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320 Millionen für Lehman : Die berühmteste Überweisung

Der jüngste Bau der KfW ist auch Spiegel eines Neuanfangs Bild: F.A.Z.-Nora Klein

Vor zwei Jahren überwies die KfW 320 Millionen Euro an die insolvente Bank Lehman, dabei taumelte die amerikanische Investmentbank schon wochenlang. Die KfW verschlief das. Um 8.55 Uhr war es soweit. Das Protokoll dieser Tage ist ein Wirtschaftskrimi.

          Es ist Mittwoch, der 17. September 2008. Unter der Überschrift „KfW überweist Lehman zum Konkurs 300 Millionen Euro“ enthüllt die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen schier unglaublichen Vorfall, der sich zum Skandal ausweitet. Das politische Berlin reagiert wie die Bevölkerung mit Spott und Fassungslosigkeit. Am nächsten Tag macht die Bild-Zeitung daraus die berühmt gewordene Schlagzeile „Deutschlands dümmste Bank“. In der KfW geht es in den folgenden Wochen drunter und drüber. Eine Krisensitzung jagt die nächste, der Vorstand muss bei den entsetzten Dienstherren im Bundesfinanzministerium und im Bundeswirtschaftsministerium antreten. Die gerade erst abklingende Empörung über die fatale und immerhin fast 10 Milliarden Euro teure Beteiligung an der ruinierten Mittelstandsbank IKB sei im Vergleich ein laues Lüftchen gewesen, berichten leidende Mitarbeiter.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Zur Erinnerung: Die staatseigene Förderbank KfW überweist am Morgen des 15. September 2008, einem Montag, der Investmentbank Lehman Brothers im Rahmen eines Devisenswapgeschäfts knapp 320 Millionen Euro. Die vereinbarte Gegenzahlung von 500 Millionen Dollar bleibt aus, denn Lehman hat in der Nacht zuvor Insolvenz angemeldet. In der KfW hat dies niemand rechtzeitig bemerkt – und das, obwohl die amerikanische Investmentbank seit Wochen um ihre Existenz kämpft und die elektronischen Medien in dieser Nacht Alarmmeldungen senden.

          Grundregeln scheinen unbekannt: Jeder Devisenhändler lernt schon zu Beginn seiner Ausbildung, dass der Tausch von Währungen insbesondere über Zeitzonen hochsensibel ist, weil erst die eine Seite überweist und dann die andere. Deswegen belastet eine solche Zahlung in vollem Umfang das dem Partner eingeräumte Kreditlimit. Dass die Überweisung Montag früh erfolgt macht die Sache noch peinlicher. Über das Wochenende sieht sich in der KfW offenbar niemand veranlasst, ein Auge auf Lehman zu werfen. Vorurteile vom schlafmützigen Staatsbeamtenbanker werden bestens bedient.

          Die KfW-Bank in Frankfurt am Main

          Anzeigen wurden abgeschmettert

          Der erst wenige Tage amtierende Vorstandsvorsitzende Ulrich Schröder muss um seinen Posten bangen. Schließlich werden die Vorstände Peter Fleischer und Detlef Leinberger für verantwortlich erklärt und entlassen. Der für das Risikomanagement zuständige Bereichsleiter Rainer Hartje wird, obgleich er zum fraglichen Zeitpunkt in Urlaub ist, „in gegenseitigem Einvernehmen“ in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Rund 200 Millionen Euro holt sich die KfW später aus von Lehman an anderer Stelle gehaltenen Guthaben zurück, der Rest ist wohl für immer verloren. Die entlassenen Vorstände klagen gegen die KfW und gewinnen in erster Instanz. Leinberger erhält 330.000 Euro, Fleischer bekommt von den geforderten 2 Millionen Euro fast 1 Million Euro zugesprochen. Die KfW wehrt sich, beide Fälle sind noch nicht rechtskräftig. Bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt gehen massenweise Strafanzeigen ein. Sie ermittelt gegen den gesamten Vorstand und den Bereichsleiter wegen des Verdachts auf Untreue.

          In der vergangenen Woche wird das Ermittlungsverfahren eingestellt. „Es besteht kein begründeter Tatverdacht mehr“, teilt der Staatsanwalt mit. Die drei dutzend Menschen, die Strafanzeige gegen den KfW-Vorstand gestellt haben, mindestens diese drei Dutzend, sind empört. „Man muss nur seine E-Mails nicht lesen oder behaupten, sie nicht gelesen zu haben, dann kommt man aus so einer Sache fein raus“, wettert einer der Anzeigenden.

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