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Abgasskandal bei Volkswagen : Neue Unruhe in Wolfsburg

Im Volkswagen-Reich in Wolfsburg werden die Weichen gerade neue gestellt. Bild: AP

Der VW-Konzern dementiert einen Bericht, wonach „mindestens 30 Manager“ in den Skandal verwickelt seien. Eine gute Nachricht kommt derweil aus der Entwicklungs-Abteilung.

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          Im Skandal um manipulierte Dieselmotoren hat eine neue Zahl an diesem Mittwoch für helle Aufregung im Volkswagen-Konzern gesorgt: Mindestens 30 Manager seien an dem Betrug beteiligt gewesen, berichtete „Spiegel-Online“. Der Kreis der Mitwisser und Mittäter sei damit deutlich größer, als bislang gedacht. Dies hätten Ermittlungen der internen Revision und der Anwaltskanzlei Jones Day ergeben.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die betroffenen Führungskräfte würden beurlaubt werden, außerdem könne sich der Kreis der Beteiligten noch vergrößern, hieß es weiter. Volkswagen reagierte empört und dementierte den Bericht scharf: „Die genannten Zahlen entbehren jeglicher Grundlage“, sagte ein Konzernsprecher. Die genannten Zahlen widersprechen vor allem dem, was der Vorstandvorsitzende Matthias Müller im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor gerade erst einer Woche gesagt hatte: „Nach jetziger Kenntnis haben wenige Entwickler in die Motorsteuerung eingegriffen.“

          Das ist, nach allem was bisher aus Wolfsburg verlautete, Stand der Dinge: Der Abgasbetrug mit einer verbotenen Software war das Werk einer kleinen Gruppe von Managern. Vorstandschef Müller wird am Donnerstag die oberste Führungsriege auf einer zweitägigen Klausurtagung in Leipzig über den aktuellen Stand informieren.

          Interne Ermittlungen

          Seit zwei Wochen laufen die Ermittlungen im VW-Konzern auf Hochtouren: Die Staatsanwaltschaft ist mit 50 Beamten des Landeskriminalamts vorstellig geworden, die interne Revision befragt zahlreiche Mitarbeiter und die vom Konzern beauftragten Anwälte von Jones Day stellen ebenso Nachforschungen an. Sie interviewen nicht nur Entscheider, die bei der Entwicklung des manipulierten Motors mit der Kennung EA 189 beteiligt waren, sondern auch Mitarbeiter auf unteren Ebenen. Es müssen jede Menge Unterlagen und E-Mails ausgewertet werden. „Die arbeiten sehr gründlich“, heißt es im Konzern.

          Die Auswertungen der Revision und der Anwaltskanzlei lassen offenbar bislang keinen Verdacht auf systemischen Betrug zu, so dass auch nicht von einer großen Gruppe von Betrügern die Rede sein kann. Nicht auszuschließen ist indes, dass die Ermittlungen in den kommenden Monaten noch den ein oder anderen Mitschuldigen zutage fördern.

          Beim Umbau der Führungsmannschaft muss Müller derweil einen Rückschlag hinnehmen. Skoda-Vorstand Winfried Vahland lehnt den Chefposten für die Region Nordamerika ab und verlässt das Unternehmen. Grund seien unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Strategie in den Vereinigten Staaten, heißt es in Unternehmenskreisen.

          Gute Kunde kommt hingegen aus der VW-Entwicklung: Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bekommen die Techniker die Abgasproblematik der in Europa verkauften Fahrzeuge in den Griff. So erreiche mindestens der 2,0-Liter-Dieselmotor nach Entfernen der Manipulationssoftware die Abgasnorm Euro 5 – die zum Zeitpunkt des Verkaufs der Fahrzeuge Vorschrift war. In vielen Fällen seien also allein Software-Updates nötig.

          Warum die Software überhaupt eingesetzt wurde, ist intern offenbar noch immer ein Rätsel. Derzeit gilt die Theorie, dass man sie hierzulande verwendet habe, weil sie wegen des Einsatzes in Nordamerika da war. Die niedrigeren Verbrauchs- und CO2-Werte machten sich auch in Europa gut als Verkaufsargument. Möglicherweise könnte das Kraftfahrt-Bundesamt noch in dieser Woche grünes Licht für die Umrüstungen der betroffenen Autos geben.

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