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Angebot von Investoren : Pokern um die Aareal-Bank

Gehört die Aareal-Bank bald Finanzinvestoren? Bild: Jörg Puchmüller

Zwei Finanzinvestoren wollen den Immobilienfinanzierer schlucken. Der Vorstand findet das gut. Doch andere Investoren könnten querschießen. Der Vorstandschef beschwichtigt.

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          Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal-Bank verschwindet möglicherweise schon bald von der Börse. Nach wochenlangen Verhandlungen hat der Vorstand der im S-Dax gelisteten Bank nun einem Übernahmeangebot der beiden Finanzinvestoren Advent und Centerbridge zugestimmt. Sie bieten den Aktionären 29 Euro je Aktie, was einem Aufschlag von 35 Prozent gegenüber den Durchschnittskursen vor Bekanntwerden des Angebots entspreche.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Vorstandsvorsitzende der Bank, Jochen Klösges, stellte am Dienstag vor allem heraus, dass die Investoren die bisherige Strategie vorantreiben und die Bank als Ganzes erhalten wollten: „Es wird entgegen der oft geäußerten Spekulation keine Zerschlagung geben“ sagte Klösges. „Das angekündigte Angebot ist deshalb im besten Interesse unseres Unternehmens und seiner Stakeholder.“

          „Die Bank ist kein Weihnachtsgeschenk“

          Damit zielt Klösges auf die wiederholten Vorwürfe der beiden aktivistischen Investoren Petrus Advisers und Teleios gegen das Management und vor allem den Aufsichtsrat. Die beiden Hedgefonds haben mehrfach öffentlich dafür plädiert, Teile der Aareal-Bank, insbesondere die als sehr werthaltig geltende IT-Sparte Aareon, zu verkaufen. Der Hedgefonds Teleios kündigte denn auch umgehend Widerstand gegen die Übernahme an: „Aareal ist kein Weihnachtsgeschenk für den Aufsichtsrat zum Verschenken“, sagte Mitgründer Adam Epstein. Der Aufsichtsrat versuche erneut, den einfachsten Weg zu gehen zum Schaden der Aktionäre, Teleios werde versuchen sicherzustellen, dass dieser im neuen Jahr einen strukturierten Verkaufsprozess auf den Weg bringe. Petrus wollte sich am Dienstag auf Anfrage der F.A.Z. nicht äußern.

          Und noch ein weiterer Investor mischt inzwischen in der Aareal Bank mit: Am Freitagabend war bekannt geworden, dass der tschechische Investor Daniel Kretinsky seinen Aareal-Anteil von 3,08 auf 7,80 Prozent erhöht hatte. Kretinsky ist in Deutschland vor allem als Investor in Braunkohlereviere und durch seinen Einstieg beim Handelskonzern Metro bekannt, er ist aber auch an dem Medienkonzern ProSieben Sat1 und dem britischen Fußballverein West Ham United beteiligt. Was er mit dem Aareal-Investment vorhat, ist bislang nicht bekannt.

          Wird noch einmal nachgebessert?

          Dass er nun kurz vor der absehbaren Übernahme seinen Anteil noch einmal erhöht hat, könnte aber dafür sprechen, dass er auf eine Verbesserung des Angebots spekuliert. Advent und Centerbridge haben sich eine Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent gesetzt, so dass rein rechnerisch nicht alle Investoren überzeugt werden müssen. Es ist aber gut möglich, dass die beiden Finanzinvestoren noch einmal erhöhen werden müssen. Seit Bekanntwerden des Angebots vor zwei Wochen hat sich der Kurs schon deutlich erhöht, am Dienstag stieg er dann noch einmal um 4 Prozent auf etwa die 29 Euro, die die Finanzinvestoren auch bieten. Damit ist die Aareal-Bank nun mit 1,7 Milliarden Euro bewertet. Die Bank verdient ihr Geld vor allem über die Finanzierung von Gewerbeimmobilien wie Hotels, Bürogebäude, Einkaufs- und Logistikzentren, sowie IT-Dienstleistungen für die Branche.

          Advent ist schon seit einiger Zeit zu gut einem Drittel an der für diese IT-Dienstleistungen zuständigen Tochtergesellschaft Aareon beteiligt und hat sie zuletzt bei einigen Zukäufen unterstützt. Ähnlich könnte die Zusammenarbeit auch auf Konzernebene aussehen. Zusätzliches Kapital soll die Aareal-Bank zudem dadurch erhalten, dass sie in den nächsten Jahren keine Dividenden mehr ausschüttet. Diese Gewinnthesaurierung könnte bis zu 1 Milliarde Euro bringen, die unter anderem in den Ausbau des Immobilienportfolios gesteckt werden sollen. Innerhalb der nächsten Jahre soll es deutlich schneller als bislang geplant von 30 auf 40 Milliarden Euro ausgeweitet werden.

          Dividendenpläne zurückgenommen

          „Wir wollen in die Gruppe investieren, um die Segmente der Bank weiterzuentwickeln“, sagte Ranjan Sen, Deutschland-Chef von Advent. Der Ausschüttungs-Stopp betrifft die Aktionäre unmittelbar. Ursprünglich waren sie für den 9. Dezember zu einer außerordentlichen Hauptversammlung geladen, um über eine Gewinnausschüttung für das Geschäftsjahr 2020 in Höhe von 1,10 Euro je Aktie zu entscheiden. Diesen Tagesordnungspunkt hat der Vorstand nun aber zurückgenommen.

          Die Angebotsunterlagen sollen nach dem Placet von der Finanzaufsicht Bafin Mitte Dezember veröffentlicht werden. Die Aktionäre hätten dann bis Mitte Januar Zeit, sich zu entscheiden. Mit dem endgültigen Closing wäre dann bis Mitte des nächsten Jahres zu rechnen.  

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