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Neuer AWS-Chef : Adam Selipsky übernimmt Amazons Cloud-Ableger

Amazons Cloud-Ableger AWS ist Marktführer vor Konzernen wie Microsoft und Google. Bild: Reuters

AWS, die Cloud-Sparte von Amazon, wird weiter unterschätzt. Ihr Wachstum ist exorbitant. Andere Cloud-Dienste von Microsoft oder Google hinken hinterher. Unter Adam Selipsky soll es nun noch besser werden.

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          Andy Jassy kommt ohne Umschweife auf den Punkt. „Ich möchte mitteilen, dass Adam Selipsky der nächste CEO von AWS sein wird.“ Das hat der zum neuen Vorstandsvorsitzende des weltmarktführenden Online-Händlers Amazon Berufene in einer Mail an alle Mitarbeiter der Cloud-Sparte des amerikanischen Technologiegiganten geschrieben. So schmuck- und formlos diese jüngste Ankündigung daherkommt, so gewichtig ist sie.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Amazon Web Services, abgekürzt AWS, ist eines der wichtigsten und zukunftsträchtigsten Geschäftsfelder des Online-Händlers. Längst macht die Sparte, die lange nur Brancheninsidern bekannt war, in Deutschland sogar Fernsehwerbung. Wer AWS unterschätzt, macht seit Jahren einen großen Fehler: Als Amazon-Gründer Jeff Bezos im Februar seinen Rückzug verkündete, fiel die Wahl der Nachfolge ganz folgerichtig mit Jassy auf den AWS-Chef.

          Jassy bemühte sich, die Entscheidung über seine eigene Nachfolge in dieser Rolle ebenfalls als wenig überraschend zu präsentieren. „Adam ist kein neues Gesicht bei AWS“, heißt es in der Mail. Schon im Jahr 2005 sei er einer der ersten Vizepräsidenten im Unternehmen gewesen, die man eingestellt habe. Elf Jahre leitete er demnach den Vertrieb, das Marketing und den Support von Amazons Cloud-Sparte. Mit Blick auf die Vertriebskraft und die Bedeutung des Kundenservices im Amazon-Konzern strategisch höchst relevante Bereiche.

          Der neue AWS-Chef: Adam Selipsky
          Der neue AWS-Chef: Adam Selipsky : Bild: Tableau

          Im Jahr 2016 verließ Selipsky dann aber Amazon und wurde Chef des Datenanalyse- Spezialisten Tableau, der drei Jahre später durch den SAP-Wettbewerber Salesforce aus San Francisco übernommen wurde. Der Wert von Tableau hatte sich unter Selipsky vervielfacht. Vollzogen wurde in der Zeit unter anderem der Wechsel von unbefristeten Lizenzen hin zu einem Abo-Modell. Auch nach der Übernahme blieb Selipsky CEO von Tableau.

          Soviel zum tabellarischen Lebenslauf. Was aber zeichnet Selipsky wirklich aus? Der Neue an der AWS-Spitze bringe ein starkes Urteilsvermögen und Kundenbesessenheit mit, könne Teams aufbauen und Nachfrage generieren, lobt Jassy. Und: „Er kennt unsere Kultur und unser Geschäft gut.“ Jassy und Selipsky kennen sich also seit langem; ihnen wird ein hervorragendes persönliches Verhältnis nachgesagt – alles andere wäre angesichts der Personalwahl allerdings tatsächlich eine Überraschung. Während seiner Amazon-Zeit galt Selipsky gar als Jassys rechte Hand.

          Der leuchtende Stern

          Häufig trat er als das Gesicht von AWS in Talkshows und Konferenzen auf. Dort musste er erklären, warum ausgerechnet ein Online-Händler in das Geschäft mit internetbasierter Software einsteigt, die dezentral in Rechenzentren (eben in der Cloud) hinterlegt ist und dort von jedem Unternehmen als Dienstleistung gebucht werden kann. In seiner Tableau-Zeit, nach der Übernahme durch Salesforce, galt Selipsky gar als aufsteigender Stern im Salesforce-Imperium, von dem nicht zuletzt dessen mächtiger Chef Marc Benioff viel hielt. Als es einmal darum ging, wen oder was Investoren an Salesforce unterschätzten, nannte Benioff unter anderem den Namen Adam Selipsky. Und das will beim extrem kompetitiv eingestellten Benioff etwas heißen.

          Trotzdem hatten längst nicht alle Beobachter den künftigen AWS-Chef auf ihrer Rechnung. „Das habe ich überhaupt nicht kommen sehen“, schrieb der Cloud-Berater Corey Quinn im Kurznachrichtendienst Twitter. Als Favoriten für den Posten wurden andere gehandelt; zum Beispiel der langjährige AWS-Manager Matt Garman.

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