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Adidas-Aufsichtsratschef : „Unser Gewissen ist rein“

  • Aktualisiert am

Ein Franzose in Franken: Igor Landau hütet das Erbe von Adidas-Gründer Adi Dassler. Bild: Tobias Schmitt

Adidas ist derzeit mehr wert als die Deutsche Bank. Ein Gespräch mit Chefaufseher Landau über glückliche Aktionäre, Geschäfte mit der Fifa und den Wechsel an der Spitze des Konzerns.

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          Herr Landau, Adidas bekommt mit Kasper Rorsted einen neuen Chef von außen. Endet damit die Kungelei mit den Fußball-Funktionären?

          Wer Sportartikel verkaufen will, braucht ein gutes Verhältnis zu den handelnden Personen in Verbänden und Clubs. Das ist Teil unseres Geschäfts.

          Aber muss es so eng sein wie unter Herbert Hainer, der auf Du und Du war mit Beckenbauer und all den anderen, die ins Zwielicht geraten sind?

          Herbert Hainer ist ein Fußball-Enthusiast, der hohes Ansehen im Sport genießt. Er wird nun seinen Nachfolger in die Fußballwelt einführen und allen weiteren wichtigen Partnern vorstellen. Die Bindungen dahin werden eng bleiben. Noch mal: Sport ist unser Geschäft. Daran wird sich nichts ändern.

          Sie treiben weiter Geschäfte mit Organisationen wie der Fifa, auch wenn die Reputation darunter leidet?

          Was in der Fifa passiert ist, das bedauern wir. Unser Gewissen aber ist rein: Adidas ist in keinerlei Skandale verwickelt. Unsere Beziehungen sind sauber. Das haben wir geprüft, jeden einzelnen Deal. Alles total solide.

          Sie sind auch Sponsor der nächsten Fußball-WM?

          Natürlich. Auch der übernächsten. Der Vertrag läuft bis zum Jahr 2030.

          Ausrüster der deutschen Nationalelf bleiben Sie auch, egal wie hoch deren Gagenwünsche sein mögen?

          Darüber wird im Moment verhandelt.

          Kommt der Vertrag noch unter Dach und Fach, ehe sich Hainer im Herbst in den Ruhestand verabschiedet?

          Das hoffe ich, es wäre ihm zu gönnen. Herbert Hainer hat sich um diesen Konzern verdient gemacht. Er ist der am längsten amtierende Adidas-Chef nach dem Gründer Adi Dassler. Und ich bin mir sicher, Adi Dassler wäre froh darüber, welche Werte Herbert Hainer für Adidas geschaffen hat.

          Was sind seine größten Taten?

          Unter Herbert Hainer sind mehr als 40.000 neue Stellen entstanden. Den Umsatz hat er verdreifacht, den Gewinn verfünffacht. Die Aktie ist heute achtmal so viel wert wie vor 15 Jahren, als er Chef wurde. Der Börsenwert ist von 3 auf 24 Milliarden Euro gestiegen: Adidas ist aktuell wertvoller als die Deutsche Bank! Unsere Aktionäre haben jedes Jahr 15 Prozent gewonnen, die Dax-Konzerne bringen es im Schnitt auf drei Prozent im Jahr. Das spricht Bände.

          Zur Wahrheit gehört auch: Nike ist an Adidas vorbeigezogen.

          Nike ist eine erstklassige Firma, keine Frage. Zur Wahrheit gehört dann aber auch: Beide Konzerne haben sich deutlich abgehoben von der Konkurrenz, Nike wie Adidas. Hinter uns beiden kommt lange nichts mehr im Geschäft mit Sportartikeln.

          Und Kasper Rorsted hat jetzt den Auftrag, die Nummer eins zu besiegen?

          Jeder Sportler will gewinnen, auch wenn der Maßstab nicht immer so eindeutig ist: Wer ist besser, Messi oder Ronaldo? Das ist auch eine Frage der Tagesform. Ich fühle mich sehr wohl mit der derzeitigen Position des Unternehmens. Der Abstand auf Nike verringert sich jedenfalls. Einzig in Amerika liegen wir noch hinten - und dort holen wir gerade mächtig auf.

          Adidas steigert mit Macht den Umsatz, die Gewinnmarge ist mit 6,5 Prozent aber nur halb so hoch wie die von Nike und wie von Herbert Hainer einst versprochen.

          Die Profitabilität ist nicht da, wo wir sie haben wollen. Aber auch da sind wir auf einem guten Weg. Dieses Jahr steigt der Gewinn um 25 Prozent, und wir kommen auf eine operative Marge von 7 Prozent. Mit unserer neuen Strategie haben wir eine klare Ambition formuliert: Wir wollen eine zweistellige Gewinnmarge schaffen. Und ich verspreche Ihnen, das werden wir auch schaffen. Würde der Markt uns das nicht zutrauen, stünde die Aktie nicht auf dem Allzeithoch. Unsere Rendite litt zuletzt unter drei Faktoren: den unerfreulichen Entwicklungen in Russland, wo wir stark vertreten sind; außerdem lief es im Golf schwächer als erhofft, da sind wir jetzt dabei, die Schläger-Sparte zu verkaufen; und schließlich steht Reebok margenmäßig noch nicht dort, wo es sein sollte.

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