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Abtritt bei Hewlett-Packard : Schauspielerin brachte HP-Chef Hurd zu Fall

  • Aktualisiert am

Die Frau, die Hurd Belästigung vorwarf: Jodie Fisher, ehemalige Schauspielerin und PR-Beraterin bei HP Bild: Getty

Sie habe es nicht gewollt, sagte die Schauspielerin Jodie Fisher. Aber ihre Vorwürfe gegenüber dem Chef von Hewlett-Packard lösten die Ermittlungen aus, die diesen zu Fall brachten. Die neue Konzernspitze bemüht sich nun um Schadensbegrenzung - und sucht einen Nachfolger.

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          Mark Hurd hat anscheinend vieles richtig gemacht. Er brachte den amerikanischen Computer- und Druckerhersteller Hewlett-Packard wieder auf Kurs. Aber am Freitag musste er zurücktreten - wegen falsch abgerechneter Spesen. Die Frau, die das ausgelöst hatte, sagte jetzt, dass sie das nie gewollt habe. Sie arbeitete als externe Beraterin des Unternehmens und spielte früher in Filmen mit, die Jugendliche in den Vereinigten Staaten nur in Begleitung eines Erwachsenen sehen dürfen.

          Unternehmenschef Mark Hurd war am Freitag im Zusammenhang mit Vorwürfen wegen sexueller Belästigung zurückgetreten. HP hatte eine externe Kanzlei Vorwürfe prüfen lassen, wonach Hurd die Unternehmensregeln gegen sexuelle Belästigung beim Umgang mit einer früheren Angestellten eines Subunternehmens verletzt haben soll. Die Untersuchung habe ergeben, dass dies nicht der Fall gewesen sei, teilte HP mit. Hurd habe aber gegen den Verhaltenskodex von HP bei Geschäftsbeziehungen verstoßen (siehe HP-Chef tritt nach Belästigungsvorwürfen zurück).

          „Ich habe meine Ansprüche privat mit Mark geklärt“

          „Ich war überrascht und betrübt, dass Mark Hurd deswegen seinen Job verloren hat“, sagte die ehemalige Schauspielerin Jodie Fisher. „Das war nie meine Absicht.“ Über ihre Anwälte ließ sie dies in einer Mitteilung verbreiten - und ihren Namen voll nennen, der zuvor nicht bekannt war. Ende Juni hatte sie sich bei HP beschwert, Hurd habe sie sexuell belästigt, als sie für das Unternehmen tätig war. Es folgte eine firmeninterne Untersuchung, die Hurd zwar von dem schweren Vorwurf entlastete - aber dafür die falschen Abrechnungen ans Tageslicht brachte.

          Nimmt seinen Hut: Mark Hurd

          „Mark und ich hatten nie eine Affäre oder eine intime sexuelle Beziehung“, sagte Fisher nun. HP-Chefjustiziar Michael Holston hatte am Freitag von einer „engen persönlichen Beziehung“ der beiden gesprochen und damit den Spekulationen Tür und Tor geöffnet. „Ich habe meine Ansprüche privat mit Mark geklärt“, sagte sie. „Ich wünsche Mark, seiner Familie und HP alles Gute.“ Weiter wolle sie den Fall nicht kommentieren.

          Die Abrechnung der Abendessen hat er verschwiegen

          HP-Chef Hurd hatte Fisher 2007 persönlich als externe Beraterin engagiert. Nach eigenen Angaben hat sie bei Veranstaltungen für HP-Großkunden und Konferenzen des Spitzenmanagements des Konzerns gearbeitet. „Ich habe diese Konferenzen mit vorbereitet, viel Energie hineingesteckt und diese Arbeit für HP genossen“, sagte sie. Zwei Jahre lang arbeitete sie für HP, reiste dabei rund um die Welt und verdiente nach Medienberichten mit 1000 bis 10 000 Dollar pro Trip nicht schlecht.

          Der zweifache Familienvater Hurd soll die allein erziehende Mutter Fisher bei diesen Gelegenheiten öfter mal zum Abendessen eingeladen haben. Bei der Abrechnung der Spesen habe er sie jedoch verschwiegen. Das wurde ihm letztlich zum Verhängnis.

          Sie spielte in „Easy Rider“ mit - und in zwielichtigen Filmen

          Die 50 Jahre alte Jodie Fisher hat eine abwechslungsreiche Karriere hinter sich. Nach Angaben ihrer Anwältin war sie Vizechefin einer Immobilienfirma, hat für den Drogenausschuss des amerikanischen Kongresses gearbeitet, war im Vertrieb eines Weltunternehmens tätig und wirkte in den Neunziger Jahren auch in einigen Filmen mit, die Jugendliche in den Vereinigten Staaten nur in Begleitung eines Erwachsenen sehen dürfen, in „R-Rating“-Streifen.

          Es folgte 2007 ein Auftritt in einer Realityshow im amerikanischen Fernsehen, in der Fisher mit anderen Frauen um die Gunst des australischen Tennisspielers Mark Philippoussis buhlte, aber schon früh ausschied. Zuletzt hatte sie laut der internationalen Filmdatenbank 2009 eine kleine Rolle in einer Fortsetzung des Kultfilms „Easy Rider“.

          Wer folgt auf Hurd?

          Der zweifache Familienvater Hurd gehörte in den vergangenen Jahren zu den am meisten bewunderten Konzernchefs und hat während seiner fünfjährigen Amtszeit das Unternehmen mit seinen mehr als 300.000 Mitarbeitern neu ausgerichtet. Der Börsenwert des Konzerns verdoppelte sich in der Zeit nahezu. Der Rücktritt wirkte auf die Investoren wie ein Schock: Die Aktie ging am Freitag nachbörslich zunächst auf Sinkflug, schien sich am Montag aber wieder zu fangen.

          Der auch in Deutschland stark verankerte Konzern richtete den Blick nach vorn. Die Reaktionen der Investoren auf den Umgang mit der Affäre und den Rücktritt Hurds seien „extrem ermutigend“ gewesen, erklärte Cathie Lesjak, die den Chefposten vorübergehend übernommen hat, am Sonntag in einer Telefonkonferenz. Es war das erste Mal, dass sich HP zu den Ereignissen zu Wort meldete.

          Die Ungereimtheiten tragen nicht gerade dazu bei, das Vertrauen ins Unternehmen zu stärken. „Wir steuern so schnell wie möglich durch diese Phase des Wandels“, sagte Lesjak am Sonntag. Nun drückt der Konzern bei der Suche nach einem Nachfolger aufs Tempo. Hurd werde so schnell wie möglich ersetzt. Lesjak selbst hat sich als künftige Chefin ausgeschlossen. Der Konzern lässt bislang offen, ob wie mit Hurd und dessen Vorgängerin Carly Fiorina abermals jemand von außen geholt oder die Spitzenposition intern besetzt wird.

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