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Antrag auf Abwicklung : MV-Werften-Eigentümer Genting löst sich auf

Stillstand: das Gelände der MV Werften in Stralsund Bild: dpa

Nun ist es offiziell: Auch der Eigentümer der MV Werften ist am Boden. Der malaysische Eigentümer zeigt mit dem Finger auf das Land Mecklenburg-Vorpommern. Doch das sieht sich auf der richtigen Seite.

          3 Min.

          Der strauchelnde Eigentümer der insolventen MV Werften, der Kreuzfahrt-Konzern Genting Hong Kong, löst sich auf. Beim Obersten Gericht von Bermuda habe das Unternehmen den Antrag auf Auflösung der Gesellschaft gestellt, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Drei Anwälte seien in Hongkong und in Bermuda bestellt worden, um den Restrukturierungsprozess der Schulden auf Seiten von Genting zu leiten. Die Aktie ist zum zweiten Mal auf unbestimmte Zeit vom Handel ausgesetzt worden. Bei der ersten Wiederaufnahme des Handels in der vergangenen Woche war der Kurs sofort um 56 Prozent gefallen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          In einer Mitteilung vom Vorsitzenden des Verwaltungsrates an die Börse in Hongkong, dem malaysischen Milliardär Lim Kok Thay, heißt es: „Das Unternehmen ist der Ansicht, dass es alle angemessenen Anstrengungen unternommen hat, um mit den entsprechenden Gegenparteien im Rahmen bestehender Vereinbarungen zu verhandeln.“ Trotz dieser Bemühungen und langwieriger Verhandlungen mit Gläubigern sei aber keine endgültigen Vereinbarung über eine „einvernehmliche und bedingungsfreie“ Restrukturierung zustande gekommen.

          Lim und seine Familie halten 75,5 Prozent an Genting Hong Kong. Sein Vater hatte den heute börsennotierten malaysischen Glücksspiel- und Tourismus-Konzern Genting Bhd. im Jahr 1965 gegründet, an dem die Familie noch 43 Prozent besitzt.

          Genting Hong Kong mit seinem Rechtssitz auf den Bermudas habe nun „keinen Zugang zu weiterer Liquidität“, hieß es. Die Barmittel dürften entsprechend der Vorhersagen von Genting „Ende Januar oder um Ende Januar“ aufgebraucht seien. Die Gründe dafür seien zum einen weitere operative Kosten, zum anderen „zu erwartende Zahlungen für bestimmte Verbindlichkeiten, die um diese Zeit fällig werden“. Man hoffe weiter auf „ein Moratorium der Gläubiger“. Schon vergangene Woche hatte Lim geschrieben: „Die Gegenparteien sind ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen“, und meinte damit die Deutschen, von denen er sich eine Finanzspritze erwartete.

          Geld aus Mecklenburg-Vorpommern kommt nicht

          Das Landgericht in Schwerin hatte am Montag einen Eilantrag von Genting auf sofortige Auszahlung eines Darlehens des Landes Mecklenburg-Vorpommern an MV Werften zurückgewiesen. Der Konzern habe eine existenzielle Notlage nicht nachvollziehbar darlegen können, so die Begründung. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns sah sich daraufhin in ihrer Skepsis bestätigt, dass das Darlehen über 78 Millionen Euro nicht ausgereicht hätte, die Entwicklung zu verhindern. „Das Land war bereit, das für eine andere Situation gedachte Darlehnen im Rahmen einer Gesamtlösung für die MV Werften an Genting auszuzahlen“, erklärten Wirtschaftsminister Reinhard Meyer und Finanzminister Heiko Geue. Es sei jetzt aber im Interesse des Steuerzahlers, dass sich das Land gegen eine Auszahlung des Geldes in ein Insolvenzverfahren hinein gewehrt habe.

          Einige Aktivitäten des Unternehmens sollen weiterlaufen – namentlich genannt werden Dream Cruises. Die anderen beiden Kreuzfahrtmarken – Star Cruises und Crystal Cruises, die aus Miami heraus arbeiten – werden genauso wenig wie die deutschen Werften namentlich genannt. „Nichtsdestotrotz wird erwartet, dass die Mehrheit der Tätigkeiten der Gruppe ihre Arbeit einstellen“, schrieb das Unternehmen. Im Mai hatte Genting Hong Kong einen Verlust von 1,7 Milliarden Dollar für das Corona-Jahr 2020 ausgewiesen. Die Malaysier haben schon gewarnt, dass bei einem Zusammenbruch ein Gesamtverlust von 2,78 Milliarden Dollar auch weitere Firmen empfindlich treffen werde.

          Der asiatische Konzern, der unter anderem Kreuzfahrten und Glücksspiele anbietet, ist infolge der Pandemie in Schwierigkeiten geraten. Davon ist auch seine Tochtergesellschaft MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern betroffen, wo Genting Kreuzfahrtschiffe für den eigenen Bedarf bauen ließ. Welche Folgen der Antrag auf Abwicklung von Genting für die Werften und den erhoffte Fertigbau des weltgrößten Kreuzfahrtschiffes „Global Dream“ haben könnte, ist unklar – ebenso wie eine Abwicklung konkret ablaufen könnte.

          Für die MV Werften mit ihren rund 2000 Beschäftigten war am Montag vergangener Woche Insolvenz beantragt worden. Am Freitag sprach dann der vorläufige Insolvenzverwalter der MV Werften, Christoph Morgen, laut seinem Sprecher zuletzt mit Spitzenvertretern von Genting. Anschließend berichtete der Verwalter von einer guten und konstruktiven Atmosphäre. Man werde nach Lösungen für die Finanzierung suchen. Weitere Gespräche seien geplant.

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