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Pharmabranche : Schweinepest zeigt sich in Boehringers Bilanz

Boehringer Ingelheim forscht an neuen Arzneien für Mensch und Tier. Bild: obs/Boehringer Ingelheim

Die afrikanische Schweinepest mag in hiesigen Ställen noch nicht angekommen sein. Die Geschäftszahlen des Human- und Tierarzneiherstellers Boehringer belastet sie aber schon.

          Der Name ist fern, die Auswirkungen sind nah: Die afrikanische Schweinepest ist hierzulande angekommen, jedenfalls in der Bilanz des Human- und Tierarzneiherstellers Boehringer Ingelheim. Die Seuche, die für den Menschen nicht gefährlich ist, wütet seit Monaten in China und anderen Ländern – Millionen Tiere mussten schon geschlachtet werden, um die Krankheit zu stoppen. Boehringer stellt in seiner Tierarzneisparte unter anderem Impfstoffe wie Ingelvac Circoflex für Schweine her. Der Umsatz dieses Produkts ist in den ersten sechs Monaten des Jahres denn auch um knapp ein Viertel auf 117 Millionen Euro eingebrochen, teilte das Familienunternehmen am Donnerstag mit den Halbjahreszahlen mit.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Trotz der aktuellen Herausforderungen bleiben die betroffenen Länder in Asien jedoch für Boehringer ein wichtiger Wachstumsmarkt, hieß es. Die Sparte, die das Familienunternehmen vor ein paar Jahren durch einen Tausch mit dem französischen Konzern Sanofi deutlich gestärkt hatte, setzte zwischen Januar und Juni mit Antiparasitika, Impfstoffen und anderen Mitteln insgesamt rund 2,1 Milliarden Euro um, währungsbereinigt knapp 2 Prozent weniger als im Vorjahr.

          Konzernumsatz ist dennoch gewachsen

          Insgesamt zeigt sich einer der größten deutschen Pharmakonzerne nach dem ersten Halbjahr jedoch solide. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung seien unverändert hoch und auf dem Niveau des Vorjahres. Derzeit tüfteln die Boehringer-Forscher an rund 90 Projekten für Humanarzneimittel. 71 davon haben nach Aussage des Unternehmens das Potential für einen therapeutischen Durchbruch. „Mit unserem Halbjahresergebnis sind wir zufrieden“, sagte Gründernachfahre und Unternehmenschef Hubertus von Baumbach. Das Unternehmen wachse organisch auf einem nachhaltigen Weg. Man gehe weiterhin davon aus, die Umsätze in diesem Jahr leicht steigern zu können. 

          Nach den ersten sechs Monaten bedeutet das in Zahlen: Die Einnahmen wuchsen konzernweit auf 9,3 Milliarden Euro, was einem um Wechselkurseffekte bereinigten Plus von knapp 5 Prozent entsprach. Insbesondere die Humanpharmazie war demnach für dieses Wachstum ausschlaggebend. Auf diesen Bereich entfiel ein Umsatz von 6,8 Milliarden Euro, nach 6,1 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Haupttreiber war abermals die Produktgruppe rund um das Typ-2-Diabetesmittel Jardiance, das im ersten Halbjahr rund 1 Milliarde Euro umgesetzt hat – und damit rund 45 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2018.

          Derzeit arbeitet Boehringer zudem intensiv daran, den Wirkstoff auch noch für andere Krankheiten zuzulassen. Man untersuche die Wirkung der Substanz auch für Menschen, die unter chronischer Herzinsuffizienz litten. Das könnten Typ-2-Diabetiker sein oder aber Patienten, die ausschließlich an einer solchen Insuffizienz litten, hieß es weiter. In dieser Indikation prüfe die amerikanische Zulassungsbehörde FDA derzeit ein beschleunigtes Verfahren. Ebenso werde der Einfluss des Wirkstoffs für Patienten mit chronischer Nierenerkrankung und deren Nieren- und Herzleiden untersucht. Boehringer vermarktet das Medikament gemeinsam mit dem Pharmakonzern Eli Lilly.

          Auch für das Atemwegspräparat Ofev hofft Boehringer auf weitere Krankheiten, die sich mit der Arznei bekämpfen lassen. Im vierten Quartal erwartet das Unternehmen dafür weitere Studiendaten. Derzeit ist es schon gegen die sogenannte idiopathische Lungenfibrose auf dem Markt. Bei dieser chronischen und tödlich verlaufenden Krankheit vernarbt das Lungengewebe, was zu Atemnot führt. Im ersten Halbjahr setzte das Unternehmen mit der Arznei 677 Millionen Euro um, was einem währungsbereinigten Plus von rund 22 Prozent entsprach.

          In der dritten Sparte, der biopharmazeutischen Auftragsproduktion für andere Pharma- und Biotechunternehmen, haben sich hingegen Phaseneffekte negativ ausgewirkt. Der Umsatz ging zum Halbjahr um rund 8 Prozent auf 273 Millionen Euro zurück. In der Sparte seien Umsätze oft an Meilensteine gebunden, hieß es seitens des Unternehmens.

          Man produziere für die Kunden beispielsweise klinische Prüfmuster für deren Zulassungsstudien, an deren Entwicklung und Verlauf man mit der Auftragsproduktion gekoppelt sei. Zum Jahresende glaubt man in Ingelheim jedoch, diesen Effekt wieder ausgleichen zu können. Boehringer jedenfalls will die eigenen Produktionskapazitäten in Europa, Amerika und Asien weiter ausbauen, da die Bedeutung biopharmazeutischer Arzneien zunimmt.

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