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A 320 : Das Arbeitstier des Luftverkehrs

Ein Airbus A320 (Archivbild) Bild: AFP

Das A320-Modell ist das meistverkaufte Flugzeug des Airbus-Konzerns. Bislang gilt es als sicher. Der Absturz in Südfrankreich erschüttert die ganze Branche. Für den Lufthansa-Konzern ist es der erste Absturz einer Linienmaschine seit Jahren.

          Der Absturz eines Airbus A 320 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf erschüttert den Lufthansa-Konzern. Erstmals seit 22 Jahren hat sich mit einem Linienflugzeug des Konzerns ein schwerer Zwischenfall mit Toten ereignet. Das A 320-Flugzeug war für die Lufthansa-Tochtergesellschaft Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. „Wenn unsere Befürchtungen sich bewahrheiten, ist heute ein schwarzer Tag für die Lufthansa“, teilte Konzernvorstandschef Carsten Spohr mit.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          An Bord des Flugzeugs befanden sich nach Germanwings-Angaben zufolge 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. Frankreichs Staatschef François Hollande sagte am Dienstag in Paris: „Es gibt wohl keinen Überlebenden.“ Zu den Unglücksursachen liegen bislang keine Informationen vor. Das Flugzeug war von Barcelona zunächst über das Mittelmeer geflogen, bevor es zwischen Marseille und Toulon die französische Küste erreichte. Gegen 10.47 Uhr habe das Flugzeug ein Notsignal gesendet, kurz darauf stürzte es im Departement Alpes-de-Haute-Provence ab. Im  Internet kursierten unter Berufung auf den Dienst Flightradar Angaben, dass das Flugzeug zuvor kontinuierlich an Höhe verloren hatte - etwa 900 bis 1200 Meter, was vergleichbar mit einem Landeanflug ist.

          Das Flugzeug mit der Kennung D-AIPX war eines von 64 Airbus-Flugzeugen die Germanwings einsetzte. Ihren Erstflug hatte die Maschine im Herbst 1990, bevor sie im Februar 1991 an den Lufthansa-Konzern übergeben wurde. Damit zählte das Flugzeug mit zu den frühen Auslieferungen der Baureihe. Airbus hat seit der Einführung der Baureihe im Jahr 1987 insgesamt 3889 Flugzeuge dieses Typ ausgeliefert. Weitere rund 3700 Exemplare sind bestellt. Seit dem Erstflug kam es dem Aviation Safety Network zufolge zu bisher 27 Unfällen mit Maschinen dieses Typs, der damit als verhältnismäßig sicher gelten kann.

          Zusammen mit den kürzeren Versionen A 318 und A 319 sowie der größeren Version A 321 wurden insgesamt sogar 6452 Flugzeuge der sogenannten A320-Familie an Fluggesellschaften übergeben. Die A320-Reihe ist damit die mit Abstand erfolgsreichste Serie des Konzerns. Zusammen mit dem Boeing-Modell B737 sind die A320-Flugzeuge international die wichtigsten Flugzeuge für Kurz- und Mittelstreckenflüge zwischen größeren Flughäfen. Mit dem Airbus-Modell hielt die sogenannte Fly-by-Wire-Technik serienmäßig Einzug in die Luftfahrt. Sie ermöglicht eine überwiegend elektronische Steuerung eines Flugzeugs mit wenig mechanischen Verbindungen. Der Piloten steuert mit einem kleinen Steuerhebel, einem Joystick ähnlich.

          Die Deutsche Lufthansa gehört bislang zu den sichersten Fluggesellschaften der Welt. In der Liste des Hamburger Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre, dass Informationen zu Flugzeugunglücken auswertet, steht der Konzern auf Rang 12. Der für die Platzierung  ausschlaggebend Wert errechnet sich aus der Zahl der Abstürze und schweren Zwischenfälle von Flügen mit Passagieren an Bord innerhalb der vergangenen 30 Jahre, die der Zahl der im selben Zeitraum beförderten Passagiere gegenüber gestellt wird. Der letzte schwere Zwischenfall mit Todesopfern und dem Verlust eines Flugzeugs liegt bei Lufthansa lange zurück. Am 14. September 1993 rutschte ein Airbus A 320 bei schlechtem Wetter nach dem Aufsetzen in Warschau über die Landebahn hinaus, prallte auf einen Wall und fing Feuer. Zwei Menschen starben damals, darunter einer der Piloten.

          Bei Germanwings hat Lufthansa seine Kurz- und Mittelstreckenflüge jenseits der Drehkreuze Frankfurt und München gebündelt. Seit 2012 wurden Verbindungen sukzessive von der Muttermarke auf Germanwings übertragen. Ursprünglich war die Gesellschaft Teil der 1997 gegründeten Eurowings Flug GmbH, an der der Lufthansa-Konzern zunächst nur zu einem Viertel beteiligt war. Seit 2009 gehört Germanwings komplett dem größten deutschen Flugkonzern.

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