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Wechsel der Finanzbehörde : ADAC muss zig Millionen Steuern nachzahlen

Der Pannen- und Unfallhilfe-Dienst der ADAC-Plus-Mitgliedschaft wird nun als Versicherungsleistung gesehen. Bild: dpa

Deutschlands größter Autofahrerklub hat schon wieder Ärger mit dem Finanzamt: Anscheinend hat die absolvierte Strukturreform doch nicht so viel gebracht, wie erhofft. Die Mitglieder sollen nach FAZ.NET-Informationen aber nicht zur Kasse gebeten werden.

          Deutschlands größter Autofahrerklub hat abermals Ärger mit dem Finanzamt. Mit großem Aufwand hat der ADAC eine Strukturreform eingeleitet, die auch das Ziel hatte, den steuersparenden Vereinsstatus zu erhalten. Seit zwei Jahren ist dieser Status vom Amtsgericht München bestätigt, aber weil der Klub für manche Mitglieder auch Versicherungsleistungen erbringt, ist er doch auch steuerpflichtig.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Für die Jahre 2014 und 2015 musste der ADAC e.V. schon Steuern in zweistelliger Millionenhöhe nachzahlen, jetzt wurde abermals eine Nachzahlung für die Jahre 2016 bis 2018 fällig, wie ein Sprecher des ADAC am Freitag gegenüber FAZ.NET bestätigte – ohne die genaue Höhe zu nennen. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ soll sich der Betrag dieses Mal auf 100 Millionen Euro belaufen.

          Grund für die Steuernachforderung ist damals wie heute der Wechsel des Finanzamtes: Seit einigen Jahren ist für den ADAC das Bundeszentralamt für Steuern zuständig, das beim Thema Versicherungssteuer offensichtlich weniger großzügig ist als die zuvor zuständige bayerische Finanzbehörde. Mit der sogenannten ADAC-Plus-Mitgliedschaft ist eine Pannen- und Unfallhilfe-Dienst verbunden, die von der Bundesbehörde anders als früher als Versicherungsleistung gewertet wird.

          Die erste Steuernachzahlung hatte der Verein noch aus den Gewinnen der ADAC SE bezahlt, in der die wirtschaftlichen Aktivitäten des Klubs gebündelt sind. Dieses Mal sollen auch die 18 Regionalklubs beteiligt werden. Nicht alle Regionalvereine wollen das mittragen und haben jetzt eine Klage angekündigt. Beim ADAC in München verweist man auf einen Mehrheitsbeschluss des Verwaltungsrats, in dem Vertreter aller 18 Regionalvereine sitzen. Dass die ADAC SE dauerhaft die Steuernachzahlungen für den Verein ausgleicht, sollte vermieden werden.

          Auch deshalb wurde beim ADAC bereits im Frühjahr 2017 ein Effizienzprogramm mit dem Titel „Pole Position“ verabschiedet. Bis zum Ende des Jahres 2020 sollen nun 170 Millionen Euro eingespart werden, bis zu 230 von 2500 Stellen könnten dann wegfallen. „Vom Jahr 2021 an soll der Verein eine 'schwarze Null' erwirtschaften“, sagte der ADAC-Sprecher. Für die mehr als 20 Millionen Mitglieder soll sich nach seinen Worten nichts ändern: „Wir planen keine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge.“

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