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60. Geburtstag : Happy Birthday, Mr. Ackermann

Nicht nur ein Sieger - jetzt auch ein Star Bild: picture-alliance/ dpa

Früher war Josef Ackermann der Buhmann der Deutschen: Er erzielte Milliardengewinne und feuerte gleichzeitig Tausende Beschäftigte. Jetzt gibt er den Patrioten. Und lässt sich zum 60. Geburtstag als Meister in der Finanzkrise feiern.

          Damit war nicht mehr zu rechnen. Josef Ackermann ist ein Star geworden. Der Mann, den Deutschland mit Verachtung strafte, als er Milliarden-Gewinne erzielte und gleichzeitig Tausende Beschäftigte feuerte. Sein Victory-Zeichen hat sich in das kollektive Gedächtnis eingegraben als Symbol der Arroganz. Er wurde vom Boulevard verdächtigt, nach der Mannesmann-Übernahme den Verlierern Millionen zugeschanzt zu haben. Dieser Ackermann leuchtet plötzlich.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er steht, wie es sich für einen Star gehört, oben in den „Charts“. Das Manager-Magazin befragte Anleger, was sie von den Chefs der großen deutschen Unternehmen halten. Ackermann rangierte vor drei, vier Jahren im Nirgendwo. Seit die Bankenkrise begann, ist der Schweizer rasant geklettert. Inzwischen steht er auf Platz vier - nur noch die Chefs von Porsche, BMW und Adidas sind vor ihm.

          Eine Stelle für Ackermann?

          Mehr als Umfragen aber sagt ein Angebot der Konkurrenz. Wenn irgendwo in Amerika zurzeit eine Spitzenbanker-Stelle frei wird, heißt es am nächsten Tag: eine Stelle für Ackermann? Ob in der Citibank, die eh schon mal mit der Deutschen Bank fusionieren wollte. Bei Merrill Lynch, der großen Investmentbank in New York. Oder beim Vermögensverwaltungs-Riesen UBS in Ackermanns Heimat Schweiz: Überall, wo die Bankenkrise einen Chef vom Stuhl fegte, folgte umgehend die Spekulation: Wenn's keiner intern wird, dann Ackermann.

          Er zahle aus der eigenen Tasche, sagte Ackermann am Ende des Mannesmann-Prozesses

          Selbst wenn ein Teil der Gerüchte von den PR-Strategen der Deutschen Bank selbst gestreut worden sein sollte: Dass seine Berufung für möglich gehalten wird, zeigt, was man Ackermann zutraut. Bei keinem anderen deutschen Banker wäre so was denkbar.

          Die Analysten halten sich bedeckt

          An diesem Donnerstag feiert der Star seinen Geburtstag. Am Donnerstag wird Ackermann 60 Jahre alt - und stellt am selben Tag in Frankfurt die Bilanz seiner Bank für 2007 vor. Vielleicht vergeht ihm das Strahlen. So wie seinerzeit Heinrich von Pierer. Der hatte im vorigen Jahr die Hauptversammlung der Siemens AG auf seinen 66. Geburtstag gelegt - die endete in einer einzigen Beschimpfungsorgie, wegen der Korruptionsaffäre.

          Auch Ackermanns Geburtstag könnten Sorgen trüben. Gerüchte, die Deutsche Bank müsse wegen der Finanzkrise mehr abschreiben als bislang erwartet, ließen vorige Woche die Börsen erzittern. Der Kurs der Deutschen Bank gab nach. Kommt Donnerstag der große Knall? Die Analysten halten sich bedeckt. Immerhin hat die Bank im ersten Halbjahr 2007 gut verdient. Vor Steuern könnte sie auf knapp 8,7 Milliarden Euro kommen, meint Analyst Andreas Pläsier vom Bankhaus M. M. Warburg. Das wäre ein Rekord. Nicht ausgeschlossen, dass die Deutsche Bank als einer der Sieger aus der Bankenkrise hervorgeht. „367 Jahre muss ein Facharbeiter arbeiten, um so viel zu verdienen wie Ackermann in einem Jahr“, rechnete ein Gewerkschaftsfunktionär 2005 aus. Er stand immer ganz oben in den Gehaltsrankings, wenn auch hinter den Spitzenverdienern seines eigenen Unternehmens.

          Unter der Dusche singt er „La Traviata“

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