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50 Jahre Lego : Eine Legende aus Plastik und Noppen

Lego setzt auf seinen guten Ruf: Das Spielen soll die Kreativität fördern Bild: AFP

Aus einer einfachen Idee hat ein dänischer Tischler einen Welterfolg entwickelt. Seit 50 Jahren gibt es Lego und Millionen von Kindern spielen mit den Plastiksteinen. Das Unternehmen hat einen guten Ruf - dank der prestigeträchtigen Innovationen.

          Lang sind die Winterabende auf dem platten Niemandsland der Jütischen Halbinsel. Glücklich, wer dort eine Werkstatt sein Eigen nennt. Genial, wer darin aus einer einfachen Idee einen Welterfolg entwickelt. Ein Kunsttischler war es, Ole Kirk Christiansen, der schon 1932 in Billund mit der Herstellung von Holzbauklötzen begonnen hatte. „Leg godt“ heißt: „Spiel gut“: Wie sonst sollte man für Spielzeug werben? Zu einem Wort zusammengezogen, wurde der Slogan zum Firmennamen Lego. Bis die bunten, zusammensteckbaren Steine aus Kunststoff - in ihrer Urform einen Zoll lang und mit acht kleinen Noppen ausgestattet - ihren Siegeszug um die Welt antreten konnten, dauerte es aber noch ein Vierteljahrhundert, bis 1958. In dieser Woche hat der Lego-Konzern den 50. Geburtstag des Bauklötzchens gefeiert.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Geburtsurkunde bewahrt die dänische Patentbehörde tief im Keller ihres Archivs in Taastrup auf: sechs vergilbte Seiten, zur Hälfte Text, zur Hälfte Zeichnungen. Ausgestellt wurde das Patent Nummer 92683 am 28. Januar 1958 um 13.58 Uhr auf Christiansens Sohn Godtfred Kirk. Heute gehört das Unternehmen Kjeld Kristiansen, dem Enkel des Gründers. Mit 4500 Mitarbeitern und einem erwarteten Umsatz von 7,8 Milliarden Kronen (gut 1 Milliarde Euro) ist es nach Mattel, Hasbro, Bandai und MGA Entertainment der fünftgrößte Spielzeughersteller der Welt. Seit 1958 wurden nach Angaben des Unternehmens rund um den Globus 400 Milliarden Elemente verkauft; sie sind allesamt miteinander kompatibel. Wer heute ein Päckchen Legosteine kauft, kann sie mit den vor 50 Jahren produzierten kombinieren.

          Nicht nur Kinder spielen mit den Bauklötzen

          Der Stoff, aus dem das vom Magazin „Fortune“ gekürte „Spielzeug des Jahrhunderts“ gemacht wird, heißt Acrylnitril-Butadien-Styrol. Zur Formgebung wird er in einer der Fabriken in Dänemark, Tschechien und Mexiko auf 232 Grad Celsius erhitzt, dann ist er weich wie Softeis. Auf einen tausendstel Millimeter genau verarbeiten die Maschinen den Plastikteig zu den 2400 verschiedenen Varianten, in denen es Lego heute gibt. Nicht nur Kinder spielen mit ihnen. Auch erwachsene Enthusiasten versuchen sich an immer größeren, höheren, möglichst phantasievollen oder detailgetreuen Bauten. Die Vorbilder finden sie im Legoland. Das Original der Themenparks wurde in Billund eröffnet, weitere gibt es im schwäbischen Günzburg, in Südengland und in Kalifornien. Dort wurde im vergangenen Mai der mit mehr als 28 Metern bislang höchste Lego-Turm gebaut.

          Aber auch für Lego gibt es nicht nur den Weg nach oben. 1998 wurden erstmals Stellen gestrichen - bis dahin ein Unding in der Unternehmensgeschichte. Wenige Jahre später die nächste Krise: Nach einem katastrophalen Weihnachtsgeschäft entließ Kjeld Kristiansen im Januar 2004 seinen vermeintlichen Kronprinzen Poul Plougmann. Mit dem Merchandising von Harry Potter und anderen Figuren aus der Unterhaltungsindustrie habe sich Lego zu weit von seinen Wurzeln entfernt, mäkeln die Kritiker. Außerdem sei der Personalbestand immer noch zu groß. Fast 2000 Mitarbeiter mehr als heute beschäftigte Lego damals.

          Zum Geburtstag spendiert Google die Werbung

          Offenbar haben Designer und Manager die richtigen Lehren daraus gezogen. Zum 50. Geburtstag des Steins jedenfalls steht nun eine Neuauflage der 1958 erstmals verkauften „Lego-Stadt“ in den Regalen des Internetshops. Eine Tankstelle, ein Rathaus und ein Kino im Retro-Look gehören dazu. Fast 150 Euro kostet das Set mit seinen 1000 Steinen; als Extra enthält es einen Brief von Kjeld Kristiansen, der als Kind einst selbst auf der Verpackung der Lego-Stadt zu sehen war. Die Sonderausgabe ist nur die eine Seite der Unternehmensstrategie, die andere zeigt sich in mehr als hundert neuen Produkten, die gleichzeitig in den Verkauf gehen. Der Geländewagen mit „Power-Funktionen zum Anheben und Senken der Karosserie“ wird in der kommenden Woche auf der Nürnberger Spielzeugmesse zu sehen sein.

          Die Strategie hat Erfolg, so jedenfalls meldet es das Hauptquartier des Konzerns, der immer noch in Billund zu Hause ist - der jütische Lokalpatriotismus gehört zum Selbstverständnis des Familienunternehmens. Im ersten Halbjahr 2007 belief sich der Gewinn vor Steuern auf 173 Millionen Kronen. Außer auf gute Zahlen setzt Lego auf sein Image. Das Spielen soll die Kreativität fördern, die fast unendlichen Kombinationsmöglichkeiten der Steine sind in diesem Punkt der Trumpf. Für jedes Alter wurden mit den Jahren die passenden Serien entwickelt, auch Kinderkleidung, Schreibwaren und Computerspiele sind mittlerweile im Angebot. Zum guten Ruf, den Lego genießt, tragen schließlich prestigeträchtige Innovationen bei - in Kooperation mit dem Massachusetts Institute of Technology etwa wurde Robotertechnologie in das Spielzeugsystem integriert.

          Der Aufwand lohnt sich. Lego nimmt Spitzenplätze ein, wenn es um das Image geht. Ein weiteres Ruhmesblatt kam am Montag hinzu: Google stellt auf seiner Homepage den eigenen Namen einen Tag lang als Kombination aus Legosteinen dar. Google spendiert diese Werbung - auch weil sein Gründer Larry Page als Student einst selbst einen Drucker aus Legosteinen gebaut hat. So wachsen die Legenden um eine Erfolgsgeschichte weiter, die selbst mit zwei legendären Sätzen beginnt. Als Ole Kirk Christiansen seine erste Maschine zum Formen von Kunststoff erwarb - es soll die erste ihrer Art in Dänemark gewesen sein -, waren seine Söhne und Mitarbeiter skeptisch. „Könnt ihr es nicht sehen?“, fragte er sie. „Wenn wir es richtig anstellen, können wir diese Steine Kindern in der ganzen Welt verkaufen!“

          Meilensteine
          1958 Patentanmeldung
          1967 Lego-Duplo für Kleinkinder
          1968 Legoland Billund
          1974 die ersten Lego-Figuren
          1977 Lego-Technik für ältere Kinder
          1978 Lego-Space Raumfahrtserie
          1995 Lego Primo für Kleinstkinder
          2002 Legoland Günzburg

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