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70 Millionen Mal verkauft : „Fifty Shades“-Trilogie beflügelt Bertelsmann

Rekord: Die Erotikbuchreihe Fifty Shades Bild: dapd

Licht und Schatten im Gütersloher Medienkonzern: Dem Sensationserfolg der Erotikroman-Reihe „Fifty Shades“ stehen Verluste im Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr und im Druckgeschäft gegenüber.

          3 Min.

          „Geheimes Verlangen“, „Gefährliche Liebe“, „Befreite Lust“ - so lauten die deutschen Titel der Trilogie „Fifty Shades“, die im vergangenen Jahr alle Verkaufsrekorde gebrochen hat. Die Erotikromane der britischen Autorin Erika Leonard (alias E.L. James) sind rund um den Globus mehr als 70 Millionen Mal verkauft worden. Allein in Deutschland wurden 5,9 Millionen Exemplare abgesetzt.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Dieser sensationelle Erfolg wird sich eindrucksvoll in den Ergebnissen des Buchverlags Random House niederschlagen, der „Fifty Shades“ vertreibt. Die amerikanische Tochtergesellschaft des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann hat das Jahr 2012 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Nach Informationen dieser Zeitung erzielte Random House ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Operating Ebit) von mehr als 300 Millionen Euro - nach 185 Millionen Euro im Jahr zuvor. Ein Bertelsmann-Sprecher wollte dies nicht kommentieren und verwies auf die Bilanzpressekonferenz am 26. März.

          Andere Felder laufen schlechter

          Ende Januar hatte Bertelsmann nur bekanntgegeben, dass der Gesamtkonzern einen Umsatz von rund 16 Milliarden Euro und ein Betriebsergebnis auf dem Vorjahresniveau von 1,7 Milliarden Euro erreicht habe. Die Segmentergebnisse veröffentlichte Bertelsmann damals ebenso wenig wie das Nettoergebnis. Da das operative Konzernergebnis trotz des Rekordgewinns von Random House stagnierte, muss Bertelsmann auf anderen Feldern schlechter abgeschnitten haben. Tatsächlich ist das Betriebsergebnis der Senderkette RTL um 5 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro gefallen.

          Bertelsmann ließ aber nicht nur im Fernsehgeschäft Federn. Auch im Zeitschriftengeschäft verschlechterte sich die Ertragslage deutlich. Wie zu hören ist, soll Gruner + Jahr (G+J) nur noch einen Betriebsgewinn von rund 160 Millionen Euro eingefahren haben. Im Jahr zuvor hatte der Zeitschriftenverlag, an dem Bertelsmann mit 74,9 Prozent beteiligt ist, operativ noch 233 Millionen Euro verdient. G+J litt unter der allgemeinen Anzeigenflaute in Deutschland, die im vergangenen Jahr insbesondere die Flaggschiffe „Stern“ und „Brigitte“ getroffen hat.

          Steigende Gewinne in China

          Im Ausland standen den schlechten Ergebnissen in Spanien steigende Gewinnen in China gegenüber. Weitaus dramatischer als auf der operativen Ebene stellt sich die Lage auf der Ebene des Nettoergebnisses dar: Nach Informationen dieser Zeitung wird G+J unter dem Strich wohl einen Verlust in niedriger zweistelliger Millionenhöhe ausweisen. Seit der Verlag seine Zahlen veröffentlicht, hat es das erst einmal gegeben: 2009. In jenem Krisenjahr meldeten die Hamburger einen Fehlbetrag von 18 Millionen Euro.

          Das Minus für 2012 resultiert aus hohen einmaligen Sonderbelastungen. Der weitgehende Rückzug aus den Wirtschaftsmedien und die Schließung der „Financial Times Deutschland“ dürften mit rund 50 Millionen Euro zu Buche schlagen. Dabei spielen Sozialplankosten im Zusammenhang mit dem Abbau mehrerer hundert Stellen die größte Rolle. Ins Kontor schlugen aber auch Wertberichtigungen im spanischen Zeitschriftengeschäft und bei der amerikanischen Tochtergesellschaft Brown Printing. G+J hat vergeblich versucht, das Druckhaus zu verkaufen. Jetzt wurden Abschreibungen in zweistelliger Millionenhöhe fällig, verlautet aus gut informierten Kreisen.

          Sinkender Jahresüberschuss

          Das Druckgeschäft bereitet Bertelsmann auch in Europa große Probleme: Die Druckerei Prinovis, ein Gemeinschaftsunternehmen von Bertelsmann und Springer, schließt ihr Werk in Itzehoe. Die Restrukturierungskosten hierfür summieren sich auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Prinovis rechnet 2012 unter dem Strich mit einem saftigen Verlust. Da auch der Nettogewinn von RTL, der mit Abstand wichtigsten Säule im Bertelsmann-Reich, um 100 Millionen Euro gefallen ist, bleibt abzuwarten, ob der Medienkonzern nach Steuern genauso viel verdient hat wie 2011, als 612 Millionen Euro ausgewiesen wurden. Nach dem ursprünglichen Plan von Vorstandschef Thomas Rabe sollte Bertelsmann einen höheren Jahresüberschuss erwirtschaften.

          Auf Rabes Geheiß arbeitet seine Nachfolgerin im Finanzressort, Judith Hartmann, an einem neuen Sparprogramm. Es heißt „Operational Excellence“ und zielt ab auf eine konzernübergreifende Vereinheitlichung im Finanz-, Rechnungs- und Personalwesen sowie in der Informationstechnologie. Dadurch sollen die Kosten, so die interne Ansage, um einen „signifikanten Millionenbetrag“ gesenkt werden. In Kreisen der Tochtergesellschaften wird das als Schritt zu einer stärkeren Zentralisierung interpretiert.

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