für den Fall der Insolvenz getroffen wurde“, sagte Christian Bäumler von der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Gegebenenfalls müssten die gesetzlichen Rückforderungsrechte im Fall der Insolvenz verschärft werden. Auch die Wut unter den 8000 Mitarbeitern, von denen wohl 1400 mit Stellenabbau rechnen müssen, entlädt sich an der Gehaltsdebatte: „Wir müssen bluten, in der Chefetage schöpft man aus dem Vollen“, sagt ein Betriebsrat.

          Große Hoffnungen richten sich an eine neue Transfergesellschaft, die möglichst die Regierungen diverser Bundesländer sowie die neuen Eigentümer der Geschäftseinheiten von Air Berlin finanzieren. Solche staatlich gestützten Gesellschaften sollen soziale Härten bei Kündigungen abfedern, indem entlassene Mitarbeiter eine „Übergangsanstellung“ erhalten. Aus dieser Position heraus können sie sich dann für neue Stellen bewerben. Die Bundesagentur für Arbeit kommt dabei für das Transferkurzarbeitergeld in Höhe des Arbeitslosengeldes auf.

          Konkret sei ein starkes Engagement der Lufthansa gefordert, die große Teile des Flugbetriebs von Air Berlin übernehmen und in ihrer Billigflug-Plattform Eurowings integrieren wird. Im Zuge der Expansion will der deutsche Branchenführer 3000 neue Stellen schaffen, auf die sich das fliegende Personal von Air Berlin bewerben kann (F.A.Z. vom 14. Oktober). Auch Air Berlin hatte am Dienstag Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) kontaktiert und eine mögliche finanzielle Beteiligung an einer Transfergesellschaft signalisiert. Über die Beiträge wurde am Mittwoch mit Hochdruck verhandelt, da in der nächsten Woche der Geschäftsbetrieb endet.

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