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Absprachen vermutet : EU-Kartellwächter durchsuchen Pharmafirmen

  • Aktualisiert am

Die europäische Pharmabranche unter Verdacht Bild: ddp

Ermittler haben die Geschäftsräume mehrerer europäischer Pharmahersteller durchsucht. Es geht um vermutete Absprachen und Behinderungen des Wettbewerbs. Namen nannten die Kartellwächter nicht - doch einige Konzerne haben die Aktion bestätigt. In Deutschland ist zumindest Ratiopharm betroffen.

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          Mit Inspektionen bei mehreren europäischen Pharma-Firmen hat die EU-Kommission eine grundlegende Untersuchung der Branche eingeläutet. Es stelle sich die Frage möglicher Wettbewerbsverzerrungen, weil die Zahl neuer Medikamente seit der Jahrtausendwende deutlich zurückgegangen sei, erklärte die Brüsseler Behörde am Mittwoch. Auch werde die Einführung von Generika „anscheinend teilweise hinausgezögert“.

          EU-Wettbewerbshüter besuchten unter anderem Geschäftsräume von AstraZeneca, Sanofi-Aventis, Pfizer und GlaxoSmithKline. In Deutschalnd ist der Generikahersteller Ratiopharm von den Kartelluntersuchungen Pharmabranche betroffen. Das Ulmer Unternehmen kooperiere mit der Behörde, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch. Die deutschen Unternehmen Bayer Schering Pharma AG, Boehringer Ingelheim und Stada Arzneimittel sind nach eigenen Angaben nicht betroffen.

          Zwischenbericht für Herbst geplant

          Die Kommission betonte, bislang lägen keine konkreten Indizien für wettbewerbswidrige Absprachen zwischen einzelnen Herstellern vor. Es sei aber auffällig, dass die Zahl neu angemeldeter Arzneimittel-Patente von durchschnittlich 40 in den Jahren 1995 bis 1999 auf durchschnittlich 28 im Zeitraum von 2000 bis 2004 zurückgegangen sei.

          „Wenn innovative Arzneimittel nicht hergestellt werden und kostengünstige Generika zum Teil erst mit Verzögerung auf den Markt gelangen, dann müssen wir nach den Gründen suchen“, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Ein erster Zwischenbericht sei für Herbst 2008 zu erwarten, der Abschlussbericht für Frühjahr 2009.

          Ermittlungsverfahren nicht zwingende Folge

          Die EU-Kommission hat ähnliche Untersuchungen in der Vergangenheit bereits für den Finanzdienstleistungs- und den Energiesektor angestrengt. Aus der Untersuchung des Energiesektors folgten mehrere konkrete Ermittlungsverfahren wegen mutmaßlicher Wettbewerbsverstöße, unter anderem gegen RWE, Eon, Gaz de France und ENI. Die Konzerne unzulässiger Absprachen auf dem Gasmarkt verdächtigt.

          Kroes betonte, solche Ermittlungen seien nicht zwingende Folge einer Sektoruntersuchung: „Wettbewerbsverfahren könnten folgen oder auch nicht“, sagte sie. Sollten sich allerdings konkrete Hinweise auf Verstöße ergeben, werde die Kommission mit der Einleitung eines Verfahrens nicht erst den Abschluss der gesamten Sektoruntersuchung abwarten. Mit der Untersuchung sind nach Angaben aus Kommissionskreisen mehr als 30 Mitarbeiter aus verschiedenen Generaldirektionen befasst.

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