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Ackermann als Krisenmanager : Zeit für eine neue Deutsche Bank

Ist Josef Ackermann der richtige Krisenmanager? Bild: dpa

Nun hat die Finanzkrise auch die Deutsche Bank mit voller Wucht getroffen. Seit Wochen kursierten Gerüchte über einen Verlust im vierten Quartal. Der Branchenprimus muss nun die Frage beantworten, wie er künftig Geld verdienen will.

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          Nun hat die Finanzkrise auch die Deutsche Bank mit voller Wucht getroffen. Seit Wochen kursierten Gerüchte über einen Verlust im vierten Quartal, aber der auf der Basis vorläufiger Zahlen veröffentlichte Fehlbetrag von 4,8 Milliarden Euro hat in seiner Höhe doch überrascht und die Kurse der Bankaktien in ganz Europa leiden lassen. Der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann zeigte sich enttäuscht und sprach offen Schwächen in der Bank an, die er überwinden will.

          Das Problem der Deutschen Bank signalisiert die Börse. Dort wird sie nur mehr mit rund 12 Milliarden Euro bewertet. Das ist zwar noch deutlich mehr als die peinlichen 3 Milliarden für die um die Dresdner Bank vergrößerte Commerzbank, aber auch deutlich weniger als die führenden europäischen oder amerikanischen Banken, mit denen sich die Deutsche Bank gerne vergleicht. Ackermanns Bank ist stärker zurückgefallen als nicht wenige dieser Konkurrenten.

          Im enttäuschenden Abschneiden der Aktie drücken sich grundsätzliche Zweifel am Geschäftsmodell der Deutschen Bank aus, nicht am kurzfristigen Krisenmanagement. Da sieht die Deutsche Bank sogar recht gut aus. Sie hat im Branchenvergleich, ohne auf den Rettungsschirm der Bundesregierung zuzugreifen, eine ordentliche Kapitalausstattung und sie hat rechtzeitig Liquiditätsreserven aufgebaut.

          Die „besten Preise” für die Deutsche Bank an der Börse waren am Mittwoch nicht wirklich gut

          Ackermann hat sich weit aus dem Fenster gelehnt

          Wie knapp sie dennoch kalkulieren muss, zeigt der neue Übernahmefahrplan für die Postbank, der Eigenkapital und Liquidität schont und dafür die Deutsche Post und damit indirekt auch den Staat vorübergehend als Aktionär akzeptiert. Andererseits will die Bank eine Dividende ausschütten, anstatt das hierfür notwendige Geld in die Kapitalreserve zu stecken – eine angesichts eines Verlustabschlusses für 2008 angreifbare Entscheidung, die wohl darauf abzielt, den durch die Kursverluste gebeutelten Privataktionären einen kleinen Gefallen zu tun.

          Mit den Aussagen, dass die Deutsche Bank weder einen Rettungsschirm des Staates noch eine „Bad Bank“ benötige, nicht auf Erhöhungen des Eigenkapitals angewiesen sei und von einer weiteren Welle der Finanzkrise kaum getroffen werden dürfte, hat sich Ackermann weit aus dem Fenster gelehnt. Man kann nur hoffen, dass er recht behält, denn ein Sanierungsfall Deutsche Bank wäre so ziemlich das Letzte, was die deutsche Wirtschaft derzeit brauchte.

          Ganz abseits vom Krisenmanagement lautet die entscheidende Frage, auf die Ackermann eine Antwort liefern muss: Wie will die Deutsche Bank in Zukunft ausreichend Geld verdienen, um die selbst gesteckten Renditeziele zu erreichen? In den vergangenen Jahren bildete das Investmentbanking die mit Abstand wichtigste Ertragsquelle, aber nun ist es gerade das Investmentbanking, das die Bank einen Verlust ausweisen lässt. Ackermann reagiert darauf mit einer deutlichen Reduzierung der Risiken in dieser Sparte. Aber der Verzicht auf Geschäft reduziert nicht nur die Risiken, sondern gleichzeitig das Ertragspotential.

          Investmentbanking als Kerngeschäft

          Ackermann sagt deutlich, dass er das Investmentbanking weiterhin als Kerngeschäft der Deutschen Bank sieht und es mag ihm zuzustimmen sein, dass dieser Geschäftsbereich nach einem Ende der Finanzkrise wieder bessere Zeiten erleben wird. Aber es kann ihm nicht daran gelegen sein, dem Investmentbanking angesichts der starken Schwankungen seiner Ergebnisse noch einmal jenes Gewicht zu geben, das es einmal besaß.

          Doch worin besteht die Alternative? Ackermann hat in den vergangenen Jahren die Strategie ausgegeben, sogenannte „sichere“ Geschäfte auszubauen, zu denen er unter anderem die Vermögensverwaltung und das Filialgeschäft zählt. Die Krise belegt aber auch die Anfälligkeit der Vermögensverwaltung und im Filialgeschäft hat die Deutsche Bank über Jahre einen Ausbau im Ausland vernachlässigt. Die Übernahme der Postbank soll sie nun zu einer, wie sie sagt, „führenden europäischen Filialbank mit Schwerpunkt in Deutschland“ machen.

          Auch das wird nicht einfach, denn die Deutsche Bank muss nicht nur die Fähigkeit entwickeln, die ihr kulturell völlig fremde Postbank in einen Vertriebskanal für ihre Produkte zu verwandeln. Die Deutsche Bank besitzt eine unbestrittene Expertise im zwar kostenträchtigen, aber auch bislang hohe Erträge versprechenden Geschäft mit vermögenden Privatkunden. Das kostenarme Massengeschäft mit standardisierten Produkten wird sie vermutlich erst lernen müssen.

          Starke Ausrichtung auf Heimatmarkt ist riskant

          Die starke Ausrichtung des Filialgeschäfts auf den deutschen Heimatmarkt ist in einer zweiten Hinsicht riskant, weil in keinem großen europäischen Land die Margen derart gering sind wie in Deutschland. Dafür sorgt die starke Konkurrenz durch Sparkassen und Volksbanken, und die mit Staatsgeldern aufgepäppelte Commerzbank wird wegen ihres noch stärker auf Deutschland ausgerichteten Geschäftsmodells den Heimatmarkt aggressiver bearbeiten müssen als bisher. Ackermann wird, wenn es gut geht, möglicherweise als passabler Krisenmanager in die Geschichte der Deutschen Bank eingehen. Den Marschallstab des großen Strategen besitzt er noch nicht.

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