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Deutsche und Commerzbank : 500 Filialen wären durch Bankenfusion in Gefahr

  • Aktualisiert am

Heben die Deutsche Bank und die Commerzbank bald gemeinsam ab? Eine große Baustelle wird die Bankenlandschaft in jedem Fall noch eine Weile bleiben. Bild: dpa

30.000 Arbeitsplätze und 500 Filialen könnten durch eine Bankenfusion in Gefahr geraten. Viele sehen die Pläne kritisch. Der Chef des Ifo-Instituts fordert: „Die Politik hat sich rauszuhalten.“

          Eine Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank könnte die Schließung von 500 Filialen bedeuten, berichtet die „Bild“-Zeitung. Im Falle einer Fusion würden die Kosten deutlich gesenkt, weil beide Institute ungefähr jede dritte Filiale einsparen könnten, zitierte die Zeitung am Freitag Kreise beider Banken. Die Commerzbank hat derzeit über tausend Filialen, die Deutsche Bank ungefähr 530.

          Gewerkschaften fürchten den Abbau von bis zu 30.000 Stellen bei einer Fusion. Die beiden Geldinstitute hatten am Sonntag erklärt, „ergebnisoffene Gespräche über einen eventuellen Zusammenschluss aufzunehmen“. Die Sondierungsgespräche würden „eine Weile brauchen“, hieß es von Seiten der Deutschen Bank. Eine Gewähr, dass es zu einer Transaktion komme, gebe es nicht.

          Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank war am Donnerstag über den Stand der Fusionsgespräche informiert worden. Vorstandschef Sewing betonte einem Insider zufolge, dass für eine Entscheidung weitere Fakten benötigt würden. Die beiden Institute hätten damit begonnen, ihre Bücher gegenseitig zu prüfen, sagte der Insider. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

          Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte im vergangenen Jahre geklagt, hiesige Banken hätten nicht mehr die „Größenordnung und die Globalität“, die notwendig sei, um Unternehmen bei ihren Geschäften auf der ganzen Welt zu begleiten. Er gilt als Unterstützer eines Zusammenschlusses und soll Deutsche Bank-Chef Christian Sewing zu den Gesprächen gedrängt haben.

          Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, fordert die Politik indes dazu auf, sich aus einer möglichen Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank herauszuhalten. Die Politik müsse auf Finanzstabilität und das Risiko einer Haftung der Steuerzahler achten, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Eine neue Bank müsse deshalb besonders solide sein. „Ansonsten hat die Politik sich aber rauszuhalten, wenn zwei Banken über eine Fusion sprechen. Dies gilt umso mehr, als der Wettbewerb nicht beschränkt wird. Wir haben genug Banken in Deutschland, eher zu viele.“ Es sei wichtig nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben zu entscheiden.

          Neben Arbeitnehmerverbänden, Großaktionären und Wirtschaftsweisen hatten sich zuletzt auch Vertreter aus der Politik skeptisch gegenüber der potentiellen Bankenfusion gezeigt.

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