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Accenture-Chefin Julie Sweet : Eine der mächtigsten Frauen in Amerikas Unternehmenswelt

Julie Sweet Bild: Reuters

Julie Sweet ist die erste Frau an der Spitze von Accenture. Die Amerikanerin hat sich nach oben gearbeitet und muss jetzt einen der größten Beratungskonzerne der Welt durch die Krise lotsen.

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          Als Julie Sweet vor einem Jahr als erste Frau in der Unternehmensgeschichte auf den Chefposten des Beratungsunternehmens Accenture befördert wurde, konnte sie noch nicht ahnen, welch ein turbulentes Jahr auf die Weltwirtschaft und ihr Unternehmen mit der Corona-Pandemie zukommen würde. Der Anlass ihrer Beförderung damals war traurig: Ihr Vorgänger, der langjährige Accenture-Chef Pierre Nanterme, war im Januar 2019 aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten und wenige Wochen später an einem Krebsleiden verstorben. Die beiden kannten sich gut: „Wir haben sehr eng miteinander gearbeitet“, sagt Julie Sweet im Gespräch mit der F.A.Z. über ihr Verhältnis zu dem Franzosen: „Er hat mich schon gefördert, als ich noch Leiterin der Rechtsabteilung von Accenture war“, erzählt die 52 Jahre alte Amerikanerin.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der obersten Führungsriege des Beratungskonzerns war Julie Sweet anfangs in gewisser Hinsicht eine Exotin: Anders als Nanterme und andere Accenture-Spitzenmanager hatte sie nicht ihr gesamtes Berufsleben bei Accenture verbracht. Bevor sie im Jahr 2010 ins Beratermetier zu Accenture wechselte, hatte die promovierte Juristin schon erfolgreich Karriere als Anwältin gemacht: Nach ihrem Studium war sie bei der New Yorker Anwaltskanzlei Cravath, Swaine & Moore gestartet, einer der renommiertesten Kanzleien der Wall Street: 17 Jahre arbeitete sie dort, die letzten 10 als Partnerin, bevor sie auf ein Angebot von Accenture eingegangen war, weil sie ihr Leben zwar erfolgreich, aber „vorhersehbar“ fand.

          Jetzt muss Julie Sweet als Vorstandsvorsitzende einen der größten Beratungskonzerne der Welt durch die Corona-Krise lotsen, der während der achtjährigen Amtszeit ihres Vorgängers zu einem Riesen herangewachsen ist. Die Mitarbeiterzahl hat sich in der Ära Nanterme mehr als verdoppelt – heute arbeiten mehr als 500.000 Menschen in 120 Ländern für Accenture. Das Unternehmen profitiert, wie viele andere Beratungshäuser auch, vom digitalen Wandel, der mit dem Aufkommen der Künstlichen Intelligenz (KI), Daten-Clouds, Blockchains und der 5G-Netze einhergeht. Durch die Pandemie werden die technologischen Umwälzungen noch verstärkt.

          Sie lebt den amerikanischen Traum

          Für die Umstellung ihrer Geschäftsmodelle und die Bewältigung der technologischen Umbrüche suchen Manager rund um die Welt die Hilfe der IT-Berater: Rund 44 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete Accenture im Ende August abgelaufenen Geschäftsjahr rund 3 Prozent mehr als im Geschäftsjahr zuvor. Etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes stammt aus dem Beratungsgeschäft, der Rest aus Dienstleistungen wie dem Outsourcing, weil manche Unternehmen ganze Bereiche an Accenture auslagern. Nach Abzug aller Kosten und Steuern blieb unter dem Strich ein Nettogewinn von knapp 4,9 Milliarden Dollar übrig.

          Der Aktienkurs von Accenture, der sich in den vergangenen 10 Jahren versechsfacht hat, brach im März kurzzeitig ein, hat inzwischen aber wieder sein Vorkrisenniveau erreicht. Bei der Vorlage der jüngsten Zahlen Ende September lobte Julie Sweet im Beraterjargon das Geschäft ihres Unternehmens als äußerst widerstandsfähig in der Krise. „Wir haben Marktanteile in der Krise gewonnen“, ergänzt sie im Gespräch.

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