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Achim Berg ersetzt Rolf Buch : Microsoft-Manager wird Bertelsmann

Achim Berg Bild: Bertelsmann

Achim Berg rückt für Rolf Buch in den Vorstand des Medienkonzerns und an die Spitze des Dienstleisters Arvato. Berg soll für mehr Wachstum und höhere Margen sorgen.

          3 Min.

          Auf der Kommandobrücke der Bertelsmann SE kommt es zu einem überraschenden Wechsel: Der Microsoft-Manager Achim Berg rückt Anfang April in den Vorstand des Gütersloher Medienkonzerns und übernimmt die Führung der Tochtergesellschaft Arvato. Der bisherige Arvato-Chef Rolf Buch, dessen Vertrag eigentlich noch bis Ende 2015 lief, muss weichen.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Der 47 Jahre alte Buch legt sein Mandat „im besten gegenseitigen Einvernehmen“ nieder und verlässt den Konzern schon Ende Dezember. Ihm winkt eine stattliche Abfindung in Millionenhöhe.Treibende Kraft hinter diesem Wechsel ist Thomas Rabe, der seit Anfang dieses Jahres Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann ist. Rabe will den Konzern, zu dem neben der Dienstleistungsgruppe Arvato die Senderkette RTL, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr und der Buchverlag Random House gehören, umbauen und auf Wachstum trimmen.

          „Herr Berg hat einen ganz klaren Wachstumsauftrag“

          In diesem Sinne will er nun auch die Berufung Achim Bergs verstanden wissen: „Herr Berg hat einen ganz klaren Wachstumsauftrag und keinen Konsolidierungs- oder Sanierungsauftrag. Er soll die Weichen dafür stellen, dass Arvato noch schneller wächst und zugleich die Margen erhöht“, sagte Rabe im Gespräch mit der F.A.Z.

          Entgegen anderslautender Spekulationen habe es keine persönlichen Differenzen zwischen ihm und Rolf Buch gegeben: „Wir sind unterschiedlich, ja, aber wir sind sehr gut miteinander klar gekommen. Ich schätze Herrn Buch persönlich sehr.“ Buch habe sich in den vergangenen 20 Jahren sehr verdient gemacht um Arvato und zahlreiche Wachstumsimpulse gesetzt. „Wir glauben aber, dass wir für die nächste Phase der strategischen Entwicklung von Arvato jetzt jemand anderes brauchen.“ Arvato sei bisher ein Konglomerat mittelständischer Betriebe. „Jetzt haben wir den Ehrgeiz, daraus ein Unternehmen zu machen, sprich:  Arvato in der Führungsstruktur und in der Kundenbetreuung enger zusammenzuführen“, sagte Rabe.

          60.000 Mitarbeiter in 30 Ländern

          Arvato beschäftigt mehr als 60.000 Mitarbeiter in 30 Ländern und dürfte in diesem Jahr auf einen Umsatz von rund 4,5 Milliarden Euro kommen. Trotz dieser beachtlichen Größe ist das Unternehmen relativ unbekannt, weil es im Auftrag von Geschäftskunden im Hintergrund wirkt. De facto hat aber wohl fast jeder Deutsche schon mal mit Arvato zu tun gehabt: Die Gütersloher organisieren das Vielfliegerprogramm „Miles & More“ der Lufthansa, rechnen den größten Teil der Google-Werbeumsätze in Europa ab, liefern Mobiltelefone aus und übernehmen mit eigenen Call-Centern die Kundenbetreuung vieler großer Unternehmen. Auch Microsoft gehört zu den großen Kunden von Arvato: Die Ostwestfalen liefern für die Amerikaner Windows 8 aus.

          Insofern dürfte Achim Berg schon ganz gut über Arvato Bescheid wissen. Der 48 Jahre alte Wirtschaftsinformatiker hat in führenden Positionen für T-Com (Telekom), Dell und Fujitsu Siemens gearbeitet, bevor er vor fünf Jahren zu Microsoft wechselte. Im Februar 2007 übernahm er die Leitung der deutschen Landesgesellschaft des Softwarekonzerns. 2010 wechselte der gebürtige Rheinländer in die Microsoft-Firmenzentrale nach Redmond und kümmerte sich im Range eines Corporate Vice President um das Geschäft mit Handys und Smartphones. Bei seinem Abschied aus München machte der verheiratete Familienvater keinen Hehl daraus, dass ihm diese Umzugsentscheidung nicht leicht gefallen ist: „Ich gebe zu, dass ich doch sehr in Deutschland verwurzelt bin“, schrieb Berg damals in seinem internen Microsoft-Blog.

          Die Familie wollte nach Deutschland zurück

          Tatsächlich dürfte der Wunsch seiner Familie, wieder nach Deutschland zurückzukehren, mit dazu beigetragen haben, dass Berg die Offerte aus Gütersloh angenommen hat. Daneben dürfte ihn aber auch reizen, dass er im dezentral verfassten Bertelsmann-Reich mehr unternehmerische Freiheit bekommt – jedenfalls solange die Ergebnisse stimmen. Rabe preist Berg, der, wie im Hause Bertelsmann beim Einstieg in den Vorstand üblich, zunächst nur einen Drei-Jahres-Vertrag bekommt, als „außergewöhnliche Führungspersönlichkeit“: „Er ist international erfahren, technikaffin und kommunikationsstark. Und er hat eine sehr gewinnende Art.“

          Berg passe bestens zu Bertelsmann, weil er unmittelbare Kenntnisse aus Branchen mitbringe, die für Arvato relevant seien: Hardware, Software und Telekommunikation. Der Bertelsmann-Chef hat klare Vorstellungen von den Aufgaben, die Berg nun zu erfüllen hat: Der Marathonläufer und Amateur-Rallye-Fahrer soll die digitale Transformation vorantreiben, neue Wachstumsplattformen aufbauen und die Expansion in Wachstumsregionen wie China beschleunigen.

          Nach Bekanntwerden der Personalie sagte Berg In einem Statement: „Meine Entscheidung nach Deutschland zurückzukehren, ist keine Entscheidung gegen Microsoft, sondern für einen nächsten beruflichen Schritt in Deutschland. Die Zeit bis zu meinem Wechsel am 1.April werde ich weiter nutzen, um Windows und Windows Phone mit den großen Telekommunikationsunternehmen zum Erfolg zu führen. Aus familiären Gründen und mit Blick auf die spannenden Aufgaben bei Arvato und Bertelsmann,  freue ich mich nach drei erfolgreichen Jahren in den USA sehr auf meine Rückkehr nach  Deutschland.“

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