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Abwrackprämie : Mehr Nachfrage, weniger Kurzarbeit

  • Aktualisiert am

Im Opelwerk in Eisenach ist Kurzarbeit geplant. Zum Teil wird diese Planung nun aber wieder zurückgenommen Bild: ddp

Erst Opel, jetzt Seat: Immer mehr Autobauer nehmen ursprünglich geplante Kurzarbeit wieder zurück. Grund ist ein unerwartet großer Nachfrageboom in Deutschland: Durch die Abwrackprämie sind kleine Autos begehrt wie lange nicht. „Die Prämie wirkt“, stellt der VDA fest und erkennt sogar einen kleinen Trend.

          Die Abwrackprämie und der damit verbundene Nachfrageschub sorgen inzwischen bei immer mehr Autoherstellern dafür, dass sie die Produktion wieder erhöhen und Kurzarbeit verringern. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) kann sogar schon einen kleinen Trend in diese Richtung erkennen: „Gerade bei Kleinwagen sehen wir derzeit eine stark erhöhte Nachfrage“, sagte ein Sprecher des Verbands zu FAZ.NET. „Es wäre unverantwortlich, auf eine Nachfrage, die es am Markt gibt, nicht zu reagieren. Die Lager seien geräumt, „viele Kunden fürchten schon, dass sie wegen langer Lieferzeiten nicht mehr in den Genuss der Prämie kommen können.“

          Jüngstes Beispiel für eine Verringerung eigentlich geplanter Kurzarbeit ist die Volkswagen-Tochtergesellschaft Seat in Spanien. Seat teilte am Dienstag mit, die im Stammwerk in Martorell angekündigte Kurzarbeit um zwei Tage zu verringern. Als Grund nannte Seat Aufträge aus Deutschland für den Ibiza, die vier Mal so hoch seien wie erwartet. Deutschland ist größter Exportmarkt für Seat. „Die Verschrottungsprämie in Deutschland ist die richtige Maßnahme zum richtigen Zeitpunkt“, erklärte Seat-Chef Erich Schmitt.

          Mehr Nachfrage auch bei Opel und Ford

          Auch die Adam Opel GmbH erhöht ihre Automobilproduktion: Für das Werk Eisenach, in dem der Kleinwagen Corsa gebaut wird, ist eigentlich Kurzarbeit angekündigt. Die wird nun zum Teil wieder zurückgenommen (siehe auch: "Will sonst noch jemand einen Corsa?"). Im Stammwerk in Rüsselsheim sollen sogar Sonderschichten eingelegt werden. Nach den Angaben des Opel-Mutterkonzerns General Motors liegen rund 60.000 Bestellungen für den in Rüsselsheim gebauten Insignia vor.

          Bei Ford führte die staatliche Abwrackprämie ebenfalls zu einem Anstieg der Nachfrage nach neuen Kleinwagen. In den Werken in Köln und Saarlouis plant Ford trotzdem Kurzarbeit - 3400 Beschäftigte sind davon betroffen. Die Zahlen lesen sich dennoch gut: „Die Zahl der Auftragseingänge für die Modelle Fiesta, Ka und Fusion hat sich in der zweiten Hälfte des Januars vervierfacht“, sagte Marketingchef Jürgen Stackmann anlässlich des Verkaufsstarts der neuen Modelle von Fiesta und Ka in Köln. Die Anzahl der Bestellungen binnen zweier Wochen sei von 2500 im Vorjahr auf jetzt 10.000 gestiegen. Vom Ford Fiesta seien seit Oktober schon rund 20.000 Einheiten in Deutschland verkauft worden. Für den neuen Ka, der erst an diesem Samstag in die Autosalons der Händler kommt, lägen schon 5000 Vorbestellungen vor.

          „Die Prämie wirkt“

          „Die Prämie wirkt“, sagte der VDA-Sprecher, „so stark, dass selbst viele Experten davon überrascht worden sind.“ Rund eine Million Menschen wollen nach neuesten Daten Gebrauch von dem staatlichen Angebot machen (siehe auch: Rund eine Million Autokäufer wollen Abwrackprämie nutzen). Der Nachfrageschub sei breit angelegt, glaubt der VDA. Nicht allein das Kleinwagensegment profitiere, auch bei Kompakt- und Mittelklassewagen lasse sich eine positive Wirkung erkennen. Der Verband will sich dennoch auf keine Aussage festlegen, ob sich langfristige Effekte für die Branche einstellen werden, oder der derzeitige Boom eher als Strohfeuer zu werten ist. „Wir können uns nicht völlig von der Weltwirtschaft abkoppeln“, heißt es abwartend.

          Derweil mehren sich die Stimmen, die eine Abschaffung der Deckelung der Abwrackprämie durch die Bundesregierung fordern - unter anderem, um die Gefahr eines Strohfeuers zu vermeiden. „Die Bundesregierung sollte die Fördersumme notfalls aufstocken“, sagte der ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker. Der ADAC befürchtet, dass durch das Auslaufen der Prämie Verbraucher, die lange auf die Lieferung ihres Neuwagens warten müssen, nicht mehr zum Zuge kommen könnten. Die Zahlung der Abwrackprämie ist nämlich derzeit auf ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro begrenzt. Ein Sprecher sagte: „Es dürfen keine Verlierer produziert werden, das führt bloß zu Hysterie und Panik.“ Und dann bestehe die Gefahr, dass der positive Effekt der Prämie ins Gegenteil umschlage und schon bald eine Kaufzurückhaltung entstehe.

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