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Sewing spricht vor Aktionären : 600 Stellen sind bei der Deutschen Bank bereits weg

Der neue Vorstandschef Christian Sewing spricht am Donnerstag vor den Aktionären. Bild: Reuters

Insgesamt 7000 Jobs in Deutschlands größtem Geldhaus sollen wegfallen. Der Abbau hat bereits begonnen, sagt der Vorstandschef auf der Hauptversammlung. Der Aktie hilft das nicht.

          Der angekündigte massive Stellenabbau bei der Deutschen Bank hat bereits begonnen. In den zurückliegenden sieben Wochen habe sich das größte deutsche Geldhaus bereits von rund 600 Mitarbeitern in der Unternehmens- und Investmentbank getrennt, sagte der neue Vorstandschef Christian Sewing am Donnerstag zu Beginn der Hauptversammlung in Frankfurt. Er hat dem Geldhaus eine Rosskur verordnet und will die Zahl der Vollzeitjobs von derzeit 97.000 weltweit auf „deutlich unter 90.000" Stellen kappen – hauptsächlich im Investmentbanking und vor allem in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Der Abbau soll in wenigen Monaten erfolgen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sewing sagte, der Stellenabbau sei nötig, um die zuletzt unter Druck geratene Bank neu aufzustellen. In diesem Rahmen müssten die Kosten deutlich stärker gesenkt werden – im Investmentbanking alleine will er bis Ende 2019 rund eine Milliarde Euro sparen. In diesem Bereich, der einstigen Paradedisziplin des Instituts, steht das Geldhaus jedoch weiterhin unter Druck. Nach einem Gewinnrückgang des Gesamtkonzerns um 80 Prozent im vergangenen Jahr, bleibe die Ertragslage in der Investment- und Unternehmensbank auch im zweite Quartal „herausfordernd“.

          Dem Anlegern reichte das Sparprogramm anscheinend nicht. Die Deutsche-Bank-Aktie fiel trotz der Ankündigung am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit Herbst 2016. Nach anfänglich schwankendem Verlauf tauchten die Papiere mit 2,81 Prozent ins Minus ab auf 10,59 Euro. Damit gehörte die Aktie mal wieder zu den größten Verlierern am deutschen Aktienmarkt.

          DT. BANK

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          Sewing: Stolz verloren gegangen

          Sewing gestand vor den Aktionären ein, dass der Stolz, für das Geldhaus zu arbeiten, in den vergangenen Jahren zumindest teilweise verloren gegangen sei. „Deshalb trete ich das Amt des Vorstandsvorsitzenden mit dem Ziel an, genau diesen Stolz wieder zu erwecken.“ Die Aktionäre im Saal reagierten mit Applaus. „Verstehen Sie mich nicht falsch: nicht Arroganz, sondern Stolz.“

          Vor Sewing sprach der stark in der Kritik stehende Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Er musste sich einer hitzigen Stimmung im Saal stellen: Zu ersten Pfiffen und Buhrufen kam es schon, als er zwei Minuten verspätet auf dem Podium erschien. Achleitner versuchte die Stimmung schnell zu drehen, indem er besonders herzlich die Eintracht-Frankfurt-Fans im Saal begrüßte, „als Münchner ist mir das ein besonderes Bedürfnis“. „Wenn ihr mal so erfolgreich wäret“, ruft ein Aktionär.

          Als Achleitner auf die Benennung Sewings zum neuen Vorstandsvorsitzenden zu sprechen kam, klatschte zunächst nur ein einzelner Aktionär. Der erste große Applaus der Aktionäre gilt dem geschassten John Cryan. Achleitner lobt Cryan dafür, dass er einen Neuanfang in der Bank gestartet habe und die Probleme beim Namen benannt habe. „Die Gleise sind gelegt, jetzt muss nur der Zug Geschwindigkeit aufnehmen“, sagte Achleitner.

          Er verteidigte den überraschend schnellen Wechsel an der Spitze der Bank. Gleichzeitig bedauerte er, dass die Entlassung von John Cryan als Vorstandschef und die Berufung Sewings als Nachfolger im April so eilig durchgezogen werden musste. „Wir mussten handeln – auch wenn es ursprünglich nicht unsere Absicht war, so schnell den Wechsel herbeizuführen“, sagte Achleitner.

          Achleitner: „Sewing war unsere erste Wahl“

          „Ich persönlich hatte gehofft, dass die Neuaufstellung an der Spitze unserer Bank konstruktiv zur heutigen Hauptversammlung stattfinden würde." Dass es anders kam ist in Augen Achleitners vor allem Schuld derjenigen, die in der Woche nach Ostern alle mögliche Spekulationen über eine Nachfolge von John Cryan in die Welt gesetzt haben. „Wem auch immer es genützt hat – unserer Bank und dem Ansehen der handelnden Personen, nicht zuletzt auch John Cryan und mir persönlich, hat es sehr geschadet“, sagte Achleitner.

          Der Wechsel sei zwingend notwendig gewesen, da das Management die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht habe und es zudem vermehrt Meinungsverschiedenheit gegeben habe. Neben Cryan hatte unter anderem der Investmentbank-Chef und Co-Vizechef Marcus Schenck seinen Hut genommen. Mit Sewing wurde der andere Co-Chef an die Spitze berufen.

          Achleitner bestätigte, dass der Aufsichtsrat auch externe Kandidaten für den Vorstandsvorsitz in Betracht gezogen habe. Er betonte aber: „Sewing war unsere erste Wahl“. Dabei sei es nicht so relevant gewesen, dass er ein Mann des Privatkundengeschäfts oder der Investmentbank gewesen sei. „Wichtig war, dass er ein Deutsch-Banker war, einer der die Bank in all ihren Teilen gut kennt.“

          Die Analysten der amerikanischen Bank JP Morgan bewerten den am Morgen angekündigten massiven Stellenabbau der Deutschen Bank als Schritt in die richtige Richtung. Dadurch würden die Kosten sinken, aber auch die Erträge dürften schrumpfen, schreiben sie in einer Analyse.

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