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Deutsche Bank : „Diese Bank bestimmt ihr Schicksal selbst“

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Ackermann: Unzufrieden und zuversichtlich Bild: ddp

Unzufrieden und zuversichtlich - so präsentierte sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz. Die Bank musste im vergangenen Jahr den größten Verlust in der Geschichte verkraften: 3,9 Milliarden Euro. Im Januar gab es jedoch erste Anzeichen für eine Geschäftsbelebung. Und so will der Branchenprimus weiterhin kein Geld vom Staat.

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          Die Deutsche Bank will in der Finanzkrise weiterhin kein Geld vom Staat. „Diese Bank bestimmt ihr Schicksal selbst“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Dax-Konzerns, Josef Ackermann, bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Frankfurt. „Wenn man Geld nicht nötig hat, nimmt man kein Geld vom Staat.“ Das heiße aber nicht, dass Institute, die es nötig hätten, keine staatliche Hilfe annehmen dürften.

          Ackermann war mit früheren Äußerungen zum staatlichen Milliarden-Rettungspaket für die Finanzbranche in die Kritik geraten. Er hatte immer wieder betont, sein Institut könne und wolle die Krise aus eigener Kraft bewältigen. „Wenn wir den Bedarf nicht haben, wollen wir auch die Auflagen nicht haben“, sagte Ackermann. Die staatlichen Hilfen sind mit hohen Zinsen und Gebühren sowie zum Teil auch strategischen Auflagen verbunden.

          In der Debatte um eine „Bad Bank“ für Risikopapiere der Finanzbranche hat sich Ackermann gegen eine zentrale nationale Lösung ausgesprochen: „Ich bin nicht für eine nationale „Bad Bank“, weil die Größenordnung alle Dimensionen sprengen würde“. Er sei für eine dezentrale Lösung. Eine Enteignung der Eigentümer, wie im Fall der angeschlagenen Hypo Real Estate diskutiert, sollte möglichst vermieden werden und sei nur die „Ultima Ratio“.

          Verlust nach Steuern: 3,9 Milliarden Euro

          „Absolut unzufrieden“ - aber Anzeichen für eine Belebung

          Die Deutsche Bank bestätigte bereits veröffentlichte Zahlen, wonach im vergangenen Jahr ein Rekordverlust von 3,9 Milliarden Euro angefallen ist. Im vierten Quartal lag der Nettoverlust sogar bei 4,8 Milliarden Euro. Der Verlust von 3,9 Milliarden Euro war bereits im Vorfeld bekannt geworden und deshalb erwartet worden. „Wir sind absolut unzufrieden mit unserem Ergebnis im vierten Quartal und dem daraus resultierenden Verlust im Gesamtjahr 2008“, kommentierte Ackermann die Krisenbilanz.

          Dennoch sieht er zu Jahresbeginn erste Anzeichen für eine Geschäftsbelebung. Im Januar habe das Institut Erträge von 2,8 Milliarden Euro erwirtschaftet, sagte der Schweizer auf der Pressekonferenz laut Redetext. Das liege deutlich über dem Vorjahreswert und nur knapp unter dem Spitzenwert von 2007. „Das stimmt uns bei aller gebotenen Vorsicht zuversichtlich für 2009“, betonte der Vorstandschef.

          Prognosen „in diesen Zeiten äußerst schwierig“

          Zugleich wies er aber darauf hin, dass Prognosen in diesen Zeiten äußerst schwierig seien. Ackermann erwartet keine größeren Belastungen mehr aus den Risikopositionen des vergangenen Jahres, wie etwa bei großen Übernahmefinanzierungen sowie gewerblichen Immobilienkrediten. Auch die Rückstellungen für die angeschlagenen Kreditversicherer seien ausreichend.

          Die Personalkosten sanken in den drei Monaten von Oktober bis Dezember im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als ein Drittel auf 2,1 Milliarden Euro. Für den Rückgang machte die Bank in erster Linie niedrigere Bonuszahlungen wegen des niedrigeren operativen Ergebnisses verantwortlich. Weltweit beschäftigte die Deutsche Bank Ende des vergangenen Jahres fast 80.500 Mitarbeiter, rund 2200 mehr als Ende 2007

          Händler: „Goldener Januar“ hilft dem Aktienkurs

          Nach dem ersten Jahresverlust in der Nachkriegsgeschichte richtet die Deutsche Bank ihr Investmentbanking neu aus. „Die zuvor nie erlebten Marktverhältnisse in diesem Quartal haben einige Schwächen in unserem Geschäftsmodell offenbart. Deshalb ändern wir unsere Aufstellung in einigen Geschäftsfeldern“, erklärte Ackermann: „Wir ziehen Ressourcen aus den Geschäftsfeldern ab, bei denen eine baldige Erholung unwahrscheinlich ist“. Dazu gehört unter anderem ein wesentlicher Teil des Eigenhandels. Im Unterschied zum Kundengeschäft handelt die Bank beim Eigenhandel mit Wertpapiere, Devisen und Derivaten auf eigenen Namen und eigene Rechnung.

          An der Börse bauten die Aktien der Deutschen Bank nach den jüngsten Äußerungen Ackermanns zur Entwicklung im Januar einen Teil ihrer Verluste wieder ab und notierten noch 1,4 Prozent tiefer. „Den Aktien hilft, dass die Deutsche Bank jetzt sagt, dass sie einen goldenen Januar gehabt haben“, sagte ein Händler.

          Die Kernkapitalquote - wichtigste Kennziffer für die Kapitalausstattung einer Bank - lag per Ende 2008 bei 10,1 Prozent und damit über der angepeilten Marke von zehn Prozent. Am Markt wird von Investmentbanken angesichts der Finanzkrise mittlerweile eine zweistellige Quote erwartet.

          Der Chef will wie geplant 2010 aufhören

          Ackermann bestätigte seine Pläne, das Unternehmen im kommenden Jahr zu verlassen. „Die Hauptversammlung 2010 ist mit Sicherheit mein letzter Tag“, sagte er auf die Frage, ob er angesichts der Krise erwäge, die Bank länger zu führen. Der Schweizer hatte seinen Abschied zur Hauptversammlung im Mai 2010 wiederholt angekündigt und zudem bekräftigt, er wolle nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand der größten deutschen Bank nicht in deren Aufsichtsrat wechseln.

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