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Air-Berlin-Insolvenz : Schlampiger kann man kaum managen

Bis Ende November soll der Flugbetrieb gesichert werden. Bild: dpa

Nach dem Schock über die Insolvenz von Air Berlin ist es Zeit für unbequeme Wahrheiten. Eine davon: Die Fluggesellschaft ist extrem schlecht geführt worden. Eine andere: Der Staat sollte mit seinen Hilfskrediten vorsichtig sein. Ein Kommentar.

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          Was für ein Glück für Air Berlin, dass der arabische Großaktionär Etihad ausgerechnet in der Ferienzeit seine Hilfszahlungen eingestellt hat. Sonst hätte die Bundesregierung – vielleicht – länger darüber nachgedacht, ob der Steuerzahler in die finanzielle Lücke springen und für einen Überbrückungskredit geradestehen sollte. Nun gab es wohl keine tragfähige Alternative dazu, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Schließlich sollen die Urlauber bald an ihren Arbeitsplatz zurück, und obendrein ist Wahlkampf. Da wären gestrandete Passagiere an diversen Flughäfen dieser Welt kein schönes Bild.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          So weit, so schlecht: Nach dem Schock rund um die Insolvenz von Air Berlin ist es Zeit für ein paar unbequeme Wahrheiten. Das Unternehmen macht seit 2008 Verlust, weil Management und Aufsichtsrat über viele Jahre hinweg allein das Finanz-Voodoo perfektioniert haben, nicht aber das Geschäftsmodell. Wollte man nun ein Billigflieger sein, wie ganz am Anfang auf dem Weg nach Mallorca? Oder wollte man der teuren Lufthansa Konkurrenz machen?

          Teuer geleaste Flugzeuge

          Man konnte sich nicht entscheiden; das Hybrid-Modell aber taugte nichts. Geändert wurde daran aber auch nichts. Lieber hat man das Unternehmen jeglicher Vermögenswerte beraubt. Die Flugzeuge waren teuer geleast. Eigentlich gehörte den Berlinern auch sonst nichts mehr. Das, was Air Berlin nicht gehörte, war dafür zu teuer finanziert. Und Unternehmen wie LTU, die im Größenwahn vergangener Zeiten gekauft worden waren, wurden nie vernünftig integriert. Schlampiger kann man kaum managen. Die Passagiere haben das gemerkt. Im Juli sind 24 Prozent weniger in die Flugzeuge gestiegen.

          Fluggesellschaft am Boden : Air Berlin ist pleite

          Der Partner Etihad wollte sich nicht mehr länger vertrösten lassen. Die Lufthansa darf sich darüber freuen. Den Frankfurtern fallen schuldenfreie Filetstücke zu, vielleicht bekommt auch Easyjet den einen oder anderen Teil von Air Berlin zugeschlagen. Die 8600 Mitarbeiter werden sich keine allzu großen Sorgen machen müssen. Vielleicht sollten sie sich sogar auf einen Arbeitgeber freuen, der besser geführt ist.

          Air Berlin ist so vor allem ein weiterer Beleg dafür, dass man als Aktionär stets vorsichtig sein sollte, wenn man in eine Fluggesellschaft investieren will. Diesen Rat sollte man auch künftig beherzigen, bevor man Geld in die verbliebenen Anbieter steckt. Das gilt auch für den Staat.

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