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Adidas stoppt Mietzahlungen : „Dafür habe ich kein Verständnis“

  • Aktualisiert am

Ein Adidas-Geschäft in Berlin Bild: AFP

Wegen der Corona-Krise kann Mietern bis Ende Juni aufgrund von Zahlungsrückständen nicht gekündigt werden. Daraufhin stoppten auch Unternehmen wie Adidas und H&M ihre Mietzahlungen. In der Politik sorgt das für scharfe Kritik.

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          Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat namhafte Unternehmen wie Adidas und H&M kritisiert, die in der Coronakrise Mietzahlungen für ihre Filialen eingestellt haben. „Ich halte das Verhalten von Adidas für unverantwortlich und habe dafür kein Verständnis“, sagte Heil dem „Handelsblatt“. Adidas habe in den vergangenen Jahren hohe Gewinne erzielt. „Jetzt müssen alle die Krise gemeinsam schultern (...) Alle sind gefordert, sich nicht wegzuducken.“ Scharfe Kritik kam auch vom Verband Haus & Grund. Wenn große Unternehmen wie Adidas, Deichmann und andere jetzt reihenweise ihre Ladenmieten nicht mehr bezahlten, sei das ein Dammbruch, sagte Verbandspräsident Kai Warnecke.

          Auch Heils Parteikollege und Finanzminister Olaf Scholz kritisierte die Entscheidung von Adidas und Deichmann. In der Bild am Sonntag sagte Scholz: „Es irritiert, wenn große Unternehmen einfach so einen Mietzahlungsstopp verkünden. Jetzt ist die Zeit der Kooperation. Zu einer guten Geschäftsverbindung gehört auch, sich in schweren Zeiten miteinander zu verständigen.“

          Die Co-Vorsitzende der SPD, Saskia Esken, nannte das Verhalten des Sportartikelherstellers  „schäbig“. Dennoch glaube sie nicht, „dass die [Adidas, d. Red.] auf das Gesetz berufen können“. Aktionen wie das Verbrennen von Adidas-Kleidung, wie sie etwa der bayrische SPD-Abgeordnete Florian Post in den sozialen Medien posteten, bezeichnete die SPD-Vorsitzende jedoch als „fremd-peinlich“.

          Auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) kritisierte: „Wenn jetzt finanzstarke Unternehmen einfach ihre Mieten nicht mehr zahlen, ist dies unanständig und nicht akzeptabel.“ Die Corona-Hilfsgesetze böten dafür keine Grundlage. Es gelte weiterhin: „Mieter müssen selbstverständlich ihre Miete zahlen. Falls sie tatsächlich infolge der Krise in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten geraten, kann ihnen lediglich für einen begrenzten Zeitraum nicht gekündigt werden.“

          Adidas erklärte unterdessen, der Konzern wolle privaten Vermietern seiner Läden unverändert die Miete zahlen. „Nur im Ausnahmefall sind unsere Vermieter Privatpersonen; wir haben sie ausgenommen, sie werden ihre April-Miete wie gewohnt erhalten“, sagte Adidas-Chef Kasper Rorsted der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die meisten eigenen Geschäfte würden von großen Immobilienvermarktern und Versicherungsfonds angemietet. Sie hätten für die Maßnahme, die Mietzahlungen vorläufig einzustellen, überwiegend Verständnis gezeigt.

          Rorsted sagte, die Lage sei ernst. „Aktuell können wir nur in drei Ländern der Welt normal unserem Geschäft nachgehen und ansonsten über Online verkaufen.“ Der E-Commerce wachse zwar stark, stehe aber nur für 15 Prozent des Geschäftes. Der Konzern-Chef kündigte an, Adidas werde in den kommenden Tagen Kurzarbeit für Produktion, Läger sowie Mitarbeiter in den selbst betriebenen Läden beantragen. „Wir werden Kredite brauchen, wir bei Adidas wie auch die Wirtschaft insgesamt.“

          In Deutschland sind Mieter von Wohn- und Geschäftsräumen zwar weiterhin verpflichtet, ihre Mieten zu zahlen. Jedoch kann ihnen wegen eines Notgesetzes in der Corona-Krise bei Zahlungsrückständen aus dem Zeitraum 1. April bis 30. Juni 2020 zunächst nicht gekündigt werden. Sollte die Epidemie länger dauern, könnte dieser Zeitraum auch verlängert werden. Mit dem Notfallgesetz will die Politik verhindern, dass Wohnungsmieter ihr Zuhause verlieren und Ladenmieter ihre berufliche Existenz.

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