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Quartalszahlen : Das Geschäft mit dem Fußball läuft für Adidas auf Hochtouren

Die Sport-Skandale wirken sich nicht auf den bayrischen Sportartikelhersteller aus. Bild: dpa

Trotz der Skandale um den Fußball-Weltverband und das womöglich gekaufte Fußball-Sommermärchen des DFB steuert der Sportausrüster auch im kommenden Jahr auf Rekordwerte zu.

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          Herbert Hainer ist in seiner Überschwänglichkeit ebenso wenig zu bremsen wie die Anleger an der Börse. Die Geschäfte von Adidas laufen vor allem in Westeuropa und in China so gut, dass der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers schon am Donnerstag für das nächste Jahr Geschäftsrekordwerte angekündigt hat – und die Börse mit einem Kurssprung von bis zu 9 Prozent in Wallungen brachte. Die Dynamik der Marken Adidas und Reebok überdeckt das schwierige Golf-Geschäft. Taylor Made-Adidas Golf wird derzeit umgekrempelt. 14 Prozent der 1600 Stellen werden bis Jahresende abgebaut.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Nicht einmal die Korruptionskandale um den Welt-Fußballverband Fifa und neuerdings um den Deutschen Fußball-Bund (DFB) können Adidas die Erfolge madig machen. Im dritten Quartal erhöhte sich der Umsatz mit Fußballschuhen, Trikots und Bällen um 19 Prozent. Er gewinnt wieder an Fahrt, nachdem im Vorjahr immerhin eine Weltmeisterschaft stattfand. Mit Beginn der Fußballsaison 2015/2016 machen sich die neuen Sponsorverträge mit Manchester United sowie Juventus Turin bemerkbar. Die Trikotverkäufe sind besser angelaufen als erwartet. Im vierten Quartal wirft die Europameisterschaft 2016 ihre Schatten voraus. In der kommenden Woche stellt Adidas – rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft – die Trikots der bislang qualifizierten acht Adidas-Nationalteams vor. Als erstes wird das der deutschen Elf am Montag mit Tamtam in Berlin präsentiert, unter anderem mit Fußballer Mesut Özil und Rapper Cro. Adidas könnte im Fußball so an die Höchstmarke von 2,1 Milliarden Euro des WM-Jahres 2014 herankommen, deutlich vor dem amerikanischen Konkurrenten Nike (1,7 Milliarden Euro).

          Keine Spur also von den seit Monaten dauernden Diskussionen um Bestechungsvorwürfe, Unregelmäßigkeiten und imageschädigende Diskussionen um die Nachfolge des umstrittenen Präsidenten Joseph Blatter; oder von den seit zwei Wochen laufenden Vorwürfen über eine gekaufte Sommermärchen-WM 2006 des DFB. Die Menschen würden unverändert zwischen dem Sport und den Ereignissen einerseits und den Vorgängen um die Verbände andererseits unterscheiden, sagte Hainer. Obwohl: Ganz gehen die Skandale dann doch nicht an Adidas vorbei.

          „Wir haben keinen Zeitdruck“

          Der Adidas-Chef hofft nach wie vor, im ersten Halbjahr 2016 den neuen Sponsorvertrag mit dem DFB abschließen zu können, der Ende 2018 ausläuft. Er scheint aber unsicher. „Wir haben keinen Zeitdruck“, rückte er die Situation zurecht. Er könne sich vorstellen, dass der DFB im Moment dringenderes zu tun habe, nämlich erst einmal die Vorfälle aufzuklären. Kurz nach Bekanntwerden einer möglicherweise gekauften WM 2006 kamen Befürchtungen auf, der Skandal könnte die handelnden Personen und die Entscheidungsprozesse behindern. Ein zügiger Abschluss hätte für Adidas von Vorteil sein können. Denn auch Erzrivale Nike setzt alles auf einen Vertrag mit dem DFB und könnte die Preise hochtreiben. Hainer drängte abermals auf nachhaltige Aufklärung in beiden Fällen. Im Fall Fifa hielten sich die Sponsoren jedoch selbst lange Zeit mit Kritik zurück.

          Die Freude von Hainer über den bisherigen Geschäftsverlauf konnte das nicht schmälern. Vergessen scheint das Jahr 2014, als Prognosen nach unten zu revidieren waren, die Aktie an der Börse abgestraft wurde und eine neue Strategie aufgelegt werden musste. Die Marken Adidas und Reebok verzeichneten in den ersten neun Monaten Wachstumsraten von 18 beziehungsweise 12 Prozent, wobei auch die Euro-Schwäche geholfen hat. In Westeuropa (plus 16 Prozent) läuft es ebenso stark wie in China (plus 45 Prozent), allerdings maßgeblich unterstützt durch den festen Dollar-Kurs. Im wichtigen Markt China erkennt Hainer keine Bremseffekte, auch wenn die Wirtschaft langsamer wächst. Das Nordamerika-Geschäft mit nominal plus 25 Prozent wuchs wechselkursbereinigt aber nur um 4 Prozent. Da steht noch viel Arbeit an, um die Position als zweitgrößter Anbieter zurückzuerobern, die an Under Armour verloren ging.

          Unverändert schwierig bleibt das Golf-Geschäft. Der Umsatz hat sich zwar stabilisiert. Der Umbau aber ist tiefgreifend. Für die Restrukturierung wurden 40 Initiativen ausgemacht. Hainer bleibt dabei, im ersten Quartal 2016 über die Zukunft von Taylor Made zu entscheiden, über Verbleib oder über einen Verkauf.

          Der Geschäftseinbruch in Russland (minus 33 Prozent) zwingt zu weiteren Abschreibungen. Zusammen mit anderen Wertminderungen sowie höheren Beschaffungspreisen als Folge des stärkeren Dollar kam es im Gewinn nach Steuern zu einem langsameren Anstieg. Der verbesserte Produktmix konnte vieles auffangen, weshalb das operative Ergebnis überproportional stieg. Hainer erwartet nun für 2015 ein währungsbereinigtes Umsatzplus von bis zu 9 Prozent (bisher bis zu 5 Prozent) und einen Konzerngewinn aus fortgeführten Geschäften ohne Sondereinflüsse von 10 Prozent. Auch 2016 soll der Umsatz um bis zu 9 Prozent wachsen, die operative Marge zumindest stabil bleiben.

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