https://www.faz.net/-gqe-abf5o

Budweiser, Beck’s und Co. : Neuer Chef für den größten Bierkonzern der Welt

Michel Doukeris übernimmt. Bild: AB Inbev

Nach 17 Dienstjahren bei AB InBev übergibt Carlos Brito das Zepter an den bisherigen Nordamerika-Vorstand Michel Doukeris. Der Aktienkurs steigt.

          2 Min.

          Jetzt ist die Nachfolgefrage im weltgrößten Bierkonzern geklärt: Mit Michel Doukeris wird künftig abermals ein Brasilianer die Geschicke von AB InBev leiten, dem Braukonzern, zu dem Biermarken wie Budweiser, Beck’s, Stella Artois und Corona gehören. Der 48 Jahre alte Manager werde sein neues Amt am 1. Juli antreten, gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Der Verwaltungsrat habe sich nach einem „rigorosen Auswahlverfahren“ einstimmig auf Doukeris geeinigt, heißt es in der Mitteilung. Im Vorfeld hatten laut der Nachrichtenagentur Bloomberg Headhunter von Spencer Stuart im Auftrag des Unternehmens auch nach externen Kandidaten Ausschau gehalten, aber letztlich hat sich der Verwaltungsrat doch für einen Nachfolge aus den eigenen Reihen entschieden.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bislang leitet Michel Doukeris das wichtige Nordamerika-Geschäft. Der Manager mit griechischen Wurzeln arbeitet seit 25 Jahren für das Unternehmen. Seine Sporen hat sich der studierte Chemieingenieur und Marketingfachmann auch im wachsenden China-Geschäft verdient. Auf seinem Weg an die Spitze hatte der Vater von zwei Kindern außerdem leitende Positionen in Südkorea und Brasilien inne.

          Carlos Brito tritt ab.
          Carlos Brito tritt ab. : Bild: action press

          Doukeris folgt auf Carlos Brito, der seinen Posten in New York nach 17 Jahren abgibt und das Unternehmen verlässt. Er wird auch nicht – wie zuvor spekuliert wurde – in den Verwaltungsrat des Unternehmens wechseln. Für AB InBev geht mit dem Abtritt von Carlos Brito eine Ära zu Ende: Der Brasilianer hat mehr als 30 Jahre für AB InBev gearbeitet, wobei es das Unternehmen in der heutigen Form damals noch nicht gab. Brito begann 1989 seine Karriere beim brasilianischen Brauunternehmen Brahma – einem der wichtigsten Keimzellen des späteren Biergiganten. Brito gilt als maßgeblicher Architekt des heutigen Konzerns. Durch etliche Großübernahmen hat er die größte Brauereigruppe der Welt geschaffen: Erst fusionierte er die brasilianische Keimzelle AmBev mit dem belgischen Brauunternehmen Interbrew, 2008 griff er in einer feindlichen Übernahme zur amerikanischen Bier-Ikone Anheuser-Busch für 52 Milliarden Dollar. Kurz darauf folgte die Übernahme des mexikanischen Corona-Brauers Grupo Modelo.

          Wendepunkt SAB-Miller-Übernahme

          Er trimmte die übernommenen Unternehmen mit Kostendisziplin auf Effizienz, etliche kleine Braustätten wurden geschlossen, das Bier wurde dafür in riesigen Mengen in Großanlagen gebraut. Unterstützt wurde er bei seiner kühnen und aggressiven Einkaufstour von seinem Ziehvater, dem Investor, Großaktionär und Multimilliardär Jorge Paulo Lemann. Die Krönung und gleichzeitig auch ein Wendepunkt von Britos Karriere war die Übernahme des größten Rivalen SABMiller – damals die globale Nummer zwei – im Jahr 2016 für rund 100 Milliarden Dollar: Seither wird jedes vierte Bier auf der Welt in einer Brauerei von AB InBev gebraut. Sieben der zehn wertvollsten Biermarken gehören laut eigenen Angaben dem Konzern.

          ANHEUSER-BUSCH INBEV

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Doch seit dem SABMiller-Coup sitzt das Unternehmen mit seinen 164.000 Mitarbeitern auch auf einem riesigen Schuldenberg. Kritiker bemängeln, AB InBev könne sich an dem riesigen Happen verschluckt haben. Seit dem Rekordhoch von mehr als 120 Euro im Herbst 2015 hat sich der Aktienkurs von AB InBev nahezu wieder halbiert. Um Schulden abzubauen, hat das Management schon vor der Pandemie die Dividenden gekürzt, zudem werden immer wieder Unternehmensteile verkauft.

          Für weitere Zukäufe fehlt das Geld. In der Mitteilung zum Führungswechsel kann man das auch zwischen den Zeilen lesen. Verwaltungsratschef Martin Barrington lässt sich darin mit den Worten zitieren, Doukeris sei der richtige Mann, um das Unternehmen jetzt in eine neue Phase „organischen Wachstums“ zu führen. Wer künftig das Nordamerika-Geschäft von AB InBev leitet, ist noch unklar. Laut Unternehmen soll darüber aber noch vor dem 1. Juli entschieden werden. An der Börse wurde die Nachricht am Donnerstag freudig aufgenommen, auch weil das Unternehmen trotz Corona-Pandemie überraschend stark ins Jahr gestartet ist. Der Aktienkurs von AB InBev stieg um rund 5 Prozent.

          Topmeldungen

          Wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki

          Erzbistum Köln : Gibt es noch eine Zukunft mit Woelki?

          In Köln ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erzbistum und Erzbischof zerrüttet. Ein externer Moderator muss einspringen. Nicht wenige hoffen, dass ein Spruch aus Rom die Angelegenheit schon vorher erledigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.