https://www.faz.net/-gqe-9m6w3

5 Millionen Dollar veruntreut? : Nächste Anklage gegen Ghosn

  • Aktualisiert am

Die Staatsanwaltschaft hat eine weitere Anklage gegen Carlos Ghosn, hier am 3. April 2019, erhoben. Bild: AFP

Carlos Ghosn wird in einem weiteren Fall Untreue vorgeworfen. Es geht um fünf Millionen Dollar. Offenbar handelt es sich um die bisher schwersten Vorwürfe.

          In Japan hat die Staatsanwaltschaft gegen den früheren Nissan-Chef Carlos Ghosn eine weitere Anklage wegen Veruntreuung erhoben. Das teilte das Bezirksgericht in Tokio am Montag mit – an genau dem Tag, an dem die Frist für eine Anklageerhebung oder Freilassung endete. Es ist mittlerweile die vierte Anklage gegen den früheren Top-Manager der französisch-japanischen Auto-Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi. Ghosn wird vorgeworfen, Nissan über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren um fünf Millionen Dollar geschädigt zu haben. Er soll sich persönlich bereichert haben. Die neuen Untreue-Vorwürfe sind Experten zufolge die schwerwiegendsten Anschuldigungen gegen Ghosn.

          Die Verteidigung wirft der Staatsanwaltschaft vor, mit dieser Reihe von Anklagen – eine in Japan durchaus übliche Taktik – Ghosn unter Druck zu setzen, bis er am Ende einknickt. Doch hat Ghosn deutlich gemacht, kein Geständnis unterzeichnen zu wollen. In einem kürzlich von seinem japanischen Anwalt veröffentlichten Video beteuerte er nochmals seine Unschuld. Der prominente Automanager sieht sich als Opfer einer Verschwörung.

          Laut der neuen Anklage wird Ghosn vorgeworfen, ein Tochterunternehmen von Nissan in den Vereinigten Arabischen Emiraten angewiesen zu haben, zehn Millionen Dollar an einen Vertriebspartner in Oman zu zahlen, so Kyodo. Davon soll die Hälfte an ein Konto der Ghosn gehörenden libanesischen Investmentfirma Good Faith Investments geflossen sein. Ein Teil dieses Gelds soll dann an ein Unternehmen seiner Frau weitergeleitet worden sein. Davon könnte unter anderem eine Luxusjacht für Ghosns Familie gekauft worden sein, berichtete Kyodo unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen weiter.

          Unmenschliche Haft?

          Das Bezirksgericht teilte mit, Ghosns Anwälte hätten eine Freilassung auf Kaution beantragt. Es hatte Mitte April Ghosns Haft um acht Tage verlängert, um der Staatsanwaltschaft Zeit für ihre Entscheidung zu geben. Bevor sie ihre neue Anklage erhob, hatte Nissan mitgeteilt, man habe Strafanzeige gegen Ghosn wegen persönlicher Bereicherung gestellt.

          Im November vergangenen Jahres war Ghosn in Tokio wegen angeblichen Verstoßes gegen Börsenauflagen erstmals in Untersuchungshaft genommen worden. Zudem soll er private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Er wurde angeklagt und erst nach monatelanger Haft gegen eine Kaution von neun Millionen Dollar entlassen. Knapp vier Wochen nach seiner Freilassung wurde er Anfang April dann abermals in Untersuchungshaft genommen. Einen Termin für einen Prozess gegen ihn gibt es noch immer nicht.

          Ghosn bestreitet die Vorwürfe. Seine Anwälte kritisieren die abermalige Haft als unmenschlich, da eine medizinische Behandlung von Ghosns chronischem Nierenleiden unterbrochen worden sei.

          Der gebürtige Brasilianer hatte 1999 den Einstieg des französischen Autoherstellers Renault bei Nissan gemanagt. In die bis dato beispiellose Auto-Allianz wurde dann auch Mitsubishi Motors eingebunden. Nur wenige Tage nach seiner Verhaftung im November hatten ihn Nissan und Mitsubishi als Verwaltungsratschef gefeuert. Kürzlich warf ihn Nissan dann auch aus dem Verwaltungsrat. Das Bündnis mit Renault soll künftig von einem neuen Vorstandsgremium geführt werden, das die Kooperation der drei Konzerne steuern soll.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erdogans Akademiker : Der Rest ist Propaganda

          Wer dachte, eine Tagung des Zentrums für Türkeistudien in Essen würde die Lage der Universitäten am Bosporus kritisch beleuchten, sah sich getäuscht: kein Wort von Erdogans Säuberungen, nur Lob für den Potentaten.

          AKK zu Wahl in Görlitz : Schon wieder vertwittert

          Wieder sorgt die CDU-Vorsitzende mit einem Tweet für Ärger. Die Niederlage der AfD in Görlitz sei ein Zeichen für die Stärke der CDU, twittert AKK – und unterschlägt dabei, dass vor allem ein breites überparteiliches Bündnis den AfD-Sieg verhindert hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.