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Absatzkrise : Panasonic-Manager sollen eigene Produkte kaufen

Panasonic-Geräte in Tokio Bild: REUTERS

Der japanische Elektronikhersteller Panasonic macht Furore mit einem ungewöhnlichen Schritt gegen die Absatzkrise: Das Unternehmen hat seine 10.000 Manager per Brief aufgefordert, bis Ende Juli für mindestens 100.000 Yen Produkte des eigenen Unternehmens zu kaufen.

          Mit einer selbst für die japanische Unternehmenskultur ungewöhnlichen Aktion versucht der Elektronikhersteller Panasonic Corp, in der Krise seinen Absatz zu verbessern. Panasonic hat seine 10.000 Manager in Japan per Brief aufgefordert, bis Ende Juli für mindestens 100.000 Yen (rund 850 Euro) Produkte des Unternehmens zu kaufen. Höher eingestufte Manager sollten das Doppelte ausgeben, sagte eine Sprecherin. Für 200.000 Yen lässt sich in Tokio etwa ein 42-Zoll-Flachbildschirmfernseher von Panasonic kaufen. Das Unternehmen werde niemanden bestrafen, der dem „Buy Panasonic“-Programm nicht Folge leiste, sagte die Sprecherin. Doch geht man auch eigentlich davon aus, dass eine Kontrolle nicht erforderlich sei.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Für Panasonic ist der Schritt kein Neuland. Schon im Verlustjahr 2002 hatte das Unternehmen seine Mitarbeiter zum Produktkauf aufgefordert. Über den damaligen Erfolg oder Misserfolg schwieg die Sprecherin sich aus. Finanziell macht die jetzige Aktion nicht viel aus. Sollten die 10.000 Manager der Anweisung folgen, würde Panasonics Umsatz um mehr als 1 Milliarde Yen steigen; das wäre ein Bruchteil des für das Geschäftsjahr 2008/09 erwarteten Umsatzes von 7750 Milliarden Yen.

          Ungläubige Überraschung

          In anderen japanischen Elektronikunternehmen, die wie Panasonic in den vergangenen Wochen große Verluste und die Streichung Tausender Stellen angekündigt hatten, wurde die Aktion von Panasonic teils mit ungläubiger Überraschung aufgenommen. Sprecher von Sony, Fujitsu und NEC sagten auf Anfrage, in ihren Unternehmen gebe es solche Pläne nicht und habe es nie gegeben.

          Im Gegensatz zur direkten Kaufaufforderung Panasonics gehen manche dieser Unternehmen freilich feinfühliger vor. Der Präsident von Fujitsu hatte vor kurzem in einer Mitteilung die Mitarbeiter daran erinnert, dass das Unternehmen seinen Angestellten Sonderkonditionen einräume. Und eine Sprecherin von NEC erklärte, es sei für Mitarbeiter doch selbstverständlich, dass man bevorzugt Produkte des eigenen Unternehmens kaufe. NEC hatte 1992 Aufsehen erregt, als es damals – finanziell angeschlagen – Teile der quantitativ wichtigen Boni an die Mitarbeiter in Warengutscheinen auszahlte.

          Indirekte Kaufaufforderung auch bei Toyota

          Bei Toyota wurde vor wenigen Wochen auf einer Versammlung einer privaten Gruppe von etwa 2200 Mitarbeitern des mittleren Managements vorgeschlagen, durch den Kauf je eines neuen Toyota das Unternehmen zu stützen. Eine direkte Kaufaufforderung durch das Unternehmen gebe es aber nicht, sagte ein Sprecher.

          Der Weltmarktführer, der auf den ersten Verlust seit 1950 zusteuert, belohnt seine Mitarbeiter indes in regelmäßigen Kampagnen dafür, wenn sie Verwandte oder Bekannte vom Kauf eines neuen Toyota überzeugen. Entscheidend sei das Beispiel, das die Führung gebe, sagte der Sprecher. Als vor einigen Jahren dem Toyota Corolla der Status des meistverkauften Autos in Japan abhandenzukommen drohte, kaufte der damalige Präsident Fujio Cho kurzerhand selbst eines der Fahrzeuge.

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