https://www.faz.net/-gqe-9v13r

Air Asia : Flugzeug-Essen als Festmahl im Restaurant

Abgespeckt: Im Restaurant von Air Asia kommt das Essen wie im Flug. Bild: EPA

Was im Flieger auf den Teller kommt, ruft nicht bei jedem Gast Glücksgefühle hervor. Doch für die wenigen Liebhaber bietet Air Asia jetzt Flugzeugspeisen im Restaurant an. Serviert werden Nudeln und Reis – in Pappschachteln.

          2 Min.

          Wem noch das Würstchen mit Rührei der Lufthansa auf der Zunge liegt, der Hühnchenreis, den Singapore Airlines serviert, oder der Lasagne-Brei von Qantas Airways, mag ins Zweifeln kommen. Doch serviert Air Asia, Asiens erfolgreichster Billigflieger, die Mahlzeiten aus dem Flugzeug voller Selbstbewusstsein nun in einem Restaurant. An ihrem Heimathafen in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur probieren die Asiaten ein Konzept aus: Stilecht in der Pappschachtel kommt die Kost aus dem Flieger auf den Plastiktisch. Bestellt werden sie per Internet oder App über das Mobiltelefon.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Hinter der Idee steht Tony Fernandes, der Gründer und Vorstandschef von Air Asia. Er gilt als phantasievoll, kreativ und wagemutig. Mit seinem Engagement in der Formel 1 hatte er sich zwar verhoben und im Management seines Fußball-Vereins Queens Park Rangers Fehler gemacht; das Flug-Geschäft aber hat er mit Asiens erstem Billigflieger kräftig aufgemischt. Fernandes denkt inzwischen weit darüber hinaus: Vor einigen Jahren gründete er eine Hotelkette, die zur Marke passte. Längst gilt der Mann, der in der frühen Phase seiner Karriere nicht nur wegen seiner roten Kappe an Richard Branson erinnerte, als Marketinggenie.

          Klein geht für ihn nicht. Deshalb scheut sich der Malaysier mit britischem Hintergrund auch nicht zu schwärmen, auf mittlere Sicht wolle er am New Yorker Times Square ein Restaurant mit dem Essen der Air Asia Group sehen. Verantwortlich dafür sollen am Ende Franchise-Nehmer sein. „Wir wollen einige Restaurants behalten, aber das größere Geschäft machen wir im Franchise. Wir werden junge Gründer in der Region unterstützen, die sich uns anschließen wollen“, gibt Aireen Omar vor, die das Air-Asia-Geschäft jenseits der Fliegerei leitet, gebündelt in Red-Beat-Ventures. Fünf eigene Restaurants will Air Asia bis Ende dieses Jahres gründen, rund hundert weitere sollen es dann als Franchise-Häuser in den nächsten drei bis fünf Jahren werden, ausgehend von Südostasien. Der Konzern umwirbt seine Geschäftspartner mit „bezahlbaren Gebühren“ für ein Geschäftsmodell, das von Daten getrieben werde.

          Nicht alle Gerichte gibt es auch im Flugzeug

          Unter dem Namen Santan – er spielt auf Kokosmilch an – hat das erste Haus in der Mid Valley Megamall in Kuala Lumpur eröffnet. T&Co serviert als Café Tee und Kaffee. In Wirklichkeit entsprechen nur etwa 30 Prozent der Gerichte bei Santan denjenigen, die im Air-Asia-Flugzeug serviert werden. Dazu zählt beispielsweise der Reis-Klassiker Nasi Lemak. Der Rest der Essen wurde eigens für die Restaurantkette entwickelt. Fernandes vermarktet seine Restaurants als die erste Fast-Food-Franchisekette aus Südostasien. Schwierig allerdings dürfte es werden, einen „südostasiatischen Geschmack“ zu definieren – denn die Küchen der Region mit ihren 630 Millionen Menschen sind extrem unterschiedlich. Auch sind die Mahlzeiten im Vergleich teuer: Sie kosten, einschließlich eines Getränks, rund 15 Ringgit (3,28 Euro) – deutlich mehr als ein malaysisches Gericht in einem heimischen Café.

          Für den Konzern geht es um einiges: Will er sich doch weg von einer Fluggesellschaft als digitale Holding neu erfinden. Das Geschäft jenseits der Fliegerei habe die Kraft, deren Umsatz zu überholen, erklärt Fernandes. Angedacht ist, dass das Fluggeschäft bis 2025 seinen Anteil am Konzernumsatz von 80 auf 40 Prozent abbaut. Die neuen Bereiche sollen dafür kräftig zulegen: Dazu zählt etwa die Fintech-Firma Bigpay, aber auch Airasia.com, die Flüge und Reisen verkauft. Beide sollen bis spätestens nächstes Jahr Gewinne abwerfen.

          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln und somit zur ganzen Vielfalt von FAZ.NET – für nur 2,95 Euro pro Woche

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Opec vereinbart drastische Senkung der Öl-Produktion Video-Seite öffnen

          Einigung großer Ölförderländer : Opec vereinbart drastische Senkung der Öl-Produktion

          Die größten Ölförderländer wollen deutlich weniger Öl fördern als bisher, um den Verfall des Ölpreises zu stoppen. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und ihre Partnerländer vereinbarten, die Produktion im Mai und Juni um zehn Millionen Barrel pro Tag zurückzufahren. Allerdings muss Mexiko der Vereinbarung noch zustimmen.

          Himmelfahrtskommando für Ärzte in Pakistan

          Corona-Krise : Himmelfahrtskommando für Ärzte in Pakistan

          Der Streit zwischen Regierung, Generälen und Glaubensführern im Kampf gegen das Coronavirus führt zu einer immer tieferen Krise im Land. Nun soll der Internationale Währungsfonds wieder helfen – zum 23. Mal.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.