https://www.faz.net/-gqe-77b18

Absprachen über Stahl : Kartellamt durchsucht Thyssen-Krupp

  • Aktualisiert am

Der „Abstich“ im Hüttenwerk Krupp Mannesmann, das zur Hälfte Thyssen-Krupp gehört. Bild: dpa

Schon wieder steht Thyssen-Krupp im Verdacht, an illegalen Absprachen beteiligt zu sein. Dieses Mal geht es um Stahllieferungen für Autos. Auch ArcelorMittal und Voestalpine sind betroffen.

          2 Min.

          Der von Milliardenverlusten und Kartellverstößen erschütterte ThyssenKrupp -Konzern steht wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen erneut im Visier der Wettbewerbshüter. Das Bundeskartellamt habe am Donnerstag die Geschäftsräume von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg durchsucht, teilte das Unternehmen mit. Es gehe um den Verdacht von illegalen Absprachen bei Stahl für die Autobranche. Auch ArcelorMittal und Voestalpine waren betroffen.

          „Laut Durchsuchungsbeschluss geht es um den Vorwurf von wettbewerbsbeschränkenden Absprachen zwischen Marktteilnehmern im Bereich bestimmter Stahllieferungen für die Automobilindustrie in Deutschland“, teilte ThyssenKrupp weiter mit. Nähere Details wollte der Konzern wegen der laufenden Ermittlungen nicht nennen. Dem Kartellamt zufolge geht es um den Verdacht illegaler Absprachen für den Vertrieb von Bandstahl. An den Durchsuchungen hätten sich 19 Mitarbeiter der Behörde sowie Polizisten beteiligt. Kartellverstöße würden in keiner Weise geduldet, erklärte ThyssenKrupp.

          „Bei ThyssenKrupp gilt das Prinzip ’Null Toleranz’. Sollten die veranlassten Untersuchungen ergeben, dass sich die Vorwürfe erhärten, werden wir hart durchgreifen“, kündigte Vorstandschef Heinrich Hiesinger an. ThyssenKrupp unterstütze die Behörden bei den Ermittlungen. Hiesinger sagte am Abend vor der wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf, er könne nicht viel zu dem Fall sagen, da das Unternehmen erst kurzfristig informiert worden sei. „Wir wissen nicht, welche Unternehmen noch durchsucht worden sind“.

          Das Kartellamt sei nach eigener Aussage aufgrund einer anonymen Anzeige tätig geworden. Es solle sich um Preisabsprachen über mehrere Jahre handeln. Für den Konzern kommen die Ermittlungen zur Unzeit. Der Konzern hatte das vergangene Geschäftsjahr 2011/12 mit einem Nettoverlust von fünf Milliarden Euro abgeschlossen. Nach Korruptionsvorwürfen und Kartellverstößen hatte Hiesinger eine neue Unternehmenskultur angekündigt. Wegen verbotener Absprachen von Schienenherstellern hatte der Konzern erst im vergangenen Jahr ein Bußgeld von rund 100 Millionen Euro zahlen müssen.

          „Voestalpine unterstützt die Ermittlungen der Behörde“

          Dem Konzern drohen in dem Fall Schadenersatzforderungen der Deutschen Bahn und kommunaler Verkehrsbetriebe von mehren hundert Millionen Euro. Vor einigen Jahren hatte das Unternehmen wegen Kartellabsprachen seiner Aufzugstochter ein Bußgeld in dreistelliger Millionenhöhe zahlen müssen. Branchenprimus ArcelorMittal erklärte am Abend, der Konzern kooperiere mit den Wettbewerbshütern.

          Der weltgrößte Stahlproduzent wollte sich jedoch nicht dazu äußern, ob auch seine Büros durchsucht worden. Voestalpine aus Österreich teilte mit, die Geschäftsräume der deutschen Tochter mit Sitz in München seien ebenfalls wegen des Verdachts wettbewerbsbeschränkender Absprachen im Bereich Stahllieferungen für die deutsche Autoindustrie durchsucht worden. „Voestalpine unterstützt die Ermittlungen der Behörde“, hieß es in einer knappen Erklärung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Auf dass die Kurse steigen mögen: der Bulle als Symbol für den Aufwärtstrend an der Börse.

          Hohes Risiko : Die Lieblingsaktien der Deutschen

          Biontech, Tesla, Curevac – die Privatanleger hierzulande stecken ihr Geld am liebsten in gewagte Investments. Nicht immer ist ihnen das Glück dabei hold.
          Sie sieht das Ansteckungsrisiko auch für Dreifachgeimpfte: Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek

          Virologin Ciesek warnt : „Ansteckungsrisiko so hoch wie nie“

          Die Infektionszahlen sind so hoch wie nie. Die Gefahr einer Ansteckung rückt damit näher, warnt die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Doch die neuen Quarantäneregeln für Geboosterte passen nicht dazu.