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Adi und Rudi Dassler : Bruderkampf bis zum Letzten

„Der Beste muss in meinen Schuhen laufen", hat Adi schon in den Anfangszeiten verräterisch den Hang zur Dominanz preisgegeben. „Du meinst in unseren Schuhen", erwiderte Rudi, verbunden  mit einem stechenden Blick. Die Saat der Zwietracht sollte erst viele Jahre später aufgeben. Die ersten lauteren Misstöne stammten indes von deren Ehefrauen. Adis Gattin Käthe (Alina Levshin) und Rudis Ehefrau Friedl (Hannah Herzsprung) tragen gereizt ihre Scharmützel aus. Beide werden ihre Ehemänner über die Jahrzehnte später unerbittlich im Konflikt unterstützen.

Es ist ein aufkommendes  Ungerechtigkeits-Empfinden von Rudi, gepaart mit der angestrebten Dominanz seines leisen, zunehmend aber skrupellos werdenden Bruders, der den Konflikt ausbrechen lässt. Rudi wird 1943 eingezogen, Adi bleibt zu Hause und versucht den Betrieb aufrecht zu erhalten. Der wird auf Kriegsproduktion umgestellt; am Ende fertigt er Panzerfäuste. Rudi desertiert und kann sich bis Kriegsende im Kellerverlies des Dassler-Hauses verstecken, wird aber von den amerikanischen Truppen wegen seiner Nazi-Mitgliedschaft interniert. Adi bleibt frei und kümmert sich um den Betrieb, nicht jedoch um seinen Bruder.

Der Bruch kommt im Jahr 1948. Die Geschwister teilen das Unternehmen mit seinen zwei Fabriken auf. Adidas und Puma werden gegründet, bleiben in Herzogenaurach Nachbarn in Sichtweite. Ein Konkurrenzkampf mit allen Mitteln beginnt. Die heranwachsenden Söhne treiben ihn auf die Spitze. Horst (Oliver Konietzny), Junior von Adi, und Armin (Rafael Gareisen), sind nicht zu bremsen, um sich ihren Vätern zu beweisen. Das teure Bieten um Sponsorenverträge für Athleten wie dem brasilianischen Fußballstar Pele geht selbst den Patriarchen zu weit. Sie versöhnen sich trotzdem nicht mehr.

Erst die aufwendigen Recherchen  für die Produktion unter der Regie von  Cyrill Boss und Philipp Stennert haben den dokumentarischen Charakter ermöglicht. Das Ausgangsmaterial für das Drehbuch von Christoph Silber wurde in den Unternehmensarchiven gesammelt, Gespräche mit Zeitzeugen und den Vorständen geführt. Die Schauspieler hielten sich vor Ort in Herzogenaurach auf. Hanno Koffler und Hannah Herzsprung etwa kamen zu Puma, um den „Spirit“ aufzunehmen.

Das unterscheidet die Produktion maßgeblich von der Bruderzwist-Version von RTL, die der Privatsender an Ostern im vergangen Jahr ausgestrahlt hatte und damit den Plänen der Öffentlich-Rechtlichen zuvor kamen. „Das Duell der Brüder“ mit Ken Duken (Adi) und Torben Liebknecht (Rudi) sollte der ARD die Schau stehlen, die nun aber deutlich später mit ihrem Film kommt. Gerade erst hat RTL seine Produktion wiederholt, womit die zum Teil voyeuristischen oder boulevardesken Elemente die Realität mitunter verzerrten.

Mit allen Mitteln

Etwas verklärend indes erscheint in der ARD-Produktion die Rolle der Sportausrüster in Sachen Geld und Sport sowie den Verwicklungen zwischen Unternehmen, Sportlern und Verbänden. Fußball-Bundestrainer Sepp Herberger wird gezeigt, wie er 1000 Mark zuerst von Puma, dann von Adidas fordert. Rudi Dassler zahlte nicht, Bruder Adi schon. Es waren die Schuhe mit den drei Streifen, die den Deutschen 1954  den Weltmeistertitel bescherten – und Adidas gegenüber Puma einen so großen Vorsprung ermöglichten.

Der deutsche Sprinter Armin Hary soll ebenso Begehrlichkeiten entwickelt haben; vom Hunger der Vermittler auf Bares, über die die längst entzweiten  Dassler-Brüder unisono klagen, ganz zu schweigen. Es gibt nicht wenige Beobachter, die vor allem Adidas eine wesentlich aktivere Rolle in der Verfilzung mit dem Internationalen Olympischen Komitee IOC oder den Fußballverbänden wie die Fifa zuschreiben. Da mögen Adi und Rudi Dassler noch ethische Grundsätze vertreten und eingehalten haben. Ihre Söhne schienen derlei Grenzen nicht mehr zu kennen, um ihren Kampf mit allen Mitteln fortzusetzen.

Familienunternehmen sind Adidas und Puma längst nicht mehr, sondern börsennotiert. Während die Drei-Streifen-Marke unabhängig ist, gehört Puma größtenteils dem französischen Luxuskonzern Kering. Es ist auch  ein klarer Sieger aus dem Streit über zwei Generationen der Dasslers hervorgegangen. Adidas ist mit 19,3 Milliarden Euro Umsatz von heute fünf Mal so groß wie Puma.

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