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Abfindungen : Commerzbank-Chefs streiten um Millionen

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Wie viele Vorstände braucht die Commerzbank? Bild: dpa

Im Zuge des Stellenabbaus möchte die Commerzbank auch den Vorstand verkleinern und sich von zwei Mitgliedern trennen. Doch der Streit könnte sich auch nach der Aufsichtsratssitzung an diesem Montag noch wochenlang hinziehen.

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          Wer einen Vorstand loswerden will, braucht dafür einen „wichtigen Grund“. So will es das Aktiengesetz; „grobe Pflichtverletzung“, „Unfähigkeit“, „Vertrauensentzug“, solche Dinge. Ein Überschuss an Führungskräften reicht erst mal nicht zur Begründung, um einen Topmanager nach Hause zu schicken. Darauf jedoch beruft sich die Commerzbank: Wenn mehrere tausend Leute in den niederen Rängen ihre Stelle verlieren, dann muss auch der Vorstand mit zwei Köpfen weniger auskommen. Das war die Ansage von Vorstandschef Martin Blessing und seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller: Irgendwie logisch, aber auch juristisch wasserdicht?

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die zwei Kandidaten, die sich die Konzernspitze ausgeguckt hat, sagen „nein“ und weigern sich standhaft, zu gehen. Persönliche Verfehlungen sind ihnen nicht vorzuwerfen, also hat sich ein Streit entsponnen, der juristisches Neuland erschließt - und an diesem Montag in einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates eskaliert: Dort will Müller die Vorstände Jochen Klösges und Ulrich Sieber abberufen lassen, wozu er sich zwei Gutachten besorgt hat (von den Kanzleien Hengeler Mueller sowie Linklaters). Da aber nicht unbedingt jeder in dem Gremium (vor allem auf der Arbeitnehmerseite) der Argumentation folgt, ist nicht ausgemacht, ob Müller eine Mehrheit für den Rauswurf der beiden erhält. Seine eigene Stimme zählt erst in einem eventuellen dritten Wahlgang doppelt. So weit will es die Bank lieber nicht kommen lassen, der Rufschaden ist auch so groß genug.

          Der Steuerzahler zahlt mit

          Normalerweise lösen sich solche Konflikte im Topmanagement monetär: Man handelt eine Abfindung aus, und Ruhe ist, abgesehen von den üblichen Trennungslügen. Dieses Mittel kann Müller nur bedingt einsetzen: Sein Großaktionär, die Politik, hat keine Lust, sich vor den Steuerzahlern dafür zu rechtfertigen, dass Bankvorstände mit Millionen für das Nichtstun abgefunden werden.

          Intern hat die Commerzbank geregelt, dass einem abberufenen Vorstand maximal zwei Jahresgehälter als Abfindung zustehen. Im vergangenen Jahr haben sie jeweils gut 1,2 Millionen Euro verdient. Der Bankenrettungsfonds Soffin will jedoch nur einer Abfindung von bis zu einer Million Euro zustimmen, wie die „Welt“ und das „Handelsblatt“ berichten. Wegen der verbliebenen Staatsbeteiligung von 17 Prozent hat der Soffin bei Vorstandsverträgen ein Vetorecht.

          Die Verträge der beiden überzähligen Kandidaten laufen bis zum Jahr 2017: Pochen sie auf Erfüllung, und ein Gericht gibt ihnen recht, kann es für die Commerzbank noch teurer werden. Nur, dass sie weiter an ihrem Schreibtisch sitzen, als wäre nichts geschehen, das vermag sich niemand vorzustellen.

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