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Ärger um Anleihe : ATU-Anleger gehen auf die Barrikaden

  • -Aktualisiert am

Reifenmontage in einer ATU-Werkstatt Bild: dpa

Für die finanzielle Rettung der angeschlagenen Werkstattkette sollen Privatinvestoren bluten. Doch die wehren sich und lassen Klagen prüfen.

          Mit Hilfe einer großen Umschuldung wurde ATU vorläufig gerettet, aber einen Teil des Preises dafür bezahlen viele Anleihebesitzer, die leer ausgehen sollen. Denn Teil der Vereinbarung ist, dass ATU eine von drei ausstehenden Anleihen nicht mehr „zurückbezahlt oder anderweitig entschädigt“. Es handelt sich dabei ausgerechnet um die älteste ATU-Anleihe im Volumen von 150 Millionen Euro, begeben am 1. Oktober 2004 und das als „senior obligation“, also als vorrangiges Papier.

          Mindesteinsatz 50.000 Euro

          Gezeichnet wurde dieses Papier von vielen Privatpersonen, die für eine Anleihe damals einen Nennwert von 50.000 Euro bezahlen mussten. Dass das Papier ein gewisses Risiko enthielt, konnten sie am Zinssatz (Drei-Monats-Euribor plus 7,25 Prozent) ablesen. Aber groß ist ihre Verärgerung nun, dass ihre Ansprüche plötzlich null und nichtig sein sollen. Deshalb lassen sie Klagen gegen ATU und die Eigner der Werkstattkette prüfen. Rund 280 von ihnen haben sich schon bei der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) registrieren lassen, die eine Klage in New York prüft. Denn nach dortigem Recht wurde die Anleihe begeben. Andere Geschädigte – die Rede ist von bis zu 20 – haben den Düsseldorfer Rechtsanwalt Carsten Heise, einst Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), mit einer Klageprüfung in Deutschland beauftragt. Und Heise sieht dafür auch einige Anhaltspunkte.

          Plötzlich nachrangig

          Die finanzielle Sanierung von ATU, verkündet im Dezember 2013, war mit einem Eigentümerwechsel verbunden. Einige Finanzinvestoren unter der Regie der amerikanischen Centerbridge hatten sich mit erheblichen Abschlägen in zwei jüngere ATU-Anleihen eingekauft, die aus dem Jahr 2010 stammten. Den Besitzern dieser Anleihe wurde dann das Angebot gemacht, ihre Papiere in Stamm- und Vorzugsanteile der neuen ATU-Holding-Gesellschaft zu tauschen – eine Umwandlung von Schulden in Eigenkapital. Der Alteigentümer, die Private-Equity-Gesellschaft KKR, gab seine Anteile ab, blieb aber mit rund 3 Prozent an ATU beteiligt. Dass die älteste Anleihe in diesem Zusammenhang plötzlich zu einem nachrangigen Papier deklariert wurde, sieht Heise als „ungewöhnlichen Vorgang“ an. „Hier sollen vollendete Tatsachen geschaffen werden“, moniert er.

          Darlehen an Tochtergesellschaften

          Seiner Darstellung zufolge hatte die ATU-Holding die Anleihe 2004 begeben, das Geld dann aber den ATU-Tochtergesellschaften in Form eines Gesellschafterdarlehens weitergereicht. Diese Gesellschaften hatten auch noch andere Fremdfinanzierungen, die im Zuge des Rettungspakets vorrangig bedient wurden. Für die Rückzahlung des Gesellschafterdarlehens – und damit der Anleihe – sei dann „nichts mehr übrig gewesen“, erläutert Heise. Zu prüfen wäre nun, ob es überhaupt statthaft war, dass ATU einer solchen Vereinbarung zugestimmt hat, die wohl Bedingung war, damit Centerbridge und andere Finanzinvestoren die Transaktion durchzogen. „Möglicherweise können wir hier gegen ATU vorgehen“, deutet Heise an. Das werde in den nächsten Wochen geklärt. ATU wollte dazu keine Stellung nehmen.

          Wertlos im Depot

          Für Irritationen hat auch gesorgt, dass die ersten Banken offenbar schon damit begonnen haben, das Papier aus den jeweiligen Depots auszubuchen. Üblich wäre, dass die Anleihe vorerst mit Kurswert null, aber zum Nennwert stehen bleibe, erläutert Heise. Ein betroffener Anleger sagte dieser Zeitung, eine seiner Banken bewerte die Anleihe noch mit 25 Cents je Euro, eine andere, deren Kunde er ebenfalls ist, habe das Papier bereits ausgebucht. Bei der SdK heißt es dazu, einzelne Anleihegläubiger hätten ihre Papiere sperren können und so eine Ausbuchung verhindert. „Das ist ein Erfolg“, sagte SdK-Vorstand Daniel Bauer. Die Schutzgemeinschaft bezeichnete es auch als merkwürdig, dass ATU kurz vor der Rettung den Treuhänder der Anleihe gewechselt habe, von der Bank of New York zu einer „kleinen unbekannten Gesellschaft“.

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