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Afrika statt Daimler-Bilanz : Zetsche postet Löwenfotos auf Linkedin

  • -Aktualisiert am

Dieter Zetsche verschickt seinen Reisebericht zur Unzeit. Das Foto ist ein Screenshot des Beitrags auf Linkedin. Bild: Screenshot

Dieter Zetsche setzt sich für Afrika ein. Eigentlich lobenswert, doch sein Timing ist schlecht. Während Daimler schlechte Nachrichten verbreitet, verschickt der frühere Chef hübsche Tierfotos.

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          Was macht ein Vorstandschef im Ruhestand? Wenn er kein Vorzimmer mehr hat, das ihm den Tag strukturiert und keine Zukunftsvision mehr, die es in den Köpfen der Mitarbeiter zu verankern gilt? Dieter Zetsche, der im vorigen Mai mit Rentenansprüchen im mittleren zweistelligen Millionenbereich seinen Posten als Daimler-Chef abgegeben hat, ist nach einem Leben für den Stuttgarter Traditionskonzern in Afrika fündig geworden. Für African Parks, eine Nichtregierungsorganisation, die sich dem Naturschutz in Afrika verschrieben hat, will er eine deutsche Stiftung aufbauen. Eine erfüllende Aufgabe, wie man erfahren kann, wenn man Dieter Zetsche auf Linkedin folgt, wo Zetsche als „Influencer“ markiert ist und mehr als 250.000 Follower hat. Auf dieser Plattform, einer Mischung aus Facebook für Geschäftsleute und Tinder für Jobsuchende, hat Dieter Zetsche einige Eindrücke von seiner neuesten Reise geschildert, erkennbar tief beeindruckt von dem, was man bewegen kann, wenn man Natur schützt und Menschen Arbeit gibt.

          Worin nun genau seine eigene Unterstützung besteht, beschreibt Zetsche (noch) nicht, und ganz offenbar ist die Aufgabe auch noch nicht so erfüllend, dass er Daimler vergessen hat. Vielmehr kennzeichnet Zetsche sich selbst auf Linkedin immer noch als  „ehemaliger Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG/Leiter Mercedes-Benz Cars“, und in nicht allzu ferner Zukunft möchte er dort wohl die Bezeichnung „Vorsitzender des Aufsichtsrats der Daimler AG“ stehen sehen.

          Das jedenfalls ist sein Lebensplan. Ob es so kommt, hängt auch davon ab, wie gut sein Nachfolger Ola Källenius die Transformation von Daimler hinbekommt und wie sehr sich der Eindruck verbreitet, dass Zetsche selbst in seinen letzten Jahren als Daimler-Chef nicht mehr so recht die Zeichen der Zeit erkannt hat. „Ein Sack voll Arbeit“ sei zu erledigen, sagte Källenius am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz und schwor die 300.000 Mitarbeiter auf harte Zeiten ein.

          Moment, Bilanzpressekonferenz? Den Termin hatte Dieter Zetsche womöglich vergessen (auch wenn er vor ziemlich genau einem Jahr seine letzte als Daimler-Chef absolviert hatte). Zumindest ist kaum zu erklären, dass Zetsche, der erklärtermaßen schon von seiner Afrika-Tour zurück ist, seinen Reisebericht just zur Bilanzpressekonferenz veröffentlichte. Oder sollen sich seine früheren Mitarbeiter mit den schönen Fotos von Löwen, Nashörnern und dem alten Chef über die harten Zeiten bei Daimler hinweg trösten?

          Zetsche kann sich bestätigt fühlen von einigen Kommentatoren, die seinen Reisebericht loben oder seine Arbeit: „Fantastic summary“. Nur wenige finden seinen Post und den Zeitpunkt der Veröffentlichung „befremdlich“ oder „unsensibel“. Ein Mercedes-Mitarbeiter schreibt: „Bin mir nicht sicher, ob der Zeitpunkt klug gewählt ist für diesen Artikel.“ Eines jedenfalls kann man Zetsche nicht unterstellen: Dass er die Abkühlphase zwischen Vorstandsvorsitz und Aufsichtsratsmandat nicht ernst nimmt.

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