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3D-Fernsehen : Der Schlachtruf heißt "Ssrie-die!"

  • -Aktualisiert am

Schöner mit Brille: Der 3D-Film „Avatar” von James Cameron Bild: REUTERS

3D ist die Hoffnung der TV-Industrie. Doch bis die Technik wirklich in jedem Wohnzimmer ankommt, dürften Jahre vergehen. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Fragen, die noch nicht recht geklärt sind: Was ist mit dem Preis? Was ist mit der Brille? Und was ist mit den Inhalten?

          Mit neuer Technik hat sich das Fernsehen bisher immer ordentlich Zeit gelassen. Seit 1928 gibt es Television in Deutschland, 1967 kam die Farbe dazu, in diesem Jahrzehnt mit HD (“High Definition“) die lebensnahe Schärfe. Nun wäre nach dieser Jahreslogik der nächste große Technologieschritt etwa um das Jahr 2050 dran. Doch solange mag sich die Industrie dieses Mal nicht gedulden. Bereits im kommenden Jahr will man die dritte Dimension auf die Flachbildschirme holen.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon auf der Internationalen Funkausstellung, die Anfang September in Berlin stattfand, kamen Besucher kaum am Thema 3D vorbei. Und noch viel weniger ließ es sich vergangene Woche auf der japanischen Elektronikmesse Ceatec umgehen. „Ssrie-die!“ lautete der Schlachtruf in den Tokioter Messehallen. Ob Sony oder Panasonic, ob Sharp oder Toshiba - kaum ein Branchengigant verzichtete auf junge Damen, die in ihren Produktpräsentationen mantragleich in jedem zweiten Satz „Ssrie-die“ beschworen. Zwei Anbieter haben es besonders eilig. Sony will „3D 2010 nach Hause bringen“, kündigte der Konzern an. Und auch Panasonic hat das kommende Jahr angepeilt, um seinen „Full-HD-3-D“-Fernseher auf den Markt zu werfen.

          Die Hersteller setzen auf Shutterbrillen

          Besonders neu ist die dritte Dimension nicht, wenn es um Filme geht. Schon Anfang der fünfziger Jahre lockten Kinos mit 3-D-Aufführungen - es war ein Versuch, die an das Fernsehen verlorenen Zuschauer mit einem besonderen Gimmick zurückzuholen. Damals sorgten Rot-Grün-Brillen dafür, dass Raumschiffe gleichsam aus der Leinwand herausschwebten. Brillen sind auch heute noch nötig, um den räumlichen Eindruck im Gehirn zu erzeugen. Allerdings handelt es sich jetzt um regelrechte High-Tech-Exemplare.

          Minister mit 3D-Brille: Der französische Kulturminister Frederic Mitterand (l.) und Ubisoft-Gründer Yves Guillemot

          Statt auf billige Farbfilter setzen die Hersteller nun auf sogenannte Shutterbrillen. Sie stellen unterschiedliche Bilder für das linke und das rechte Auge zur Verfügung und produzieren damit einen dreidimensionalen Effekt. Panasonic präsentierte auf der Ceatec einen Prototypen, der ins heimische Wohnzimmer Einzug halten soll: Ein immerhin 50 Zoll großes TV-Display, das das Unternehmen aus Osaka zusammen mit jeweils einer Brille verkaufen will - Preis noch unbekannt.

          Realistische Farben, scharfe Bilder

          Wie realitätsnah die Technik ist, davon konnten sich Ceatec-Besucher in einem kleinen Vorführraum überzeugen. Dort lief ein Trailer des neuen 3-D-Science-Fiction-Streifens „Avatar“ von Titanic-Regisseur James Cameron, der am 18. Dezember in die Kinos kommen soll. Die Zuschauer waren durchaus beeindruckt - und das nicht in erster Linie des Drehbuchs und der Story wegen.

          Weder fehlte es an realistischen Farben (wie bei der alten Rot-Grün-Technik) noch waren die Bilder verwaschen. Das Unternehmen ist so überzeugt von seinem Produkt, dass es nun auf Tournee geht: In den Einkaufszentren von zehn deutschen und österreichischen Städten soll die Kundschaft mit Produktvorführungen Gefallen an 3D finden - auf dass schon 2010 das „Heimkinoerlebnis der Zukunft“ seine ersten Abnehmer findet.

          Auch die Produktionstechnik muss umgestellt werden

          Denn trotz der schönen neuen Bilderwelt - die Kritiker wollen nicht verstummen. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Fragen, die noch nicht recht geklärt sind: Was ist mit dem Preis? Was ist mit der Brille? Und was ist mit den Inhalten? Schon mit der Shutterbrille fangen für manchen die Schwierigkeiten an. Im Kino mag es ja noch angehen, wenn jemand ein ziemlich gewaltiges Plastikgestell auf der Nase trägt - zumal hier ja alle nur in eine Richtung starren und nicht auf den Nachbarn. Aber im eigenen Wohnzimmer? Da richtet man gelegentlich auch mal den Blick weg vom Fernseher hin zum Partner. In ihrer aktuellen Form stellen die Brillen vielleicht Top-Technik dar, keinesfalls aber ein Top-Modeaccessoire.

          Nächster Punkt: die Inhalte. Bis sich die Fernsehsender darauf einlassen, in 3D zu senden, dürfte noch lange Zeit 2D Trumpf sein. Schließlich muss nicht nur das Empfangsgerät 3-D-fähig sein, sondern auch die Produktionstechnik. Die Sender benötigen neue Kameras, die mit zwei Objektiven zwei leicht verschobene Bilder aufnehmen, um daraus anschließend den dreidimensionalen Effekt zu generieren. Eine teure Angelegenheit.

          Kooperation mit Produktionsfirmen

          So hilft die Industrie etwas nach, und das sogar in Hollywood. Panasonic hat sich bei der Produktion des Cameron-Films „Avatar“ als Partner angedient und eine Kooperation mit Twentieth Century Fox vereinbart, um neben der 2D- auch eine 3D-Version produzieren zu können. Uneigennützige Kulturförderung? Der japanische Elektronikriese verhehlt nicht das eigentliche Ziel dieser Zusammenarbeit: Es geht darum, die neue Technologie verstärkt in die Köpfe der Konsumenten zu hämmern.

          Zumindest was die Filmindustrie angeht, scheint der Plan aufzugehen. Immer mehr voraussichtliche Blockbuster entstehen in 3D. Für 2010 sind unter anderem die Disney-Streifen „Alice in Wonderland“ und „Toy Story 3“ sowie „Shrek Goes Fourth“ und „Master Mind“ dreidimensional angelegt. Weil das richtig große Geschäft mit Filmen jedoch nicht im Kino gemacht wird, sondern hinterher mit DVD- und Blu-Ray-Scheiben, sehen es die Unterhaltungselektronik-Hersteller als unabdingbar an, dass die Technik fürs Wohnzimmer auch zur Verfügung steht.

          Die Finanzhilfe von Panasonic hat Regisseur Cameron so gefreut, dass er mit Blick auf das dreidimensionale Fernsehen pathetisch von einem „gigantischen Schritt“ spricht. In der Industrie selbst ist man noch nicht sicher, wie schnell dieser gigantische Schritt wirklich zu realisieren ist. Philips etwa hat zu Protokoll gegeben, man rechne nicht mit einem schnellen Markterfolg für 3-D-TV. Und auch Panasonic, das sich als Marktführer etablieren will, weiß, dass es wohl eines längeren Atems bedarf. Bevor die Masse der Konsumenten auf 3D zurückgreife, vergehen wohl ein paar Jahre, räumt selbst Unternehmenschef Ohtsubo ein.

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