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Flugzeugunglück in Indonesien : Abgestürzte Boeing war erst drei Monate alt

Wrackteile der abgestürzten Lion-Air-Maschine im Hafen von Jakarta. Bild: Reuters

Ein Flugzeug des Billigfliegers Lion Air ist abgestürzt. Für den Hersteller Boeing ist dies der erste Absturz seines neuen Erfolgsmodells.

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          Beim Absturz des Fluges JT 610 der Billigfluggesellschaft Lion Air von Jakarta zur nur gut eine Flugstunde entfernten Stadt Pangkal Pinang sind an diesem Montag vermutlich alle 181 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Damit wäre es das schwerste Unglück seit mehr als 20 Jahren. Obwohl die Ursache ungeklärt ist, ist das Unglück auch eine schlechte Nachricht für den Flugzeughersteller Boeing: Denn es ist das  erste Mal überhaupt, dass ein Jet der neuen Baureihe 737-Max-8 abgestürzt ist.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Rettungskräfte erreichten die Unglücksstelle schnell, an der das Flugzeug 13 Minuten nach dem Abheben ins Meer gestürzt war. Sie fanden jedoch nur erste Leichenteile sowie auf dem Wasser treibende Flugzeugtrümmer und Gepäckstücke. Die Flugschreiber, deren Auswertung Erkenntnisse zur Absturzursache liefern können, wurden noch nicht gefunden. Das Meer ist an der Absturzstelle etwa 30 Meter tief.

          Nur 800 Flugstunden

          Dennoch sprießen wie oft nach Flugzeugunglücken die Spekulationen über die Ursache. Es wird verwiesen auf den harten Wettkampf der Billigfluganbieter in Südostasien, der härter als der europäische ist. Ticketpreise sind dort im Durchschnitt niedriger als in Europa. Gleichzeitig werden immer wieder Bedenken zur Sicherheit der Luftfahrt in der Region insgesamt laut.

          In der Vergangenheit standen alle Gesellschaften Indonesiens auf einer europäischen schwarzen Liste, ihnen waren Flüge zu EU-Flughäfen aus Sicherheitsgründen untersagt. Lion Air wurde aber schon 2016 von der Liste genommen, in diesem Jahr wurde das Einflugverbot für indonesische Anbieter komplett aufgehoben.

          Das Unglücksflugzeug war erst am 30. Juli dieses Jahres erstmals aufgestiegen. Am 13. August wurde die Maschine an den Erstnutzer Lion Air übergeben. Seitdem war das Flugzeug gerade mal auf 800 Flugstunden gekommen, den Flugzeugtyp hatte Boeing erst im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht. Lion Air war damals Erstabnehmer.

          Nicht plötzlich vom Himmel gefallen

          Es handelt sich um die modifizierte Version der Boeing 737, dem meistgebauten strahlgetriebenen Flugzeug der Welt. Auf Kurz- und Mittelstreckenflüge gilt es als das Standardflugzeug, der europäische Pendant ist der A320 von Airbus. Die 737-Max-8, die weniger Kerosin verbraucht und weitere Strecken als die Vorgängerversion schafft, soll den Boeing-Kassenschlager 737-800 NG ablösen.

          Mehr als 200 Flugzeuge sind schon ausgeliefert, weit mehr als 4000 von Fluggesellschaften aus aller Welt bestellt. In Deutschland wollen die Gesellschaften TUI fly und Sun Express 2019 die 737 Max in ihre Flotten nehmen. Der Typ ist das direkte Konkurrenzmodell zum A320neo, bei dem Hersteller Airbus wegen Schwierigkeiten der Triebwerkszulieferer in Verzug geraten ist.

          Lion-Air-Chef Edward Sirait hat indes bestätigt, dass das Unglücksflugzeug mit der Kennung PK-LQP schon am Vortag technische Schwierigkeiten hatte. Die sollten allerdings über Nacht behoben worden sein. Nähere Angaben zur Art der Schwierigkeiten machte die Gesellschaft nicht. Das Flugzeug war am Vorabend mit mehr als zweieinhalb Stunden Verspätung in Jakarta gelandet.

          Erste Daten deuten darauf hin, dass das Unglücksflugzeug nicht plötzlich vom Himmel gestürzt ist. Der Pilot soll unmittelbar nach dem Start über Funk Probleme gemeldet haben und die Genehmigung zur Rückkehr zum Flughafen von Jakarta bekommen haben. Nach Daten der Internetseite Flightradar24 stieg das Flugzeug auch kaum höher als 1600 Meter auf und blieb schließlich rund sechs Minuten in etwa dieser Höhe, bevor es sank und 13 Minuten nach dem Start vom Radar verschwand. Sollten Instrumente an Bord falsche Werte gemessen haben, wären allerdings die Flightradar-Angaben ebenso nicht belastbar. Lion-Air-Chef Sirait bekräftigte, dass der Pilot alle Vorschriften eingehalten habe.

          Das Unternehmen zählt zu den stark wachsenden Billigfliegern in Fernost und betreibt aktuell 112 Flugzeuge. Die Zahl der bestellten, aber noch nicht erhaltenen Jets ist größer. Zur Geschichte des 1999 gegründeten Unternehmens gehören einige kleinere Zwischenfälle und missglückte Landungen. Zuletzt verpasste 2013 ein Flugzeug auf Bali die Landebahn und kam im flachen Wasser zum Stehen. Tote gab es dabei nicht. Der Absturz vom Montag ist der erste für Lion Air.

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