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Abgasskandal : VW gegen Winterkorn

Der damalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Martin Winterkorn Bild: dpa

Gemessen an dem Schaden des Abgasskandals ist das damalige Management des VW-Konzerns bislang gut davongekommen. Es war höchste Zeit, dass auch zivilrechtliche Ansprüche durch das Unternehmen angemeldet werden.

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          Als der Schmiergeldskandal über Siemens hereinbrach, zog der Industriekonzern seinen langjährigen Vorstandschef und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer rasch zur Verantwortung. Nur zweieinhalb Jahre nach dessen Rücktritt als Chefaufseher einigte man sich auf einen Vergleich über 5 Millionen Euro. Im VW-Abgasskandal mahlen die Mühlen langsamer. An einer schnellen Abrechnung mit den Ex-Managern Martin Winterkorn und Rupert Stadler schien es in Wolfsburg kein Interesse zu geben. Erst jetzt, mehr als fünf Jahre nach Ausbruch der Krise, will der Aufsichtsrat den früheren Konzern-Vorstandsvorsitzenden und den früheren Audi-Chef doch in Regress nehmen. Zu groß ist der Schaden, außerdem liefen die Kontrolleure Gefahr, selbst zu haften, wenn sie kein Geld von den einstigen Führungskräften fordern.

          Die Formulierung „fahrlässige Pflichtverletzung“ ist mit Bedacht gewählt. Anders als im Fall vorsätzlicher Vergehen dürfen die Betroffenen wohl auf Schutz durch ihre Manager-Haftpflichtversicherungen hoffen, die in Vorständen großer Konzerne zur Regel gehören. Der Preis, den Winterkorn, Stadler und die anderen nun mit Haftungsansprüchen konfrontierten Ex-Manager aus ihrem Vermögen zahlen müssen, dürfte nur einen kleinen Teil der Summe ausmachen, die am Ende fließen soll. VW hebt zudem die „beeindruckende Lebensleistung“ Winterkorns und Stadlers hervor, die „ungeachtet der Schuldfrage“ bestehen bleibe. Das gibt einen weiteren Hinweis, dass VW mit den beiden nicht zu hart ins Gericht gehen will.

          Es stimmt, dass sowohl Stadler als auch Winterkorn mit den Betrugsprozessen, die gegen sie laufen oder demnächst beginnen, hart gestraft sind. Über Jahre müssen sie viel Zeit in Gerichtssälen verbringen. Ihr Ansehen haben sie verloren. Gemessen an dem Schaden, den die Manipulationen der Abgastechnik rund um die Welt für betroffene Autofahrer, VW-Beschäftigte und den Konzern als Ganzes verursacht haben, ist das damalige Management aber bislang gut davongekommen. Es war höchste Zeit, dass auch zivilrechtliche Ansprüche durch das Unternehmen angemeldet werden. Am Ende darf nicht nur eine symbolische Summe stehen, sondern ein Regress, der weh tut und für nachfolgende Managergenerationen eine Abschreckung ist.

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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