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F.A.Z. exklusiv : Germania wettert gegen Hilfe für Air Berlin

Germania hat Klage eingereicht. Bild: dpa

„Air Berlin bietet aktuell Flüge zu Dumpingpreisen an“, kritisiert der Germania-Chef im Gespräch mit der F.A.Z. Deshalb hat die deutsche Fluggesellschaft jetzt eine weitere Beschwerde eingereicht.

          Sie sind Nachbarn in Berlin: Die Fluggesellschaften Air Berlin und Germania haben ihre Sitze in derselben Büroanlage. Doch wegen des Verfahrens zur Verwertung der insolventen Air Berlin ist der Ton zwischen den Nachbarn rauher geworden. Die angekündigte staatliche Hilfe für Air Berlin durch ein Überbrückungsdarlehen und die Fürsprache aus der Politik, dass die Deutsche Lufthansa mit ihrer Billigplattform Eurowings große Teile von Air Berlin und deren Ferienflugableger Niki bekommen soll, stoßen dem Germania-Chef Karsten Balke übel auf.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Der Flugbetrieb von Air Berlin wird auf Kosten des Steuerzahlers künstlich aufrecht erhalten“, sagt Balke im Gespräch mit der F.A.Z. „Es kann aber nicht Aufgabe des Staats sein, einen eigentlich toten Patienten am Leben zu halten, um seine besten Teile einem nichtbedürftigen Dritten zuzuschustern.“ Er hegt einen Verdacht: „Strecken, die zum Portfolio des Lufthansa-Konzerns passen, sollen weiter bedient werden, um die dazugehörigen Start- und Landerechte zu erhalten.“

          Balke hat für Germania einen Eilantrag beim Landgericht Berlin eingereicht, um das 150-Millionen-Euro-Übergangsdarlehen der staatlichen KfW für Air Berlin und die Bundesbürgschaft für den Kreditbetrag aufzuhalten. „Air Berlin bietet aktuell Flüge zu Dumpingpreisen an, das ist eine erneute Wettbewerbsverzerrung, da konnten wir nicht tatenlos zusehen, zumal die Gehälter bereits von der Agentur für Arbeit gezahlt werden und offensichtlich auch keine Leasingraten für die Flugzeuge mehr bedient werden“, begründet er sein Vorgehen.

          Air Berlin hatte Angebote für Hin- und Rückflüge zu deutschen und europäischen Zielen für 79 Euro aufgelegt. „Mit den flächendeckenden Angebotspreisen von Air Berlin kann eine Gesellschaft nicht kostendeckend fliegen und verzerrt nun mit staatlicher Hilfe in eklatanter Weise den freien Wettbewerb.“ Air Berlin könne die Angebote auch deshalb machen, weil die Gehälter für die Beschäftigten nach dem Insolvenzantrag für drei Monate von der Agentur für Arbeit abgesichert seien.

          Germania ist direkter Konkurrent von Niki

          Das Landgericht will am 15. September den Antrag von Germania verhandeln, am selben Tag endet die Frist zum Einreichen von Geboten für Air Berlin. Allerdings hat die Germania-Klage keine aufschiebende Wirkung. Der Germania-Chef fährt zweigleisig. Wie Balke erklärt, hat Germania am vergangenen Freitag zusätzlich eine Beihilfebeschwerde an die EU-Kommission geschickt. Bislang hatte nur der Billigflieger Ryanair solch einen Schritt angekündigt.

          Anders als die Bundesregierung geht Balke davon aus, dass die EU-Wettbewerbshüter Bedenken gegen die Hilfe haben werden. „Wenn Eurowings Niki übernimmt, dann werden sie auf Mallorca zum König und dominieren auf dem Flughafen dort den Marktzugang“, sagt er. Anderen Fluggesellschaften bleibe dann nur die Möglichkeit, mittags nach Mallorca zu fliegen, das Flugzeug könne dann nur einmal am Tag nach Spanien fliegen und nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Germania ist mit 29 Jets ein direkter Konkurrent auf den Urlauberstrecken. Selbst hat Germania kein Gebot für den Air-Berlin-Flugbetrieb abgegeben, ist aber in Gespräche involviert, da die Gesellschaften in Berlin eine gemeinsam Wartung betreiben.

          Erklärungen, dass durch das in Aussicht gestellte Darlehen sichergestellt würde, dass Reisende nicht im Urlaub stranden, weist Balke zurück. „Niemand möchte, dass Urlauber irgendwo stranden. Aber die Hilfe für Urlauber und der diskriminierungsfreie Ablauf eines Insolvenzverfahrens sind zwei unterschiedliche Angelegenheiten“, sagt er. Bis heute seien alle Urlauber gut nach Hause gekommen, obwohl das Darlehen noch nicht ausgezahlt sei.

          „Gleichzeitig sind aber weiter Urlauber an ihre Ziele geflogen worden. Mit der bekannten Argumentation ließe sich die Unterstützung für Air Berlin noch Monate und Jahre verlängern.“ Balke bezweifelt, dass Urlauber in Badeorten festhängen würden, falls Air Berlin und Niki den Betrieb einstellen müssten. Pauschalreiseanbieter seien zum Beispiel verpflichtet, eine Ersatzbeförderung zu organisieren. „Der Markt absorbiert solche Ausfälle in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen.“

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