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Ungewöhnliche Kunden : Eine Schreinerei möbelt die EZB wieder auf

  • -Aktualisiert am

Arbeiten für berühmte Museen

Das Auftragsvolumen wurde auf 160.000 Euro festgesetzt, weitere 80.000 Euro musste die Ackermann GmbH selbst für die Realisierung des Projekts aufbringen. Für die Durchführung des Auftrags war eine detaillierte 3D-Planung notwendig, die erst durch die Anschaffung einer neuartigen 3D-Software verwirklicht werden konnte. „Der Auftrag war für uns zwar bei weitem nicht kostendeckend, die dabei gewonnene Erfahrung hat sich allerdings als richtungweisend für die Zukunft des Unternehmens erwiesen“, sagt Ackermann.

Ackermann hat sich auf ungewöhnliche Projekte spezialisiert.
Ackermann hat sich auf ungewöhnliche Projekte spezialisiert. : Bild: Ackermann

Ein anderer spannender Auftrag war eine Spantenkonstruktion, wie sie üblicherweise in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommt, für das Keltenmuseum in Glauberg. „Diese Art von formgebender Unterkonstruktion ist insbesondere für freigeformte Flächen gut geeignet und gewinnt aufgrund des geringen Gewichts immer mehr an Bedeutung“, erklärt Ackermann.

Es folgten ein Aluminium-Lichtmodell der spektakulären Dachkonstruktion des Louvre in Abu Dhabi und die Fertigung eines runden Sitzungstisches für die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Es ist nicht irgendein Tisch, sondern derjenige, an dem der EZB-Rat, das oberste Entscheidungsorgan des Eurosystems, regelmäßig tagt.

Jede erdenkliche Geometrie

„Solche Projekte sind in der Regel sehr kostspielig“, sagt Ackermann. „Da geht es schnell um mehrere hunderttausend Euro. Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Bestellung bei uns im mittleren vierstelligen Bereich liegt, ist das eine Menge Geld.“ Kommt es bei der Durchführung des Auftrags zu Schwierigkeiten, sei die Liquiditätsgrenze schnell erreicht. „Das versuchen wir weitgehend zu vermeiden. Deshalb nehmen wir auch Bestellungen mit Auftragsvolumina von mehr als 800.000 Euro nicht mehr entgegen.“

Jedes Jahr wendet man gut 8 Prozent des Umsatzes von rund 11 Millionen Euro für Investitionen auf, wie Ackermann weiter berichtet. „Mit unseren Maschinen können wir jede erdenkliche Geometrie abbilden, bis hin zur Kugel.“ Die Anlagen seien mit bis zu sieben Bearbeitungsachsen ausgestattet.

Zu den Kunden gehören auch die Start-up-Unternehmer Dominic Strobel und Patrick Walter aus Würzburg, die ihr neues Produkt, das Yogaboard, von der Ackermann GmbH fertigen lassen. „Anfangs haben wir erste Prototypen unseres Produkts in Südafrika bauen lassen und diese dann über eine Crowdfunding-Plattform vertrieben, um zu sehen, wie hoch die Nachfrage ist. Als bei uns dann innerhalb kürzester Zeit Bestellungen im dreistelligen Bereich eingingen, haben wir angefangen, uns nach einer geeigneten Produktionsstätte in Deutschland umzusehen“, berichtet Strobel. „Es werden rund 100 Einheiten im Monat hergestellt.“

Fertigung des Yogaboards

Sollte die Nachfrage steigen, dann könne man die Kapazitäten ausweiten, sagt Ackermann. Das Yogaboard befindet sich seit Mitte 2017 im Handel und kostet rund 370 Euro. „Am besten ist es, wenn unsere Kunden eine klare Formvorstellung, vage Materialvorstellungen und keine Konstruktionsvorstellungen haben“, erklärt Ackermann.

Er blickt vorsichtig in die Zukunft: „Wir streben in absehbarer Zeit keine Expansion an, da uns die familiäre Atmosphäre im Betrieb sehr wichtig ist. Veränderungen im technischen Bereich hält Ackermann hingegen für wahrscheinlich: „Auch im Baubereich wird in den nächsten Jahren der Einsatz von Verfahren, bei denen die Produkte direkt aus der 3D-Zeichnung gefertigt werden, stark zunehmen.“

Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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