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Absatzkrise : Autoindustrie will Staatshilfe für niedrige Leasingraten

  • Aktualisiert am

Hoffnungsträger der Autoindustrie Bild: picture-alliance/ dpa

Aufgrund der Abwrackprämie gibt es erste positive Signale vom inländischen Automarkt. Nun fordert die Autoindustrie weitere staatliche Hilfen. Dieses Mal geht es um Garantien für die Autobanken - damit die Leasingraten niedrig bleiben können.

          Trotz erster positiver Signale vom inländischen Automarkt aufgrund der Abwrackprämie sieht Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), noch eine harte Durststrecke für die Branche, an der jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland hängt. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nannte er die international erschwerte Finanzierung als einen der wichtigsten Gründe für den derzeitigen Einbruch beim Automobilabsatz: „Die bestehenden Hürden am Finanzmarkt und eine verteuerte Kreditversorgung dürfen nicht dazu führen, dass die Finanzierungs- oder Leasingraten beim Autokauf so stark ansteigen, dass der Endverbraucher sie nicht mehr bezahlen kann“, sagte Wissmann.

          Das Finanzmarktstabilisierungsgesetz habe zwar zu einer gewissen Entspannung geführt, aber noch keinesfalls zu einer Normalisierung am Kapitalmarkt und bei der Kreditvergabe der Banken. Daher könnten, ohne eine Absicherung der Tätigkeit der Autobanken, die Finanzierungs- und Leasingraten zu teuer werden - mit wiederum erheblichen negativen Wirkungen auf die Automobilverkäufe, sagte der VDA-Präsident.

          Erschwerung des Autokaufs zu erleichtern

          Garantien aus dem Bankenrettungsfonds der Bundesregierung hatte bereits die Autobank von Volkswagen beantragt. Dies war möglich, weil die VW-Finanzsparte separat vom Konzern bilanziert wird. Die Finanzierungssparten der Konkurrenten BMW und Daimler konnten dagegen nicht unter den Bankenschirm schlüpfen - und kamen bisher noch ohne solche Hilfe für ihre Anleihe-Emissionen aus. In den vergangenen Jahren hatten die Autohersteller mit Hilfe von niedrigen Leasingraten, die auf unrealistisch hoch angesetzten Restwerten basierten, immer mehr neue Autos in den übersättigten Markt gedrückt. Unter anderem deshalb sind die Neuzulassungen in Deutschland im Januar um 14 Prozent auf 189.000 Autos zurückgegangen.

          „Wir müssen alles daransetzen, für den Verbraucher die finanzmarktbedingte Erschwerung des Autokaufs zu erleichtern. Für die Bewältigung der Finanzmarktkrise brauchen wir die Banken. Aber nur mit der industriellen Produktion kommen wir aus dem Tal. Dazu ist die Automobilindustrie die entscheidende Leitindustrie, die Teile des Maschinenbaus und der Chemieindustrie ebenfalls nach oben ziehen kann. Wir brauchen bei den staatlichen Garantien und Bürgschaften eine wettbewerbsneutrale Lösung, die niemanden bevorzugt oder benachteiligt“, betonte Wissmann. Dabei dürfe es nicht darauf ankommen, wie die Automobilfinanzierung im jeweiligen Konzern gesellschaftsrechtlich organisiert sei. Der VDA stehe hierzu mit den Unternehmen in engem Kontakt.

          Wie unterschiedlich Konditionen am Kapitalmarkt zurzeit seien, sehe man daran, dass bei der Emission von Anleihen bedeutendster Autohersteller, an deren Solvenz auch in Zeiten der Krise niemand zweifele, eine Verzinsung von 7 bis 9 Prozent geboten werden müsse. Dagegen könnten Anleihen von Banken - aufgrund des von der Bundesregierung aufgespannten Rettungsschirms - zu einem Zins von weniger als 4 Prozent am Markt platziert werden. Diese Zinsdifferenz sei eigentlich ökonomisch durch nichts gerechtfertigt. Die deutsche Automobilindustrie, die in aller Welt Marktanteile hinzugewinne, sei schließlich nicht durch eigene Schuld, sondern durch die Finanzmarktkrise elementar getroffen.

          Ein Zusammenwirken ist notwendig

          Besorgt äußerte sich der VDA-Präsident über die schwierige Lage der Automobilzulieferer. In den vergangenen zwei Monaten hatten sieben der insgesamt 1000 überwiegend mittelständischen Zulieferer in Deutschland Insolvenz angemeldet. Davon sind 13.000 Beschäftigte der insgesamt 330.000 Mitarbeiter zählenden Branche betroffen, die einen Umsatz von 75 Milliarden Euro erzielt. „Wir haben um viele Unternehmen existentielle Sorgen - und ihre Zahl nimmt zu“, sagte Wissmann. Deshalb habe der VDA das Kredit- und Bürgschaftsprogramm der Bundesregierung ausdrücklich begrüßt. Damit könne vermieden werden, dass Unternehmen, die eigentlich gut aufgestellt seien, aufgrund von Liquiditätsengpässen vom Markt verschwinden. Er unterstrich: „Die Wertschöpfungskette darf keinesfalls unterbrochen werden.“ Das wäre auch für die Automobilhersteller gefährlich; die Zulieferer erbringen 75 Prozent der Wertschöpfung beim Automobil.

          Notwendig sei daher ein Zusammenwirken von Herstellern, Zulieferern, Banken und - über das Konjunkturpaket I und II - der Politik. Insbesondere das Kreditgewerbe - Geschäftsbanken wie öffentliche Banken - müsse seiner Verantwortung für die Unternehmensfinanzierung nachkommen. Ohne kostenstabile Kreditversorgung gerate auch der gesündeste Zulieferer in Turbulenzen. Wissmann wies darauf hin, dass auch die Hersteller selbst ihren Beitrag leisten: „Dort, wo es zur Aufrechterhaltung der Wertschöpfungskette zwingend erforderlich ist, greifen die Hersteller einzelnen Zulieferern finanziell unter die Arme“, sagte er. Dies erfolge in Form von Einzellösungen. „Allerdings ist diese Aufgabe nicht allein von der Industrie zu schaffen - wir brauchen die Banken und deren Unterstützung auf der Finanzierungsseite“, sagte Wissmann. Er sprach sich zudem klar gegen jeden internationalen Subventionswettlauf für nationale Automobilindustrien und gegen Wettbewerbsverzerrungen aus.

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