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Abgasskandal : Das sind Audis Absteiger

  • -Aktualisiert am

Noch ist er Audi-Chef: Rupert Stadler Bild: AFP

24.000 Limousinen müssen umgerüstet werden: Der Dieselskandal schüttelt auch den Autobauer Audi durch. Mutterkonzern Volkswagen plant schon den Neustart – mit neuen Köpfen an der Spitze.

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          Ein frischer Arbeitsvertrag schützt nicht vor Kündigung, schon gar nicht im Falle von Spitzenmanagern, selbst wenn die Laufzeit fünf Jahren beträgt. Im Zweifel verbessert das nur die Position in den Verhandlungen um die Ablösung. Diesem Stadium nähert sich offenbar Audi-Chef Rupert Stadler, nachdem sein CSU-Parteifreund, Verkehrsminister Alexander Dobrindt, am Donnerstagabend Audi öffentlich als angeblichen Dieselbetrüger an den Pranger gestellt hat. Seither sind sie schwer böse miteinander, zwischen Berlin und Ingolstadt fliegen die Giftpfeile.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In seiner Not bekundet Stadler, dass Dobrindts Leute überhaupt nichts aufgedeckt hätten, vielmehr hätte Audi von sich aus Auffälligkeiten gemeldet. Wo genau nun die Grenze verläuft zwischen gerade noch rechtlich zulässiger Manipulation der Abgaswerte und vorsätzlichem Betrug, darüber klauben sie die Paragraphen. Der Verkehrsminister spricht von „illegaler Software“. Die Öffentlichkeit fühlt sich getäuscht, die Kunden sowieso. Und das nicht zum ersten Mal im Fall von Audi.

          Tatsache ist: 24.000 Limousinen der Baureihen Audi A7 und A8 müssen umgerüstet werden. Somit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Tage von Rupert Stadler, seit Monaten schon im Feuer, an der Spitze von Audi gezählt sind: Noch im Herbst, in jedem Fall vor dem Jahresende, so ist aus dem Mutterkonzern Volkswagen zu vernehmen, wird ein Personalpaket für den Neuanfang in Ingolstadt geschnürt - ohne Stadler, darüber sei man einig, es fehle nur noch der passende Ersatz.

          „Stadler ist fällig“

          „Der Mann ist nicht mehr zu halten“, heißt es in Kreisen des Aufsichtsrates. Der Konzern wollte sich am Samstag auf Anfrage dazu nicht äußern. Als die ersten Opfer der Erneuerung im Audi-Vorstand werden genannt: Hubert Waltl, seit 40 Jahren im Betrieb, seit 2014 verantwortlich für die Produktion, und Axel Strotbek, der Finanzer, der ebenfalls seine gesamte Karriere im VW-Konzern verbracht hat und in Ingolstadt auch für IT und Integrität zuständig ist, ein heikler Posten in diesen Zeiten.

          Beide Vorstände würden „in nächster Zeit“ ausgewechselt, so ist nun zu hören, Stadler dann mit Verzögerung. Dem bisherigen Herrn der vier Ringe droht erst mal nur der Abschied aus dem Audi-Chefbüro, aber nicht aus dem Gesamtkonzern. Im VW-Imperium herrscht schließlich ein bizarres Machtgeflecht aus Gewerkschaftern, SPD-Landesregierung und einer unberechenbaren Milliardärsfamilie, das eine seltsame Praxis entwickelt hat, Manager zu entsorgen, gerne bei vollen Bezügen. Hauptsache, sie halten danach still. So wird in Ingolstadt geraunt, die Porsche/Piëchs könnten Stadler aus Dankbarkeit für seine langjährigen Dienste auf einen unauffälligeren Posten versetzen, irgendwohin ab vom Schuss.

          Nach dem Manipulationsskandal befindet sich VW in der tiefsten Krise des Unternehmens. Öffnen

          Alle Welt hatte sich schon gewundert, als der Audi-Chef neulich mit einem neuen Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattet wurde, schließlich ist der Dieselskandal nicht erst gestern aufgeflogen. Und auch sonst läuft nicht alles rund in Ingolstadt. „Stadler ist fällig“, diese These hat im Konzern immer mehr Anhänger gefunden. Gründe dafür gibt es mehrere: Die Zahlen verschlechtern sich, Daimler und BMW lassen Audi alt aussehen. Die Betriebsräte wiederum werfen Stadler vor, wortbrüchig geworden zu sein bei Standortzusagen. Und dann ist da noch der Dieselskandal, in dem Stadler eine nachhaltig unglückliche Figur macht. Trotzdem konnte er durchsetzen, dass sein neuer Vertrag nicht auf zwei Jahre befristet wird (wie von seinen Kritikern verlangt), sondern auf fünf. Das hilft ihm jetzt nur noch bedingt.

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