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25 Jahre D-Netze : Und plötzlich konnte jeder mobil telefonieren

Die Angst vor Verstrahlung

Allerdings musste man in den allerersten Monaten des D-Netzes als Nutzer auch noch Pionierarbeit leisten. Was störte die ersten Handytelefonierer in Deutschland? Schon die Fummelei mit der Sim-Karte bereitete Ärger. Die zeitgenössischen Modelle von Motorola und Ericsson wie das „International 3200“ oder das „4041“ machten den Kunden das Einsetzen teilweise nicht leicht. Im größeren Motorola – schon ohne Antenne knapp 20 Zentimeter lang, 577 Gramm schwer und 2000 D-Mark teuer – ging es einfacher als im etwas kleineren Ericsson. Wobei „klein“ für damalige Verhältnisse hieß: mit 3,5 Zentimetern Dicke immer noch für Hosentaschen völlig ungeeignet. Aber üblicherweise trug man das Gerät ja auch nicht in, sondern an der Hose, am Gürtelhalter.

Das „Handy“ firmierte damals gern noch als „Handtelefon“ – aber schon Mitte des Jahres 1992 findet sich der „englische“ Begriff, der im Englischen völlig unbekannt ist, in dieser Zeitung. Damit grenzte man das tragbare Mobiltelefon von den kiloschweren Auto-Einbauten und den backsteinförmigen Geräten mit eigenem Tragriemen und Hörer ab. Seinerzeit musste noch detailliert beschrieben werden, wie das alles eigentlich funktioniert: „Zuerst schaltet man sein Handtelefon ein, gibt seine zum Sim gehörende, geheime und selbst änderbare persönliche Identifikationsnummer, die Pin, ein und harrt dann der Netzverbindung, die da kommen soll, Einloggen genannt.“ Gelegentlich ging das schnell, oft sei aber „mobilfunktechnisch komplett Wüste“, beschwerte sich der F.A.Z.-Autor damals. Kein Wunder: Die beiden D-Netz-Unternehmen hatten sich zunächst auf die Ballungsgebiete konzentriert. Die Provinz deckten sie erst viel später mit Funkmasten ab. Dazu kam die Angst vor Verstrahlung: So mancher Anrainer klagte gegen die Antennen in seiner Nachbarschaft – und es gibt Menschen, die sich über diese Frage bis heute den Kopf zerbrechen.

Von AEG und Alcatel über Ericsson, Hagenuk und Motorola bis zu Nokia

Stand die Verbindung mit den Motorola- und Ericsson-Geräten dann doch irgendwann, mussten sich die Kunden mit der Bedienerführung herumschlagen. Sie sollte „wesentlich freundlicher“ werden, so lautete die Forderung seinerzeit. „Heute ist das noch so: Man tippt etwas ein, guckt dann ins mickrige Display, nimmt zögernd das Gerät an die Wange, hört absolut nichts und erschrickt nur, weil man inzwischen fast in den Graben gefahren ist“, hieß es damals im Testbericht. Zumindest die Unfallgefahr hat die inzwischen „wesentlich freundlichere“ Bedienerführung nicht vermindert.

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Wie schwierig Aussagen zur Zukunft sind, zeigt auch eine Einschätzung der Cebit-Berichterstatter zur Geräteentwicklung: „Viel kleiner geht es ohnehin nicht mehr, und die Strecke von Ohr bis Mund ist vorgegeben, wenn es nicht einmal Hörer für verschiedene Kopfgrößen gibt“, hieß es in dieser Zeitung. In Hannover konnte der Kunde übrigens „aus mehr als einem Dutzend Geräten verschiedener Hersteller“ wählen – von AEG und Alcatel über Ericsson, Hagenuk und Motorola bis zu Nokia und Siemens. Und was überraschte die Messebesucher im ersten Jahr der D-Netze noch? „Bei Siemens hat man schon sehr weit gedacht und eine solarbetriebene Telefonzelle für GSM-Netze vorgestellt.“

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