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300 Millionen Euro Finanzlücke : Berliner Flughäfen in Geldnot

  • Aktualisiert am

Techniker und Arbeiter in der Abflughalle des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg Bild: dpa

Die Verzögerungen haben alle Puffer zunichte gemacht: Deshalb muss die Flughafengesellschaft BER jetzt sparen – und vermutlich sogar Stellen abbauen. Und bei den Testläufen sorgt ein Raucher für einen Einsatz der Feuerwehr.

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          In der Corona-Krise sind für die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) neben dem geplanten Hauptstadtflughafen BER weitere Großbaustellen hinzugekommen. Zwar erholt sich der Flugbetrieb an den beiden Standorten Schönefeld und Tegel inzwischen wieder. Doch weil der Reiseverkehr zwischenzeitlich nahezu zum Erliegen gekommen war, hat sich eine Finanzlücke von rund 300 Millionen Euro aufgetan. Die jahrelangen Bauverzögerungen beim BER und damit verbundene Kosten und Einnahmeausfälle hätten alle Puffer zunichte gemacht, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats.

          Nun muss das Unternehmen stark sparen – bei Investitionen und auch beim Personal. Ein Großteil der Beschäftigten arbeite schon in Kurzarbeit. Neueinstellungen seien bis auf Weiteres ausgesetzt. Das gilt auch für wichtige Posten wie etwa die vakante Stelle des Technikchefs.

          Stellenabbau könnte folgen

          Eigentlich sollte der Aufsichtsrat am Freitag über die Personalie entscheiden, die Beschlussvorlage sei vorher aber zurückgezogen worden, sagte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider im Anschluss. „Aufgrund des Sparprogramms im Bereich von Investitionen und Personal stehen alle Neueinstellungen auf dem Prüfstand“, teilte der Flughafen am Abend zur Begründung mit. „Deshalb wird auch die vakante Leitung von Bau und Technik nicht neu besetzt.“ Seit Ende Mai ist der Posten vakant, weil der bisherige Verantwortliche, Carsten Wilmsen, damals nach nicht einmal zwei Jahren seinen Hut genommen hatte.

          Doch die Krise könnte auch einen Stellenabbau am Flughafen zur Folge haben. „Wir wollen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden, wir müssen aber mit den Kosten runter“, sagte Lütke Daldrup. Mit den Tarifpartnern müsse deshalb auch über Altersteilzeit oder andere Lösungen gesprochen werden. In welcher Größenordnung Stellen möglicherweise eingespart werden müssen, ließ er offen.

          Wenige Stunden zuvor hatte schon der Bodendienstleister Wisag angekündigt, rund die Hälfte der 1500 in Berlin angesiedelten Stellen aufgrund der Krise streichen zu wollen. „Ich hoffe, dass für alle sozialverträgliche Lösungen gefunden werden“, kommentierte Lütke Daldrup die Maßnahme. „Wir legen Wert darauf, dass die Bodenverkehrsdienste, die am Flughafen den Airlines geschuldet werden, auch stattfinden.“

          Raucher löst Brandmelder aus

          Angesichts der finanziellen Probleme rückten die guten Nachrichten am Freitag in den Hintergrund: Mit der geplanten Inbetriebnahme des BER Ende Oktober geht es voran. Seit längerem schon ist das Hauptterminal fertig. Seit dieser Woche laufen dort die Proben mit freiwilligen Komparsen.

          Sie sollen vor allem Abläufe wie Check-in und Sicherheitskontrollen üben. Ab Donnerstag allerdings wurden die Tests vorzeitig beendet: Jemand habe in einem Putzraum eine Zigarette geraucht und damit einen Brandmelder ausgelöst, sagte Lütke Daldrup. „Das hat tatsächlich dazu geführt, dass das passiert ist, was passieren muss.“ Die Entrauchungsanlage sei angelaufen, Türen aufgegangen und die Feuerwehr innerhalb weniger Minuten vor Ort gewesen.

          Offen blieb am Freitag weiterhin, ob unterdessen die Arbeiten am Terminal 2 fertig werden, das eigentlich zur Eröffnung zur Verfügung stehen soll. Das sei auch weiterhin das Ziel, sagte Lütke Daldrup. „Wir haben da aber einen sehr, sehr engen Zeitplan.“ In den nächsten Wochen stünden die sogenannten Wirk-Prinzip-Prüfungen an, bei denen der Tüv die Technik überprüft und abnimmt. „Wir werden Ende August genauer sagen können, ob der Termin steht“, sagte Lütke Daldrup.

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