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Adler Group : Einigung mit Gläubigern sorgt für Kurssprung von bis zu 65 Prozent

  • -Aktualisiert am

Baustelle und Neubauten des Adler-Immobilienprojekts Wasserstadt Mitte in Berlin Bild: Stefan Boness/Ipon

Frisches Geld von mehr 900 Millionen Euro für das Immobilienunternehmen erfreut die Investoren. Doch ein Wirtschaftsprüfer wird weiterhin gesucht. Nun soll ein Gericht entscheiden.

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          Der Aktienkurs der angeschlagenen Adler Group ist am Montag in die Höhe geschossen, nachdem das Immobilienunternehmen Ende vergangener Woche nach Börsenschluss eine Einigung mit wichtigen Gläubigern über eine Finanzierung von mehr als 900 Millionen Euro verkündet hatte. Das frische Geld ist an harte Bedingungen geknüpft, doch auch Adler verlangt seinen Kapitalgebern im Rahmen der jetzt gefundenen Lösung einiges ab – etwa eine Verlängerung der Frist, eine geprüfte Bilanz vorzulegen.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aktionäre sehen den Schritt als Hoffnungszeichen, was den Kurs der Adler Group am Montag um bis zu 65 Prozent auf in der Spitze 2,92 Euro steigen ließ. Selbst das sind allerdings letztlich nur kleine Bewegungen verglichen mit den rund 20 Euro, die eine Adler-Aktie vor der „Leerverkäufer“-Attacke im vergangenen Jahr wert war. Auch die Aktien der Tochtergesellschaft Adler Real Estate gewannen am Montag deutlich. Sie spielen allerdings wegen des geringen Streubesitzes keine so große Rolle wie die Anteilsscheine der Muttergesellschaft.

          ADLER GROUP S.A. NPV

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          Die Einigung mit den Gläubigern verschafft der Adler Group nicht nur frisches Geld, sondern verringert auch den Zeitdruck deutlich, eine geprüfte Bilanz für das Jahr 2022 vorzulegen. Die Konditionen von Anleihen der Adler-Gruppe im Volumen von rund 4,4 Milliarden Euro verlangen eigentlich einen geprüften Jahresabschluss bis spätestens 30. April. Stattdessen gewähren wichtige Adler-Gläubiger dem Unternehmen nun Aufschub bis zum 31. Dezember 2023. Wäre die April-Frist gerissen worden, hätten die Gläubiger Milliarden zurückfordern können.

          Dieses Schreckensszenario war immer wahrscheinlicher geworden, weil Adler sich mit der bisher von dem Unternehmen beauftragten Wirtschaftsprüfung KPMG entzweit hatte. KPMG wollte nach einem Streit über fehlende Informationen schon die Bilanz für 2021 nicht testieren und war auch nicht mehr bereit, den Jahresabschluss für 2022 zu prüfen.

          Komplexität des Falls erschwert Suche

          Während einer Telefonkonferenz zur Gläubigereinigung am Freitag hat sich Adlers Verwaltungsratsvorsitzender Stefan Kirsten unter anderem zur erfolglosen Suche nach einem Wirtschaftsprüfer geäußert. Demnach kommen für die Prüfung der Adler-Jahresabschlüsse wegen der Komplexität des Unternehmens nur große Prüfungsgesellschaften infrage. Von denen habe aber keine den Prüfungsauftrag annehmen wollen. Anfang November habe Adler sich auch noch mal mit einer dringenden Bitte an den bisherigen Prüfer gewendet, was aber erfolglos geblieben sei.

          Laut Kirsten hat Adler daher Ende vergangener Woche beim Amtsgericht Berlin beantragt, einen Wirtschaftsprüfer für die Tochtergesellschaft Adler Real Estate gerichtlich zu bestellen. Dieser Weg ist als gesetzliche Notlösung für prüfungspflichtige Unternehmen vorgesehen, die am freien Markt keinen Wirtschaftsprüfer finden. Kirsten hofft, dass der gerichtlich bestellte Wirtschaftsprüfer auch die Prüfung der Muttergesellschaft Adler Group übernehmen wird. „Im Falle einer gerichtlichen Bestellung sind wir zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und haben umfangreiche Vorarbeiten geleistet“, sagte Kirsten laut einem Protokoll der Telefonkonferenz am Freitag.

          An den Bilanzen der Adler-Gruppe gibt es erhebliche Zweifel, seit der Profi-Spekulant Fraser Perring dem Unternehmen vorgeworfen hatte, unter dem Einfluss von Strippenziehern zu stehen, welche Geschäfte zum Nachteil der Aktionäre eingefädelt und wichtige Bilanzkennzahlen manipuliert haben sollen. Selbst eine von Adler in Auftrag gegebene forensische Sonderuntersuchung konnte die Vorwürfe in den Augen der Investoren nicht vollständig ausräumen. Stattdessen sorgte auch die Sonderuntersuchung mit für die Entzweiung mit den Abschlussprüfern von KPMG. Die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin untersucht die Adler-Bilanzen ebenfalls und hat im November im Rahmen ihres Bilanzkontrollverfahrens nun schon zum zweiten Mal schwere Fehler in den Rechenwerken festgestellt. Auf den neuen Wirtschaftsprüfer, um wen es sich auch immer handeln wird, wartet also viel Arbeit.

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