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Air Asia an Börse abgestraft : Alptraum für Asiens Vorzeige-Billigflieger

Air-Asia-Maschinen in Kuala Lumpur. „Jetzt kann jeder fliegen“ lautet der Werbeslogan. Bild: dpa

Schon wieder verschwindet eine malaysische Maschine. Air Asia ist zwar eine Billiglinie, hatte aber bislang einen guten Ruf. Zuletzt wurde das Unternehmen zum besten Kunden eines europäischen Flugzeugbauers.

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          Bis zum Mittag in Asien ist das am Sonntag verschwundene Flugzeug von Air Asia nicht gefunden worden. Die Aktie von Air Asia verlor im frühen Handel an der Börse in Kuala Lumpur 13 Prozent ihres Wertes. Banken stuften das Papier herab, Analysten fürchten durch den dritten Verlust eines Flugzeuges einer malaysischen Fluggesellschaft innerhalb eines Jahres wachsende Ängste bei potentiellen Fluggästen. Zugleich warnten sie, der starke Dollar verteure die Rückzahlung von Schulden für Air Asia.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der vermutete Verlust des Flugzeugs trifft mit Air Asia ein Unternehmen, das einen tadellosen Ruf besitzt. Als eine der wenigen indonesischen Fluglinien ist ihr erlaubt, in die Europäische Union zu fliegen. „Dies ist mein schlimmster Alptraum. Aber er wird uns nicht aufhalten“, twitterte Air-Asia-Gründer Tony Fernandes am Sonntag.

          Indonesiens Verkehrsminister Ignasius Jonan kündigte an, den Flugbetrieb von Air Asia rigoros prüfen zu wollen. Der Chef der indonesischen Rettungskräfte erklärte am Montagmittag, er vermute, die Maschine liege „auf dem Grund des Meeres“. Inzwischen beteiligt sich neben der Marine aus Singapur auch ein australisches Aufklärungsflugzeug aus Perth an der Suche nach dem Airbus A 320 und den 162 vermissten Menschen, die am Sonntagmorgen an Bord waren.

          Air Asia ist größter Airbus-Kunde

          Ins Blickfeld rückt auch der europäische Hersteller Airbus. Dessen A 320 gilt als das Arbeitspferd der Branche. Der Hersteller hat inzwischen mehr als 11.000 Maschinen dieser Familie verkauft. Die verschiedenen Modelle können zwischen 107 und gut 240 Passagiere transportieren. Vor zwei Jahren hat Air Asia einhundert weitere A 320 bei Airbus bestellt. Damit wurden die Malaysier der weltweit größte Kunde für den A 320.

          Eine breite Öffentlichkeit schaute zuletzt 2009 auf den Typ A 320, als es dem Piloten Chesley „Sully“ Sullenberger gelang, sein Flugzeug auf dem Hudson River in New York notzulanden. Zuvor hatte ein Schwarm Gänse dessen Triebwerke zerstört. Zum bislang letzten tödlichen Unfall mit einer A 320 war es 2008 gekommen: Eine Maschine, die XL Airways Germany von Air New Zealand geleast hatte, stürzte während eines Testfluges ins Mittelmeer. Alle sieben Crewmitglieder starben.

          Maschine war noch keine sechs Jahre alt

          Die Maschine des nun in Südostasien vermissten Fluges QZ8501, ein A 320-200, war noch jung: Ausgeliefert 2008 hatte sie auf bislang 13600 Flügen 23000 Stunden in der Luft zugebracht. Normalerweise werden solche Flugzeuge bis zu 25 Jahre eingesetzt. Das Flugzeug von Air Asia wurde für sechs Flüge täglich genutzt. Nur so funktioniert das Geschäftsmodell der Billiglinien: Sie müssen, um Gewinne abzuwerfen, ihre Maschinen so lange täglich fliegen, wie erlaubt und so schnelle Umsteigezeiten erzielen, wie eben möglich. Ihre letzte Routinekontrolle absolvierte die nun verschwundene Maschine am 16. November.

          Die Triebwerke des A 320 von Air Asia stammen von dem französisch-amerikanischen Gemeinschaftsunternehmen CFM International, einer Tochtergesellschaft von General Electric und Safran. Air Asia lässt sie von General Electric warten. Allerdings fehlte die für Langstreckenflüge übliche zeitnahe Überwachungsmöglichkeit der Triebwerke. Sie machen eine Prüfung ihrer Funktionen durch den Hersteller während des Fluges möglich. 

          Billig-Airlines mischen Asien auf

          Der Druck auf die Billiglinien gerade in Asien ist enorm, weil die Konkurrenz rasch wächst. Nach dem Modell von Marktführer Air Asia haben sich inzwischen fast 50 Billigfluglinien gegründet. Standen sie 2007 noch für 9 Prozent des gesamten Passagiergeschäftes in der Region, nehmen sie heute 25 Prozent ein. Damit haben sie auch den Druck auf die herkömmlichen Fluggesellschaften enorm erhöht.

          Air India beispielsweise ist so hoch überschuldet, wie es sich keine private Linie leisten könnte. Singapore Airlines hat mit einem eigenen Billigmodell geantwortet. Und Malaysia Airlines fand keinen Weg, um mit der Konkurrenz von Air Asia umzugehen – eine geplante Beteiligung an der Staatslinie scheiterte.

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