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Air Asia : Flugzeug-Essen als Festmahl im Restaurant

Abgespeckt: Im Restaurant von Air Asia kommt das Essen wie im Flug. Bild: EPA

Was im Flieger auf den Teller kommt, ruft nicht bei jedem Gast Glücksgefühle hervor. Doch für die wenigen Liebhaber bietet Air Asia jetzt Flugzeugspeisen im Restaurant an. Serviert werden Nudeln und Reis – in Pappschachteln.

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          Wem noch das Würstchen mit Rührei der Lufthansa auf der Zunge liegt, der Hühnchenreis, den Singapore Airlines serviert, oder der Lasagne-Brei von Qantas Airways, mag ins Zweifeln kommen. Doch serviert Air Asia, Asiens erfolgreichster Billigflieger, die Mahlzeiten aus dem Flugzeug voller Selbstbewusstsein nun in einem Restaurant. An ihrem Heimathafen in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur probieren die Asiaten ein Konzept aus: Stilecht in der Pappschachtel kommt die Kost aus dem Flieger auf den Plastiktisch. Bestellt werden sie per Internet oder App über das Mobiltelefon.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Hinter der Idee steht Tony Fernandes, der Gründer und Vorstandschef von Air Asia. Er gilt als phantasievoll, kreativ und wagemutig. Mit seinem Engagement in der Formel 1 hatte er sich zwar verhoben und im Management seines Fußball-Vereins Queens Park Rangers Fehler gemacht; das Flug-Geschäft aber hat er mit Asiens erstem Billigflieger kräftig aufgemischt. Fernandes denkt inzwischen weit darüber hinaus: Vor einigen Jahren gründete er eine Hotelkette, die zur Marke passte. Längst gilt der Mann, der in der frühen Phase seiner Karriere nicht nur wegen seiner roten Kappe an Richard Branson erinnerte, als Marketinggenie.

          Klein geht für ihn nicht. Deshalb scheut sich der Malaysier mit britischem Hintergrund auch nicht zu schwärmen, auf mittlere Sicht wolle er am New Yorker Times Square ein Restaurant mit dem Essen der Air Asia Group sehen. Verantwortlich dafür sollen am Ende Franchise-Nehmer sein. „Wir wollen einige Restaurants behalten, aber das größere Geschäft machen wir im Franchise. Wir werden junge Gründer in der Region unterstützen, die sich uns anschließen wollen“, gibt Aireen Omar vor, die das Air-Asia-Geschäft jenseits der Fliegerei leitet, gebündelt in Red-Beat-Ventures. Fünf eigene Restaurants will Air Asia bis Ende dieses Jahres gründen, rund hundert weitere sollen es dann als Franchise-Häuser in den nächsten drei bis fünf Jahren werden, ausgehend von Südostasien. Der Konzern umwirbt seine Geschäftspartner mit „bezahlbaren Gebühren“ für ein Geschäftsmodell, das von Daten getrieben werde.

          Nicht alle Gerichte gibt es auch im Flugzeug

          Unter dem Namen Santan – er spielt auf Kokosmilch an – hat das erste Haus in der Mid Valley Megamall in Kuala Lumpur eröffnet. T&Co serviert als Café Tee und Kaffee. In Wirklichkeit entsprechen nur etwa 30 Prozent der Gerichte bei Santan denjenigen, die im Air-Asia-Flugzeug serviert werden. Dazu zählt beispielsweise der Reis-Klassiker Nasi Lemak. Der Rest der Essen wurde eigens für die Restaurantkette entwickelt. Fernandes vermarktet seine Restaurants als die erste Fast-Food-Franchisekette aus Südostasien. Schwierig allerdings dürfte es werden, einen „südostasiatischen Geschmack“ zu definieren – denn die Küchen der Region mit ihren 630 Millionen Menschen sind extrem unterschiedlich. Auch sind die Mahlzeiten im Vergleich teuer: Sie kosten, einschließlich eines Getränks, rund 15 Ringgit (3,28 Euro) – deutlich mehr als ein malaysisches Gericht in einem heimischen Café.

          Für den Konzern geht es um einiges: Will er sich doch weg von einer Fluggesellschaft als digitale Holding neu erfinden. Das Geschäft jenseits der Fliegerei habe die Kraft, deren Umsatz zu überholen, erklärt Fernandes. Angedacht ist, dass das Fluggeschäft bis 2025 seinen Anteil am Konzernumsatz von 80 auf 40 Prozent abbaut. Die neuen Bereiche sollen dafür kräftig zulegen: Dazu zählt etwa die Fintech-Firma Bigpay, aber auch Airasia.com, die Flüge und Reisen verkauft. Beide sollen bis spätestens nächstes Jahr Gewinne abwerfen.

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